Zoll-IT: EU bringt neues Einfuhrkontrollsystem an Start

Die Zoll-Plattform „ICS2“ will die Europäische Union zunächst in der Luftfracht anwenden und später auch auf See, Schiene und Straße ausweiten.

n der ersten Phase soll ICS2 vor allem Post- und Express-Sendungen erfassen, die auf dem Luftweg in die EU kommen oder durch die EU versendet werden. (Foto: Maria / Fotolia)
n der ersten Phase soll ICS2 vor allem Post- und Express-Sendungen erfassen, die auf dem Luftweg in die EU kommen oder durch die EU versendet werden. (Foto: Maria / Fotolia)
Therese Meitinger

Die Europäische Kommission hat am 15. März ihr neues Einfuhrkontrollsystem „ICS2“ vorgestellt. Laut einer Pressemitteilung soll dieses die „erste Verteidigungslinie“ der Zollunion gegen Sicherheitsbedrohungen durch den illegalen Warenverkehr an den EU-Außengrenzen erheblich stärken. In der ersten Phase soll ICS2 demnach vor allem Post- und Express-Sendungen erfassen, die auf dem Luftweg in die EU kommen oder durch die EU versendet werden. Anschließend werde das System auch für alle übrigen Frachttransportarten Anwendung finden, gibt die EU an.

„ICS2“ ist die neue Plattform, die die EU für Frachtrisikomanagement nutzen will. Der Mitteilung zufolge stellt sie das Herzstück der Reform des EU-Zollprogramms „Pre-arrival Safety and Security“ dar. ICS2 soll demnach das bestehende Einfuhrkontrollsystem nach und nach in drei Stufen ab dem 15. März 2021 bis zum 1. März 2024 ersetzen.

Mit der Veröffentlichung von Phase 1 des Programms in diesem Jahr sollen nach EU-Angaben schrittweise verbesserte Lieferkettendaten von den Zollbehörden erfasst werden können, und neue Tools und Prozesse eingeführt werden. Damit werde eine kollaborative Risikoanalyse in Echtzeit möglich, während sich die Waren noch auf ihrem Weg durch ihre Lieferketten in die EU oder innerhalb der EU befänden, heißt es. Die von ICS2 erfassten Daten sollen auch in die laufenden Arbeiten zu den Analysefunktionen auf EU-Ebene einfließen, wie sie im jüngsten Zollaktionsplan der EU dargelegt sind. Außerdem plant man wichtige Datenverknüpfungen mit dem Schengener Informationssystem und mit Europol zu nutzen, um die Zusammenarbeit bei Sicherheitsrisiken zu stärken.

Postdienstleister melden Daten vorab

In Phase 1 von ICS2 ist vorgesehen, dass Expressunternehmen und ausgewiesene Postdienstleister mit Sitz in der EU damit beginnen, eine Auswahl ihrer Daten für die summarische Eingangsanmeldung zu übermitteln, bevor die Waren in ein Flugzeug mit Ziel EU verladen werden. Diese Vorabdaten im Vorfeld der Frachtverladung - für die auch der Begriff „PLACI“-Daten verwendet wird – werden nach EU-Angaben von den Zollbehörden analysiert, um unmittelbare Bedrohungen für die Luftsicherheit zu erkennen und stellen damit eine ergänzende, nachrichtendienstlich gestützte Ebene der Risikoanalyse auf Sendungsebene im Rahmen des EU-Sicherheitssystems für die Zivilluftfahrt dar. Damit verbunden sei eine enge Zusammenarbeit zwischen den Zollbehörden und den für die Sicherheit der Zivilluftfahrt zuständigen nationalen Behörden, heißt es.

Mit der ersten Stufe von ICS2 sollen insbesondere erstmals Frachtvorabdaten für Postsendungen eingeführt werden. Dies sei für den Zoll von entscheidender Bedeutung sein, um im Zusammenhang mit den enormen und zunehmenden Warenströmen des elektronischen Handels auf ein breites Spektrum von unsicherem Verkehr reagieren zu können, so die Mitteilung.

Die Reform soll in zwei weiteren Phasen des ICS2 abgeschlossen werden: Mit Phase 2 werden laut EU-Angaben diese neuen Funktionen im März 2023 auf die allgemeine Luftfracht ausgeweitet, und Phase 3 wird ab 2024 die Verkehrsträger See, Schiene und Straße einschließen.

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