Versand: bevh fordert klare Standards für Mehrwegverpackungssysteme

Aus Sicht des Verbands hat die Logistikwirtschaft vor allem bei den Rücknahmelösungen noch Nachholbedarf.

Der bevh fordert klare europaweite Regeln für die Rückhollogistik von Versandverpackungen. (Symboldbild: Thomas Reimer/AdobeStock)
Der bevh fordert klare europaweite Regeln für die Rückhollogistik von Versandverpackungen. (Symboldbild: Thomas Reimer/AdobeStock)
Sandra Lehmann

Die am 22. November verabschiedete Verhandlungsposition des Europäischen Parlaments zur Verpackungsverordnung sieht Mehrwegquoten für Versandpakete vor, um dem hohen Verpackungsverbrauch beizukommen: Zehn Prozent aller Sendungen sollen demnach bis 2030 in einem geschlossenen System verschickt werden. Die Quote könnte in Zukunft weiter angehoben werden. Der Verband E-Commerce und Versandhandel (bevh) begrüßt den Ansatz von Mehrwegversandverpackungen zwar grundsätzlich, bemängelt in einer Pressemeldung von Ende November jedoch, dass es keine europaweit einheitlichen Logistikstandards für diese Art der Verpackungen gibt.

„Damit sich ein Kreislauf schließt, müsste mehr dafür getan werden, dass Pakete nahtlos wieder zum Händler gelangen. Die letzte Meile müsste also ohne große Reibungsverluste wieder zur 'ersten' werden – unabhängig davon, bei wem bestellt wurde“, erklärt Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer beim bevh.

Nahtlos wäre der Rückversand nach Verbandsangaben, wenn dem Zusteller an der Haustür leere Pakete gleich wieder mitgegeben werden könnten. Auch Packstationen könnten für die Annahme dienen. Anders als Briefkästen quellen sie nicht nach wenigen Einwürfen über und die Abholung von Bestellungen könnten mit der Rückgabe von leeren Verpackungen verbunden werden. Auch anbieterunabhängige Rücknahmeautomaten, wie man sie für Pfandflaschen kennt, wären denkbar.

„All diese Lösungen setzen voraus, dass in der Logistikkette neue Strukturen und Prozesse geschaffen werden. Ein ganzes Mehrwegsystem müsste neu aufgebaut werden, das übergreifende Standards bräuchte – nicht nur in Deutschland, sondern EU-weit“, ergänzt Wenk-Fischer.

Solange keine EU-weit einheitlichen Mehrweglösungen existieren, sieht der bevh die Rücksendung von Mehrwegverpackungen insbesondere im grenzüberschreitenden E-Commerce problematisch. Bestelle ein spanischer Kunde in einem deutschen Onlineshop und behalte die gesamte Bestellung, müsste anschließend eine Mehrwegtasche mit null Prozent Inhalt von Spanien nach Deutschland transportiert werden.

„Wenn nicht gewährleistet ist, dass Mehrwegverpackungen innerhalb der EU dienstleisterübergreifend akzeptiert werden, halten wir es im grenzüberschreitenden Handel nicht für tragbar, permanent leere Versandverpackungen quer durch Europa zu schicken. Es werden Rücksendungen verursacht, auch wenn der Kunde den Artikel behält“, so Wenk-Fischer.