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Zoll: Viele Unternehmen sind beim Zolltarif nicht sattelfest

Laut TÜV NORD Akademie verzichtet ein Großteil deutscher Firmen auf ein angemessenes Zolltarif-Management.

Wie die TÜV NORD AKademie berichtet, sind etliche deutsche Unternehmen in Sachen Zolltarif nicht firm genug. (Symbolbild: Bluedesign/Adobe Stock)
Wie die TÜV NORD AKademie berichtet, sind etliche deutsche Unternehmen in Sachen Zolltarif nicht firm genug. (Symbolbild: Bluedesign/Adobe Stock)
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Sandra Lehmann

Ein Großteil der deutschen Firmen, die Waren in die Bundesrepublik importieren oder Produkte ins Ausland exportieren, verfügen über kein ausreichendes Zolltarifmanagement. Das gab die TÜV NORD Akademie in einer Pressemeldung bekannt. Demnach seien viele Unternehmen in der Regel nicht immer auf dem neuesten Stand aktueller Zolltarifbestimmungen oder könnten Waren aufgrund mangelnden Wissens nicht der korrekten Zolltarifnummer zuordnen. Zudem übernehmen aus Sicht des TÜV NORD etliche Firmen ungeprüft die Informationen Dritter:

„Oft verlässt man sich mangels einer eigenen Zollabteilung auf Angaben von Lieferanten oder Speditionsunternehmen, um die Waren einer Zolltarifposition zuzuordnen“, erklärt Frank Sievert, Anwalt und TÜV NORD Akademie-Experte.

Eine Praxis, die gravierende Folgen haben könne, denn nicht immer seien die Angaben korrekt. Waren müssen je nach ihren Eigenschaften einer Zolltarifnummer zugeordnet werden. Dadurch ergibt sich die Höhe der Zollabgaben. Wer seine Produkte einer falschen Zolltarifnummer zuordnet, zahlt entweder zu viel oder zu wenig Abgaben. Durch Letzteres können sich Einzelpersonen wie Geschäftsführer, Vorstände, Einkaufsleiter, Sachbearbeiter oder auch Spediteure strafbar machen.

„Unternehmen beziehen Zölle in ihre Budgetplanungen ein. Sollte es zu unvorhergesehenen Nachzahlungen kommen, kann sich das drastisch auf die wirtschaftliche Leistung des Unternehmens auswirken und sogar zum finanziellen Ruin führen“, so Sievert weiter.

Dem Experten zufolge entstehen die meisten Fehler dadurch, dass Unternehmen die Zolltarifnummer nach der Zweckbestimmung einer Ware auswählen. Für den Großteil der Produkte sei diese Form der Bestimmung aber nicht entscheidend.

„Unternehmen müssen sich mit ihrer Ware beschäftigen und bei der Bewertung auf objektive Merkmale achten. Denn zwei ähnliche Produkte können unter Umständen unterschiedlich verzollt werden“, sagt Sievert.

So könne ein Pick-up Truck als Lastkraftwagen oder Personenkraftwagen bewertet werden. Für beide Kategorien gelten unterschiedliche Zollsätze. Welcher Tarif dabei angewendet wird, muss durch objektive Erkenntnisse festgestellt werden. Also Anzahl der Sitze, Anteil der Bodenfläche des Laderaums im Vergleich zu der im Personenraum oder dem Radabstand.

„Wer ein Produkt genau kennt, kann auch eine passende Zolltarifnummer auswählen und so Geld sparen. Denn der Unterschied zwischen zwei Zolltarifnummern kann mehrere Prozent betragen und von wirtschaftlicher Relevanz für Unternehmen sein“, so Sievert.

Wer Exemplare von importierten oder exportierten Waren aufbewahrt, ist laut TÜV NORD bei einer Kontrolle des Zolls, welche auch nach mehreren Jahren stattfinden kann, gut vorbereitet. Viele Unternehmen stießen oft auf folgendes Problem: Die jeweilige Ware ist bereits verkauft oder nicht mehr im Sortiment vorhanden. Das sei besonders dann wichtig, wenn Hersteller im Laufe der Zeit die Eigenschaften von Waren so verändern, dass diese eine neue Zolltarifnummer bekommen. Unternehmen müssen dann dem TÜV NORD zufolge nachweisen, warum sie eine Ware über die Jahre unterschiedlich verzollt haben.

„Skizzen, Bedienungsanleitungen oder Baupläne reichen nicht aus, um die objektiven Merkmale einer Ware zu beurteilen. Unternehmen müssen ihre Entscheidung für eine bestimmte Zolltarifposition an der realen Ware festmachen“, betont der Experte.

Deshalb empfiehlt er, Produkte in einem Archiv zu sammeln, um bei einer eventuellen Kontrolle des Zolls gut vorbereitet zu sein.

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