Virtueller Gipfel: Deutscher Logistik-Kongress 2020 ist gestartet

Prof. Dr. Thomas Wimmer stellte die Chancen, die sich aus der Corona-Krise ergeben, in den Fokus seiner Eröffnungsrede.

Prof. Dr. Thomas Wimmer eröffnete den Deutschen Logistik-Kongress 2020. (Foto: Kai Bublitz/BVL)
Prof. Dr. Thomas Wimmer eröffnete den Deutschen Logistik-Kongress 2020. (Foto: Kai Bublitz/BVL)
Therese Meitinger

Unter dem Motto „Nachhaltig gestalten – Winning the Next Decade“ hat am 21. Oktober der dreitägige Deutsche Logistik-Kongress 2020 der Bundesvereinigung Logistik (BVL) als digitale Veranstaltung in Berlin begonnen. Das Programm wird im Internet übertragen. Zu Beginn erinnerte BVL-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Thomas Wimmer an den Unternehmergeist des im Juni verstorbenen BVL-Gründungsmitglied und -Ehrenvorsitzenden Dr. Hanspeter Stabenau als „Logistiker der ersten Stunde“. „Wir haben alle einen guten Freund verloren“, sagte Wimmer.

In den Mittelpunkt seiner Eröffnungsrede stellte Wimmer die Chancen und Herausforderungen aus der aktuellen Situation. Viele große Themen schienen hinter den Pandemie-Auswirkungen kleiner geworden zu sein, argumentierte Thomas Wimmer. Doch das sei ein Trugschluss: Strukturelle Herausforderungen der Wirtschaft, nationale Egoismen, der Klimawandel, die Verkehrswende, die digitale Transformation bestehen seiner Ansicht nach weiterhin.

„Lassen Sie uns den Dialog intensivieren – auch digital“, forderte Wimmer vor diesem Hintergrund die Logistik-Community via Livestream auf. „Lassen Sie uns die Chancen der Krise für eine robuste Gestaltung der Lieferketten nutzen, zum Beispiel den Digitalisierungsschub, die Überprüfung von Sourcing-Strategien und des Primats der Kostenminimierung.“

Die BVL sah dementsprechend keinen Anlass, das Motto des Kongresses, das schon im November 2019 formuliert worden war, zu ändern. Es gelte, logistische Prozesse nachhaltig zu gestalten, um in der neuen Dekade zu bestehen, heißt es in einer Pressemitteilung. Der BVL-Vorstandsvorsitzende betonte in seiner Rede, Ökonomie und Ökologie seien vereinbar und die Logistik setze bereits heute entsprechende Konzepte in der Praxis um, wie Wimmer mit verschiedenen Leuchtturmprojekten illustrierte. Er wies jedoch darauf hin, dass Ware heute und in Zukunft transportiert werden muss und Bewegung Ressourcen verbraucht – ebenso wie Informationsflüsse im Internet energieaufwändig sind.

„Um den Ressourcenverbrauch und damit die Emissionen weiter zu senken, müssen wir den Hebel an der richtigen Stelle ansetzen“, lautete Wimmers Appell. 

Ökonomie und Ökologie zusammenbringen

Beispiele für unternehmerische Strategien in der Logistik, die Nachhaltigkeit im Blick haben, sieht die BVL etwa in maßgeschneiderten intermodalen Transportwegen, die auf Teilstrecken jeweils den umweltverträglichsten Verkehrsträger nutzen und die konsequente Nutzung der Digitalisierung, um realwirtschaftliche Abläufe über den „digitalen Zwilling“ zu optimieren. Hinzukommen der Einsatz von Robotern, um Arbeitsabläufe ergonomischer zu gestalten, und Qualifizierungsmaßnahmen, um allen Mitarbeitern den Nutzen und die Handhabung neuer digitaler Tools zu vermitteln.

Der Kongress, zu dem sonst rund 3.200 Teilnehmer in Berlin zusammenkommen, findet nun für die Teilnehmer rein digital statt. Aus der Verantwortung für die Gesundheit aller Beteiligten heraus hätten die Spitzengremien der BVL nach intensiven Beratungen rund eine Woche vor Kongresseröffnung entschieden, die Präsenzveranstaltung in Berlin abzusagen, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Großteil der Inhalte des Kongresses soll nun als rein digitales Format angeboten werden, weitere Teile werden als Webinare folgen. Komplett abgesagt werden die Ausstellung und die Networking-Events.

Vorstand und Geschäftsführung der BVL geben an, die Absage der Präsenzveranstaltung außerordentlich zu bedauern und auf wieder sicherere Rahmenbedingungen im kommenden Jahr zu hoffen.

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