Verteidigungselektronik: Hensoldt darf ESG übernehmen

Das Bundeskartellamt hat keine wettbewerblichen Bedenken, da beide Unternehmen in der Verteidigungselektronik unterschiedliche Produkte und Dienstleistungen anbieten.  

Unternehmenszentrale von ESG in Fürstenfeldbruck bei München. (Bild: ESG)
Unternehmenszentrale von ESG in Fürstenfeldbruck bei München. (Bild: ESG)
Therese Meitinger

Das Bundeskartellamt hat am 8. Februar die Übernahme der ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH, München, durch die Hensoldt Holding Germany GmbH, Taufkirchen, von Amira freigegeben. Über die Förderbank KfW ist der Bund mit 25,1 Prozent an der Hensoldt beteiligt. Entsprechende Pläne hatten die beiden Unternehmen bereits am 5. Dezember vergangenen Jahres bekanntgegeben.

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, äußerte sich wie folgt:

„Gegen die Übernahme bestehen keine wettbewerblichen Bedenken, da die beiden Unternehmen innerhalb des Bereiches der Sicherheits- und Verteidigungselektronik bislang ganz überwiegend unterschiedliche Produkte und Dienstleistungen anbieten.“

Hensoldt ist ein Hardware-Produzent im Bereich der Verteidigungselektronik. Die Hauptproduktbereiche sind Radare und optoelektronische Systeme. In Abgrenzung dazu ist ESG ein Systemintegrator und vornehmlich mit der Entwicklung, Integration und Betreuung von elektronischen Systemen von Dritten – vor allem im militärischen Bereich – betraut. ESG ist dabei nicht nur für die Integration unterschiedlicher elektronischer Komponenten wie beispielsweise der Kampfflieger der Bundeswehr zuständig, sondern betreut darüber hinaus das Management der Ersatzteile.

Komplementäre Geschäftsfelder

Mit dem komplementären Charakter von ESG begründete im Dezember Hensoldt die angestrebte Übernahme. Mit der Übernahme des hochkomplementären Wehrtechnikgeschäfts der ESG erweitere Hensoldt sein Geschäft um starke Design- und Systemintegrationsfähigkeiten, hieß es damals in einer Pressemitteilung. Angesichts der sich in hohem Maße ergänzenden Kompetenzen, der starken kulturellen Übereinstimmung und der Unterstützung durch die Stakeholder sei die kombinierte Gruppe ideal positioniert, um ihr internationales Wachstum auf der Grundlage der Erfolgsbilanz und des Wachstumskurses der beiden Unternehmen zu beschleunigen, während sie gleichzeitig fest in Deutschland verwurzelt bleibe und die nationalen Sicherheitsinteressen schütze, so die Pressemitteilung.

Thomas Müller, CEO der Hensolt-Gruppe hierzu:

„Die Übernahme der ESG passt hervorragend in unsere Gesamtstrategie und beschleunigt die Entwicklung von HENSOLDT als Lösungsanbieter für Verteidigung und Sicherheit. Durch die Kombination der sich hervorragend ergänzenden Fähigkeiten von HENSOLDT und ESG machen wir einen entscheidenden Schritt hin zu einem führenden europäischen Anbieter von nahtlos integrierten Lösungen. Damit sind wir bestens aufgestellt, um die bestehenden und zukünftigen Anforderungen unserer Kunden weltweit zu erfüllen.“

Christoph Otten, CEO der ESG, erklärte:

„Die Übernahme ist zweifellos ein deutliches Zeichen der großen Anerkennung und Wertschätzung für die umfassende Leistung des gesamten ESG-Teams als unabhängiger nationaler Systemintegrator und zuverlässiger Technologie- und Innovationspartner der Bundeswehr. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir unseren Kurs des nachhaltigen, profitablen Wachstums auch in einer neuen Eigentümerstruktur unvermindert fortsetzen werden. Ebenso sind wir davon überzeugt, dass der damit verbundene Wandel auch weitere vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter individuell und für uns als Unternehmen insgesamt eröffnet.“

Die Übernahme soll voraussichtlich bis zum 1. Halbjahr 2024 abgeschlossen sein.

Hensoldt und ESG arbeiten bereits unter anderem in der German FCMS zusammen. FCMS entwickelt vernetzte Sensor- und Effektor-Lösungen sowie Drohnensysteme, plattformübergreifende Sensoren und Effektoren für fliegende unbemannte Systeme. Die Gründung der German FCMS wurde 2020 vom Bundeskartellamt geprüft und freigegeben.