Wettbewerbsrecht: Kühne Holding darf laut Kartellamt 15 Prozent von Lufthansa übernehmen

Das Bundeskartellamt hat der Kühne Holding erlaubt, ihren Anteil an der Lufthansa AG auf 15,01 Prozent zu steigern, da es keine durchgreifenden wettbewerblichen Bedenken feststellte. Seien weniger Luftfrachtkapazitäten bei der Lufthansa verfügbar, gebe es Ausweichalternativen.

Die Kühne Holding kann nach einer Entscheidung des Bundeskartellamts ihren Anteil an der Lufthansa auf 15,01 Prozent erhöhen. (Bild: Lufthansa)
Die Kühne Holding kann nach einer Entscheidung des Bundeskartellamts ihren Anteil an der Lufthansa auf 15,01 Prozent erhöhen. (Bild: Lufthansa)
Gunnar Knüpffer

Das Bundeskartellamt hat die Anteilserhöhung der Kühne Holding AG an der Deutschen Lufthansa AG auf nunmehr 15,01 Prozent freigegeben. Schwerpunkt der wettbewerblichen Prüfung bildeten die vertikalen Auswirkungen des Zusammenschlusses, kommunizierte das Bundeskartellamt am 3. August in einer Presseaussendung.

Die zum Kühne-Konzern gehörende Kühne + Nagel International AG ist einer der größten, weltweit tätigen Logistikanbieter und ein großer Kunde der von Lufthansa angebotenen Luftfrachttransporte.

„Trotz jeweils bedeutenden Marktpositionen der Beteiligten im Bereich der Luftfracht beziehungsweise auf den nachgelagerten Logistikmärkten ruft das Vorhaben nach den Ermittlungen keine durchgreifenden wettbewerblichen Bedenken hervor“, sagte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. „Selbst wenn in Folge der Kühne-Beteiligung bei der Lufthansa künftig weniger freie Kapazitäten für andere Nachfrager nach Luftfracht verfügbar wären, stünden diesen noch genügend Ausweichalternativen zur Verfügung.“

Die Deutsche Lufthansa AG hält zwar hohe Anteile an den begrenzten Abflug- und Landeslots an deutschen Flughäfen. Die Ermittlungen des Bundeskartellamtes haben jedoch ergeben, dass Kapazitätsengpässe in der Luftfracht eine weniger bedeutende Rolle spielen als im Passagiergeschäft. Insbesondere sei es Nachfragern nach Gütertransporten per Flugzeug zwischen Europa und anderen Kontinenten in der Regel möglich, auf andere Airlines oder andere Flughäfen, auch im europäischen Ausland, auszuweichen.

Zudem sei laut des Bundeskartellamts mit der Erholung des Flugverkehrs im Passagiergeschäft und der Containerschifffahrt mittlerweile wieder eine kontinuierliche Verbesserung des Kapazitätsangebots in der Luftfracht zu beobachten. Als Folge des durch die Corona-Pandemie zwischenzeitlich stark eingebrochenen Aufkommens des Flugverkehrs, des Ukraine-Krieges und der Störungen in der Containerschifffahrt waren Luftfrachtkapazitäten in den vergangenen zwei Jahren stark ausgelastet. Dies hatte auf vielen Handelsrouten zu Preiserhöhungen für die Kunden geführt.

Der Anteilserwerb unterlag der Fusionskontrolle durch das Bundeskartellamt, da Kühne auch mit Anteilen in Höhe von lediglich 15,01 Prozent fortan einen wettbewerblich erheblichen Einfluss auf Lufthansa ausüben kann (§ 37 Abs. 1 Nr. 4 GWB). Aufgrund einer seit Jahren kontinuierlich geringen Hauptversammlungspräsenz rückt Kühne bei Lufthansa in die Stellung eines Minderheitsgesellschafters mit faktischer Sperrminorität ein.

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