Zukunftskongress Logistik: Was die Blockchain für die Supply Chain bringt

Am ersten Kongresstag standen unter anderem die Potenziale und konkrete Anwendungen von Distributed-Ledger-Technologien im Vordergrund.

Diskutierten über die Potenziale von Blockchain (v.l.): Michael F. Spitz (Main Incubator), Markus Rathmann (EJOT), Christian Dinnus (Wirtschafts- und Digitalministerium NRW) und Prof. Dr. Michael Henke (Fraunhofer IML). (Screenshot: Fraunhofer IML)
Diskutierten über die Potenziale von Blockchain (v.l.): Michael F. Spitz (Main Incubator), Markus Rathmann (EJOT), Christian Dinnus (Wirtschafts- und Digitalministerium NRW) und Prof. Dr. Michael Henke (Fraunhofer IML). (Screenshot: Fraunhofer IML)
Therese Meitinger

Unter dem Motto „Von der Revolution zur Transformation – mit Künstlicher Intelligenz in die Silicon Economy“ findet vom 15. bis 17. September 2020 der digitale „Zukunftskongress Logistik – 38. Dortmunder Gespräche“ statt. Mehr als 800 Teilnehmer haben sich den Organisatoren zufolge für den Kongress angemeldet, den das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML und das Digital Hub Logistics gemeinsam veranstalten. Dabei sollen die Chancen und Herausforderungen einer neuen Plattformökonomie sowie aktuelle Forschungsergebnisse und Praxisbeispiele im Fokus stehen.

Disruptiv wurde es bereits im „Zukunftsplenum“ am ersten Kongresstag: So warf etwa Michael F. Spitz, CEO der Commerzbank-Tochter Main Incubator, die Frage auf, ob man Banken bei einer resilienten Wertschöpfung in der Silicon Economy überhaupt noch braucht. Angesichts zunehmend digitaler Assets, programmierbarer Währungen und automatisierter Maschinen-Interaktion, die Distributed-Ledger-Technologien (DLT) wie Blockchain ermöglichen, eine berechtigte Frage. Das Zukunftsszenario, das Spitz für das Banking 2030 entworfen hat, kennt so neben der „Better Bank“, die gängige Finanzlogiken optimiert, auch den „No Bank“-Fall, in denen die Vermittlerfunktion kommerzieller Banken keine Rolle mehr spielt.

„Banken müssen sich künftig sehr genau überlegen, welche Rolle sie in der resilienten Wertschöpfung spielen können“, sagte Spitz mit Blick auf die Zukunft.

Paycheck statt Selbstzweck

Konkret greifbar wurde die Blockchain-Technologie hingegen im Vortrag von Markus Rathmann, dem Leiter des SCM der EJOT-Gruppe: Der Bad Berleburger Hersteller von Verbindungstechnik hat zwei Use Cases aufgelegt, bei denen die Transparenz und die Monetarisierung entlang der Lieferkette im Vordergrund stehen.

„Wir wollen Digitalisierung nicht als Selbstzweck betreiben, sondern die Qualität unserer Prozesse verbessern und den Paycheck im Auge behalten“, schilderte Rathmann die Perspektive des mittelständischen Fertigungsunternehmens.  

So nutzt etwa der Use Case „Lohndienstleister“ Blockchain-Technologien, um Einblicke in die an Lohndienstleister ausgelagerten Fertigungsstufen „Härten“ und „Oberflächenbehandlung“ zu gewinnen. Die 73.000 jährlichen Bestellpositionen bei 50 Dienstleistern soll künftig eine Blockchain-basierte Logistikdienstleister-Plattform dokumentieren. Auf diese Weise will EJOT Kapazitäten bei Dienstleistern frühzeitig erkennen und die Priorisierung von Aufträgen verbessern. Ein zweiter Use Case beschäftigt sich mit der Dynamisierung des Cashflows: Wenn DLT ein zielgenaues Monitoring für finanzielle Transaktionen ermöglichen, lassen sich kürzere Zahlungsziele realisieren – und häufiger Skonti vereinbaren.     

Und wie geht es weiter auf dem Zukunftskongress? Am 16. und 17. September zeigen Referenten im Fraunhofer-Symposium „Silicon Economy“ in Sequenzen zu Themen wie Machine Learning, autonomes Fahren oder die digitale Transformation im Mittelstand, wie sie in ihren Unternehmen Innovationen in die Praxis umsetzen, um eine höhere Automatisierung und Digitalisierung ihrer Prozesse zu erreichen. An allen drei Tagen demonstrieren Wissenschaftler des Fraunhofer IML zudem in der „Digital Sandbox“ zahlreiche neue Technologien und ihre Anwendungsfälle in der Logistik.

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