Verpackung: Holzwirtschaft fordert Änderungen am Entwurf der PPWR

Aus Sicht des Hauptverbands der Deutschen Holzindustrie bedrohen die EU-Verpackungspläne den europäischen Warenhandel.

Der HDH fordert in der PPWR Ausnahmen für Holzverpackungen. (Foto: HPE)
Der HDH fordert in der PPWR Ausnahmen für Holzverpackungen. (Foto: HPE)
Sandra Lehmann

Der Hauptverband der Deutschen Holzindustrie (HDH) kritisiert die Pläne der EU zur kommenden Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR). Wie die Interessenvertretung bekannt gab, seien nach jetzigem Stand durch die geplanten Regulierungen und Vorgaben benachteiligt. „Nach aktueller Lage sieht sich die Holzverpackungsbranche einer massiven Bedrohung durch praxisferne Vorgaben aus Brüssel ausgesetzt, die es auch zum Wohle gesamtwirtschaftlicher Interessen abzuwenden gilt“, mahnt HDH-Hauptgeschäftsführer Denny Ohnesorge.

Nachdem das Europaparlament und die Mitgliedstaaten sich Ende vergangenen Jahres mit separaten Abstimmungen zum PPWR-Entwurf positioniert hatten, finden aktuell die sogenannten Trilog-Verhandlungen von Parlament, Rat und EU-Kommission statt.

„Bei Gegenüberstellung der Positionen der drei Seiten wird deutlich: Es drohen nicht nur weitere Belastungen von Unternehmen durch eine Fülle neuer, unnötiger Dokumentationspflichten. Vielmehr wird durch praxisferne Vorgaben zum Recycling der Fortbestand der Holzverpackungsbranche gefährdet. Davon betroffen wären neben der deutschen Wirtschaft insgesamt auch weitere Teilbranchen der Holzindustrie wie die Holzwerkstoffindustrie“, so Ohnesorge weiter.

Besonders kritisch sieht der Verband nach eigenen Angaben das Konzept des „Closed Loop“-Recyclings. Die Idee eines geschlossenen Kreislaufs sei für einzige Materialarten denkbar, so HDH, für viele Holzverpackungen jedoch nicht. Eine Palette oder Exportkiste aus Holz könne durch Recycling kaum wieder zum gleichen Produkt werden, sehr wohl aber zu anderen Holz-Erzeugnissen, argumentiert die Interessenvertretung. Am bekanntesten seien Spanplatten für den Bau- oder Möbelsektor, deren Produzenten auf Holzverpackungen zurückgriffen. Die Produktionsprozesse entsprechen laut dem HDH dem Recyclingkonzept eines offenen Kreislaufs, der auch konform sei mit der bisherigen EU-Abfallrahmenrichtlinie. Bisherige PPWR-Entwürfe vernachlässigen aus Sicht des Verbands hingegen zum Teil die Eigenschaften von Holz. Daher sollten Holzverpackungen von bestimmten Teilen der PPWR ausgenommen werden, verlangt die Holzindustrie.

Eine solche Ausnahme fordert der Wirtschaftszweig auch für die Vorgaben zum sogenannten Leeranteil in Verpackungen. Hier sind bislang Prozentanteile für den maximalen Leerraum vorgesehen, den die Verpackung umgibt. Nach Einschätzung des HDH habe der Brüsseler Gesetzgeber dabei die Regulierung von Verbraucherverpackungen im Blick, nicht die von Industrieverpackungen.

Ausnahmen von der Leerraumregel

Produkte mit einem Gewicht von mehr als 100 Kilogramm sollten deshalb nach den Wünschen des HDH von der PPWR-Verordnung ausgenommen sein, um kontraproduktive Vorschriften für Industrieverpackungen zu vermeiden. Solche maximalen Leeranteile würden wertvolle Industrieprodukte gefährden, heißt es vonseiten des Verbands.

Kein Zwang zum Recyclingmaterial

Die Holzindustrie fordert außerdem, auf die Vorgabe zu verzichten, die Nutzung von recyceltem Material in der Produktion vorzuschreiben. Denn bei bestimmten Industrieverpackungen sei die Nutzung von recycelten Materialien aus technischen Gründen nicht möglich. Für den nachwachsenden Rohstoff Holz werde daher an dieser Stelle eine Ausnahme benötigt.

„Die PPWR-Verhandelnden in Brüssel müssen in den Trilog-Verhandlungen dringend zu entscheidenden Verbesserungen für die klimafreundliche Holzverpackungsbranche kommen. Sonst droht ein Desaster nicht nur in der Holzindustrie, sondern für den europäischen Warenhandel insgesamt“, warnt HDH-Hauptgeschäftsführer Ohnesorge.