Zukunftskongress Logistik: Die gebremste Blockchain-Revolution

Eine Podiumsdiskussion auf dem Zukunftskongress Logistik widmete sich den Potenzialen von Distributed-Ledger-Technologien – und suchte nach Hemmschuhen für deren Durchbruch.

Diskutierten auf dem Zukunftskongress Logistik (von links): Dr. Martin Diehl (Deutsche Bundesbank), Prof. Fritz Henglein (University of Copenhagen), Natalia Broza-Abut (Fraunhofer IML), Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Henke (Fraunhofer IML) und Nikolaus Giesbert (Commerzbank). (Foto: Fraunhofer IML)
Diskutierten auf dem Zukunftskongress Logistik (von links): Dr. Martin Diehl (Deutsche Bundesbank), Prof. Fritz Henglein (University of Copenhagen), Natalia Broza-Abut (Fraunhofer IML), Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Henke (Fraunhofer IML) und Nikolaus Giesbert (Commerzbank). (Foto: Fraunhofer IML)
Therese Meitinger

Unter dem Motto „Ohne Moos nix los! Warum blockchainbasierte Finanzflüsse die Welt verändern“ nahm am 13. September auf dem digitalen „Zukunftskongress Logistik“ eine Podiumsdiskussion das disruptive Potenzial von Distributed-Ledger-Technologien (DLT) in den Fokus. Neben einer Standortbestimmung hatte sich die von Natalia Broza-Abut von der Abteilung Einkauf und Finanzen im SCM am Fraunhofer IML moderierte Veranstaltung auf die Fahnen geschrieben, mit gängigen Vorurteilen über Blockchain-Technologien im Finanz- und SCM-Umfeld aufzuräumen. Letztere steuerte der fiktive wie stinkstiefelige Cartoon-Textilproduzent „Jeffrey Gloomster“ als Diskussionsgrundlage in die Runde ein.  

Während Gloomster also Statements wie „Blockchain-basierte Zahlungsprozesse braucht keiner – es gibt SAP!“ in den Raum stellte, machte Prof. Dr. Dr. h.c. Michael Henke, Institutsleiter des Fraunhofer IML, klar, dass er das komplett anders sieht: „No blockchain, no business“ skizzierte er in seinem Impulsvortrag den zentralen Stellenwert, den DLT in einer künftigen datengetriebenen Silicon Economy seiner Überzeugung nach haben werden.

„In der Theorie hat das Supply Chain Management schon immer Material-, Informations- und Finanzflüsse umfasst, doch um Finanzflüsse hat sich im SCM dann lange kaum jemand gekümmert“, so Henke.

Material-, Informations- und Warenströme synchronisieren

Nun werde es Zeit, die Ströme zu synchronisieren, denn DLT böten zahlreiche Möglichkeiten, Transparenz entlang der Supply Chain zu schaffen, aber auch um die dazugehörigen Verhandlungen und Buchungen revisionssicher und automatisiert über Smart Contracts abzuwickeln. Henke stellte außerdem konkrete Pilotprojekte vor: So entwickelte das Fraunhofer IML zusammen mit Rhenus und der Commerzbank beispielsweise smarte Müllcontainer. Diese organisieren im Zusammenspiel von Narrowband-IoT-Sensoren und Blockchain ihre Entleerung je nach Füllstand automatisiert – und lösen synchron dazu die entsprechenden Zahlungsströme aus.

„Blockchain erlaubt als dezentral organisierte Plattform eine Informationssymmetrie, in der alle Teilnehmer informationell gleichberechtigt sind“, schilderte Fritz Henglein, Professor of Programming Languages an der University of Copenhagen, in der Podiumsdiskussion einen der wesentlichen Vorteile der Technologie.

Doch konkrete Anwendungen, die das Potenzial der Technologie für die Koppelung von Finanz- und Warenströmen nutzen, gibt es seiner Überzeugung nach noch zu selten.

Ob das an der grundlegenden Skepsis des Finanzsektors gegenüber Blockchain liegt? Nikolaus Giesbert, Bereichsvorstand Institutionals & Transaction Banking der Commerzbank AG, sieht die Technologie einerseits als großen Enabler, um die Effizienz im Geldfluss, aber auch in der Digitalisierung bisher manuell erledigter Arbeitsprozesse zu steigern.

„Es gibt aber von Bankenseite bisher noch kaum Beratung zu Kryptowährungen“, schränkte er ein. „Das liegt daran, dass es bisher lediglich erste Ansätze von Regulatorik gibt. Eine Bank möchte aber in einem regulatorischen Umfeld arbeiten.“

Der Bürger habe ein Recht, dass über Finanzmittel keine Geldwäsche betrieben und kein Terror finanziert werde, unterstrich auch Dr. Martin Diehl, Leiter Analysen Zahlungsverkehr und Wertpapierentwicklung bei der Deutschen Bundesbank, die Notwendigkeit regulatorischer Maßnahmen.

„Wenn wir die gleichen Maßstäbe an Bitcoin anlegen würden wie an normale Geschäfte, müssten Krypto Token viel teurer sein – und werden das perspektivisch vermutlich auch werden“, so Diehl.

Zugleich gilt es nach Überzeugung der Experten, den Anschluss an das gerade entstehende virtuelle Avatar-Paralleluniversum des Metaverses nicht zu verlieren. In Anwendungen wie einem virtuellen Nike-Store, der Schuhe und Sportswear für Avatare anbietet, wird bereits jetzt ein erhebliches Transaktionsvolumen abgewickelt – Tendenz steigend.

„Die Treiber des Metaverses sind diejenigen, die Kryptowährungen bereits reguliert haben“, gibt Giesbert zu bedenken. „Und da sind die USA Europa aktuell meilenweit voraus.“

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