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Wirtschaft: Deutsche Exporte geraten ins Stocken

Das Handelsbilanzdefizit der USA mit Deutschland nimmt im 1. Halbjahr 2019 deutlich ab.

Wie steht es um die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland, den USA und der Welt? Der Export- und Importseismograph der AEB soll Aufschluss geben. (Symbolbild: Yaver Klaussner/ Fotolia)
Wie steht es um die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland, den USA und der Welt? Der Export- und Importseismograph der AEB soll Aufschluss geben. (Symbolbild: Yaver Klaussner/ Fotolia)
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Melanie Endres

Im ersten Halbjahr 2019 stiegen die US-Exporte nach Deutschland gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 9,3 Prozent auf 35 Milliarden Euro. In der Gegenrichtung erreichte Deutschland ein Exportplus von 4,3 Prozent bei einem Exportwert von 58 Milliarden Euro. Das geht aus dem Export- und Importseismographen Deutschland (ESD/ISD) hervor. Der ESD/ISD basiert auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes und wird vom Softwarehaus AEB gemeinsam mit dem Institut für angewandte Logistik (IAL) der Hochschule Würzburg-Schweinfurt herausgegeben. Damit ist US-Präsident Donald Trump laut AEB seinem wirtschaftspolitischen Ziel, das Handelsbilanzdefizit gegenüber Deutschland abzubauen, auch ohne Strafzölle ein gutes Stück nähergekommen.

Deutliche Entwicklungen

Noch deutlicher wird die Entwicklung laut AEB-Mitteilung bei der Mengenbilanz. Die USA exportierte dem Seismographen zufolge Güter mit einem Gewicht von 10,7 Millionen Tonnen nach Deutschland. Das sind zwölf Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2018. Die deutschen Exporte in die USA gingen demgegenüber mengenmäßig um 1,3 Prozent auf 4,8 Millionen Tonnen zurück. Gewinn für die Agrarwirtschaft Die Einzelbetrachtung nach Gütergruppen zeigt, dass Farmer und die Energiebranche von dem Exportboom nach Deutschland profitieren. Mengenmäßig betrachtet stiegen die US-Ausfuhren von Landwirtschaftsgütern in die Bundesrepublik im ersten Halbjahr um 50 Prozent, von Lebensmitteln sogar um 84,8 Prozent. Erdöl und Erdgas legten um 64 Prozent zu.

„Die Entwicklung der Exporte könnte ein Grund dafür sein, dass Präsident Trump im Handelskonflikt mit Deutschland mit wenigen Ausnahmen auf Drohungen statt auf Restriktionen gesetzt hat, während beispielsweise der US-Handelskonflikt mit China eskaliert ist“, sagt Prof. Christian Kille vom IAL.

Weitgehende Zurückhaltung der USA

„Bis vor kurzen hatte die USA gegen Deutschland und die anderen EU-Staaten lediglich Schutzzölle auf Stahl und Aluminium verhängt. Die EU reagierte darauf mit eher vorsichtigen Strafzöllen beispielsweise auf US-Motorräder, Jeans und Spirituosen. Diese zurückhaltenden Maßnahmen hatte keinen erkennbaren Einfluss auf die Entwicklung der US-Exporte“, sagt AEB-Außenwirtschaftsexperte Dr. Ulrich Lison.

Wie sich die erst im Oktober wegen Staatshilfen für Airbus verhängten US-Strafzölle gegen die EU auf den Handel auswirken, lässt sich laut AEB frühestens in einem halben Jahr sagen.

Exporte in deutschen Schlüsselindustrien hängen durch

Insgesamt ist die deutsche Exportwirtschaft im ersten Halbjahr 2019 aus dem Tritt gekommen, heißt es in der AEB-Meldung. Gemessen am Wert stiegen die Exporte im Vorjahresvergleich nur noch um 0,5 Prozent auf 666 Milliarden Euro. Gemessen an der Menge sei ein Plus von 1,1 Prozent und eine Exporttonnage von 216 Millionen Euro zu verzeichnen. Nennenswertes Mengenwachstum gab es den Angaben zufolge nur in anderen EU-Staaten, mit China (Deutschlands wichtigster Handelspartner außerhalb der EU) sowie Indien.

Sorge um deutsche Industrie

Besonders heftige Einbrüche gab es AEB zufolge im Export in die Türkei (-14,0 Prozent) sowie nach Russland (-4,9 Prozent). Sorgen bereiten vor allen die wichtigsten deutschen Industriezweige. Die Exportmengen der Chemie- und Pharmabranche sind demnach um 3,4 Prozent gesunken, der Rückgang der Automobilbranche lag bei 8,7 Prozent und der im Maschinenbau bei 3,8 Prozent.

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