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Zölle: Droht der große Knall mit den USA?

Experten zufolge wären bei Strafzöllen im Autobereich 26 Prozent der deutschen US-Exporte betroffen.
Up von Volkswagen: Strafzölle der USA auf deutsche Fahrzeuge würden die Autobauer hierzulande laut Experten hart treffen. Foto: Volkswagen
Up von Volkswagen: Strafzölle der USA auf deutsche Fahrzeuge würden die Autobauer hierzulande laut Experten hart treffen. Foto: Volkswagen
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Thilo Jörgl

Die Strafzölle der USA auf Stahl- und Aluminiumimporte treffen die deutsche Wirtschaft nur minimal. Sie beziehen sich lediglich auf 0,4 Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren in die USA. Zu dieser Einschätzung kommt eine Sonderveröffentlichung des Export- und Importseismografen Deutschland (ESD/ISD), den das Institut für Angewandte Logistik (IAL) der Hochschule Würzburg-Schweinfurt gemeinsam mit dem Stuttgarter Softwareanbieter AEB herausgibt.

Handelsbeziehungen analysiert

Die Initiatoren des ESD/ISD haben vor Kurzem die bilateralen Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den USA vor dem Hintergrund des heraufziehenden Handelskonfliktes analysiert. „Der Wert der deutschen Stahl- und Aluminiumexporte in die USA, für die US-Präsident Donald Trump Strafzölle verhängt hat, betrug im Jahr 2017 436 Millionen Euro. Das trifft die deutsche Metallindustrie zwar empfindlich, hat aber gemessen an den gesamten deutschen Exporten in die USA in Höhe von 111,5 Milliarden Euro gesamtwirtschaftlich kein übermäßig großes Gewicht“, betont Prof. Dr. Christian Kille vom IAL in einer Pressemitteilung. Entsprechend vorsichtig sei die Gegenreaktion der EU ausgefallen. Bezogen auf die deutschen Importe aus den USA wären von den angedrohten Strafzöllen (unter anderem für Jeans, Erdnussbutter, Orangensaft und Motorräder) Güter in Höhe von 310 Millionen Euro betroffen. Das entspricht den Experten zufolge lediglich 0,5 Prozent der gesamten Importe Deutschlands aus den USA in Höhe von jährlich 61 Milliarden Euro (Stand: 2017).

Pkw als Verhandlungsoption

Weitaus gefährlicher wäre es laut den Fachleuten, wenn Trump, wie angedroht, die Strafzölle auf den Automobilbereich ausweitet. Hier gehe es für die deutsche Wirtschaft um ein jährliches Exportvolumen von 28,6 Milliarden Euro (inklusive Autoteile) – das entspricht 26 Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren in die USA. „Vor diesem Hintergrund sind die Stimmen aus der Wirtschaft verständlich, die dazu aufrufen, den Handelskonflikt mit den USA bereits in einem frühen Stadium zu entschärfen“, so Dr. Ulrich Lison, Zollexperte und Mitglied der Geschäftsleitung bei AEB. Verhandlungsmöglichkeiten bieten seiner Meinung nach die unterschiedlichen Einfuhrzölle auf Pkw. Während die USA für Pkw aus der EU 2,5 Prozent Zoll verlangt, werden für Importe US-amerikanischer Pkw in die EU bislang zehn Prozent Zoll fällig.

Wichtigster Abnehmer bei Intralogistikprodukten

Etwas besorgt blickt derzeit auch der VDMA Fachverband Fördertechnik und Intralogistik über den großen Teich. Mit einem Volumen von 1,3 Milliarden Euro waren die USA auch 2017 wieder wichtigster Importeur von Intralogistikprodukten made in Germany. Frankreich folgte mit etwa einer Milliarde Euro auf Platz zwei. Zwar prognostiziert Dr. Klaus-Dieter Rosenbach, Vorstandsvorsitzender des VDMA Fachverbands Fördertechnik und Intralogistik, für 2018 ein Plus von etwa drei Prozent, was einer Steigerung des Gesamtvolumens auf 21,9 Milliarden Euro entsprechen würde. Diese Prognose steht jedoch aufgrund der jüngsten Beschlüsse der US-Regierung auf wackeligen Beinen. Laut Rosenbach bergen die Entscheidungen ein „enormes Risiko“ in sich.

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