Verpackung: Zentrale Stelle Verpackungsregister zieht Recyclingbilanz

Im Ringen um die Erfüllung höherer Quoten einer verbesserten Recyclingfähigkeit von Verpackungen verzeichnet die Organisation sowohl Erfolge als auch Fehlschläge.

In den meisten Bereichen erfüllen Verpackungen in Deutschland die Recyclingquoten. Allerdings gibt es auch Rubriken, in denen das nicht der Fall ist. (Symbolbild: 279photo)
In den meisten Bereichen erfüllen Verpackungen in Deutschland die Recyclingquoten. Allerdings gibt es auch Rubriken, in denen das nicht der Fall ist. (Symbolbild: 279photo)
Sandra Lehmann

Die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) und das Umweltbundesamt haben am 4. Dezember im Rahmen einer Pressekonferenz die Bilanz für das Jahr 2022 vorgelegt. Demnach sind immer mehr Verpackungen hochgradig recyclingfähig und die gesetzlichen Recyclingziele von Verpackungen im dualen System werden grundsätzlich erreicht.

Im vergangenen Jahr haben die dualen Systeme im Durchschnitt die sehr anspruchsvollen gesetzlichen Ziele für das Recycling von Verpackungen aus Papier, Pappe, Kartonagen, Weißblech, Aluminium und Kunststoff erreicht und teilweise sogar deutlich überschritten, hieß es in der Pressekonferenz. Damit würden weiterhin erhebliche Mengen dieser Materialien einem Recycling zugeführt. So lag bei Kunststoffverpackungen die tatsächlich erreichte Zuführungsquote zur werkstofflichen Verwertung bei 67,5 Prozent und damit 4,5 Prozentpunkte über dem gesetzlich vorgegebenen Mindestanteil – vier Jahre zuvor seien es noch weit unter 50 Prozent gewesen.

2022 kam es aber auch zu gravierenden Verfehlungen der gesetzlichen Quotenvorgaben, wie die ZSVR berichtete. Im Durchschnitt aller dualer Systeme konnten die gesetzlichen Recyclingvorgaben für Glasverpackungen, Getränkekartons und sonstige Verbundverpackungen nicht erreicht werden – teilweise mit deutlichem Abstand zum Mindestziel. Dennoch würden weiterhin mehr als 50 Prozent der in der gelben Tonne gesammelten Abfälle einem Recycling zugeführt. Dazu sagt Bettina Rechenberg, Fachbereichsleiterin beim UBA:

„Es stimmt weiterhin: Mülltrennung lohnt sich! Wir sind erfreut über die guten Recyclingerfolge der dualen Systeme insbesondere bei Metall- und Kunststoffverpackungen. Große Sorgen bereiten uns aktuell vor allem die sonstigen Verbundverpackungen und die unzureichenden Sammelmengen bei Glasverpackungen. Verbraucherinnen und Verbraucher bringen leider noch zu wenig Altglas in die dafür vorgesehenen Sammelcontainer.“

Besonderes Sorgenkind sind aus Sicht der ZSVR und des UBA die sonstigen Verbundverpackungen, zu denen etwa schlecht zu trennende Mischungen aus Papier, Pappe und Kunststoff beziehungsweise Barrierfolien zählen. Sonstige Verbundverpackungen sind oft nicht gut zu recyceln, wie eine Studie des UBA zeigt. Fast jede zweite Verpackung, deren Recyclingfähigkeit unter 90 Prozent liege, sei eine Verbundverpackung. Es gäbe zugleich Defizite bei der Recyclinginfrastruktur: Bei Getränkekartonverpackungen und sonstigen Verbundverpackungen sei ein größerer Teil der Verwertungskapazitäten im Jahr 2022 wegen der hohen Energiepreise weggefallen. Dies entbinde die Hersteller jedoch nicht von der Produktverantwortung und die dualen Systeme nicht davon, die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, so Gunda Rachut. Gegebenenfalls müssen den vorhandenen Anlagen auskömmliche Preise gezahlt werden oder es müssten Recyclingkapazitäten neu geschaffen werden. Hier bestehe akuter Handlungsbedarf.

Recyclingfähigkeit weiter verbessern

Eine gute Recyclingfähigkeit einer Verpackung sei Voraussetzung für ein hochwertiges Recycling. Die ZSVR veröffentlicht im Einvernehmen mit dem UBA jährlich einen aktualisierten Mindeststandard zur Bemessung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen, die typischerweise bei privaten Endverbrauchern als Abfall anfallen. Dieser trage Verpackungstrends und neuen Anlagentechnologien Rechnung. ZSVR-Vorstand Gunda Rachut zeigt sich zufrieden:

„Wir haben bereits erhebliche Meilensteine auf dem Weg zum hochwertigen Recycling erreicht. Kreislauffähige Lösungen existieren für den Großteil der Verpackungen auf dem Markt. In einigen Bereichen setzen sich die Beteiligten auch entschieden für die Entwicklung von Anlagentechnologien und -kapazitäten ein. Um Ressourcen zu schonen, sind effiziente Kreisläufe unerlässlich.“

Immer noch am Markt zu sehen seien Verpackungen, deren Material oder Gestaltung ein Recycling nicht ermöglichen. ZSVR-Vorstand Gunda Rachut erklärt:

„Auffällig ist die große Lücke zwischen den hochgradig recyclingfähigen Verpackungen und weiteren Verpackungen – diese sind entweder geringgradig oder gar nicht recyclingfähig. Seit 2018 ist transparent erkennbar, welche Verpackungslösungen nicht hochwertig recycelt werden können. Für diese Verpackungen gibt es ausreichend Alternativen. Warum diese nicht genutzt werden, ist unklar.“

Die Gruppe der von den Systemen gesammelten Verpackungen, für die es keine Quotenvorgabe gibt, zum Beispiel Verpackungen aus Bambus, Holz, Jute, Keramik oder Kork, werden in der Praxis nicht recycelt. Sie sind somit laut ZSVR besonders problematisch.