Weiterbildung: Verdoppelte Möglichkeiten durch digitales Angebot

Die Coronapandemie könnte dazu führen, dass Weiterbildung günstiger wird - Andrea Walbert, Geschäftsführende Gesellschafterin der PMI Production Management Institute GmbH, zeigt Vorteile und Herausforderungen der digitalen Veranstaltungen zu SCM und Logistik auf.

Weiterbildung von zu Hause aus bietet auch Vorteile. (Symbolbild: Fotolia/ magele-picture)
Weiterbildung von zu Hause aus bietet auch Vorteile. (Symbolbild: Fotolia/ magele-picture)
Melanie Endres

LOGISTIK HEUTE: Wie können Weiterbildungsveranstaltungen aktuell stattfinden?

Andrea Walbert: Für uns nur online. Wir nennen das Virtual Classroom und die Teilnehmer können sich den ganzen Tag von 9 -17 Uhr aktiv einbringen. Diese Form der Veranstaltung grenzen wir auch ganz klar vom „Webinar“ ab.

Was ist das Besondere am Virtual Classroom?

Bei einem Webinar gibt es einen Vortrag und die Teilnehmer können Fragen stellen. Wir wollten bei unseren Onlineveranstaltungen „mehr“. Wir wollten es genau wie in unseren Präsenzveranstaltungen machen; deswegen haben wir unsere Programme komplett ins Digitale übersetzt.

Wie lief das ab?

Als die Pandemie anfing, haben wir uns überlegt, wie wir die praktischen Mittel des Präsenzunterrichts digital nutzen können. Wir haben den Veranstaltungsablauf also eins zu eins ins Digitale übersetzt. Zum Beispiel haben wir beim Young Professionals Day für SCM und Logistik darauf geachtet, dass sich für die Teilnehmer nichts ändert. Für die Gruppenübungen werden die Teilnehmer in abgeschlossene Räume geschickt, in denen sie ihre Aufgaben in der vorgegebenen Zeit bearbeiten können.

Für die Teilnehmer ändert sich also nichts?

Nein, von der Arbeit bleibt es gleich. Wir haben auch darauf geachtet, dass die Teilnehmerzahl überschaubar bleibt. Die optimale Größe liegt hier zwischen acht und zehn Teilnehmern, so kann der Trainer jeden Teilnehmer persönlich ansprechen, ohne dass es unübersichtlich wird.

Wie wird das Konzept bei den Teilnehmern angenommen?

Gut. Im Vorfeld der Veranstaltung gibt es immer ein „Warm-up“. Hier können die Teilnehmer das System kennenlernen und technische Schwierigkeiten behoben werden. So können wir uns am Tag der eigentlichen Veranstaltung voll auf das Thema konzentrieren.

Was sind die größten Herausforderungen für den Veranstalter?

Für uns waren das drei Hauptthemen: die Programme, die Trainer und die Technologie. Die Programme haben wir jetzt überarbeitet und unsere Trainer wurden alle für Onlineveranstaltungen geschult. Den Punkt Technologie haben wir durch einen technischen Support gelöst. Es gibt jetzt ein Technikteam, das sich darum kümmert. Ich muss zugeben, dass die Technologie mein größtes Sorgenkind war – jetzt kann ich aber wieder ruhig schlafen.

Gibt es auch Vorteile der Onlineveranstaltungen?

Definitiv ja. Wir wollten auch schon vor der Pandemie mehr auf digitale Veranstaltungen setzen, das hatte sich aber bis dato nicht ergeben. Durch die Möglichkeit, die Veranstaltung online zu besuchen, fallen für die Teilnehmer keine Dienstreisekosten an. Auch der Zeitfaktor ist deutlich geringer, weil man einfach von zu Hause oder aus dem Büro teilnehmen kann. Ich habe die Hoffnung, dass Weiterbildung durch den digitalen Weg günstiger wird und sich mehr Unternehmen Weiterbildung leisten können.

Haben Präsenzveranstaltungen dann überhaupt noch einen Sinn?

Auf jeden Fall. Bestimmte Veranstaltungen werden wir zwar auch nach der Pandemie weiterhin online anbieten. Bei manchen Veranstaltungen spielt aber das Thema Networking eine Hauptrolle. Ausgewählte Programme planen wir ab 2022 wieder in Präsenz zu veranstalten. Präsenz haben wir ja nicht verlernt, die Möglichkeiten haben sich durch Onlineveranstaltungen einfach verdoppelt.

Das Gespräch führte Melanie Endres.

Zur Person:

Andrea Walbert ist Geschäftsführende Gesellschafterin der PMI Production Management Institute GmbH in Planegg. Sie beobachtet, transportiert und unterrichtet seit vielen Jahren zu Entwicklungen und Themen aus SCM, Operations Management und Logistik. Dabei ist sie in Unternehmen und als Lehrbeauftragte an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften München tätig. Die Weiterbildungen erfolgen dabei beispielsweise über Planspiele, wie auch beim Young Professionals Day SCM und Logistik, den PMI gemeinsam mit LOGISTIK HEUTE veranstaltet. Hier ist der fiktive Safthersteller The Fresh Connection in die roten Zahlen gerutscht und die Teilnehmer müssen versuchen das Unternehmen zu retten.

PMI Production Management Institute GmbH

Das Aus- und Weiterbildungsunternehmen PMI Production Management Institute GmbH mit Sitz in Planegg bei München setzt auf die Aktivierung lösungsorientierter Kompetenzen statt auf reiner Theorievermittlung. Das Weiterbildungskonzept ist auf Mitarbeiter in Supply Chain, Operations und Logistik Management ausgerichtet, die die Vorteile einer anwendungs- und lösungsorientierten Ausbildung schätzen, von erfahrenen Praktikern lernen und gleichzeitig einen Einblick in internationale Standards und Best Practices erlangen wollen.

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