Verkehrstote: Deutschland reduziert Zahlen laut DEKRA nicht genug

Im Jahr 2023 beträgt die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Menschen laut Statistischem Bundesamt voraussichtlich 2750. Damit erreicht Deutschland laut DEKRA nicht die Ziele, die im Nationalen Verkehrssicherheitsprogramm festgelegt wurden.

Die DEKRA fordert insbesondere das Verhalten der Menschen zu beeinflussen, um die Zahl der Verkehrstoten künftig zu reduzieren. Abgebildet ist hier ein Symbolbild. (Bild: AdobeStock, benjaminnolte)
Die DEKRA fordert insbesondere das Verhalten der Menschen zu beeinflussen, um die Zahl der Verkehrstoten künftig zu reduzieren. Abgebildet ist hier ein Symbolbild. (Bild: AdobeStock, benjaminnolte)
Gunnar Knüpffer

Im Jahr 2023 wird die Zahl der im Straßenverkehr getöteten Menschen laut Statistischem Bundesamt (Destatis) voraussichtlich 2750 betragen. Die Zahl wird von Destatis auf Basis vorliegender Daten von Januar bis September 2023 geschätzt. Damit ist diese Zahl um 40 Getötete niedriger als im Vorjahr, aber höher als im Jahr 2021, als 2562 Menschen ihr Leben im Straßenverkehr ließen, heißt es in einer Mitteilung von Destatis vom 11. Dezember.

Dabei stieg die Zahl der Unfälle auf den Straßen Deutschlands gegenüber dem Vorjahr um rund vier Prozent auf mehr als 2,5 Millionen Unfälle an. Die Zahl der Unfälle mit Personenschaden dürfte laut Destatis mit rund 290.000 etwa auf dem Vorjahresniveau bleiben. Im Vor-Corona-Jahr 2019 hatte es 2,7 Millionen Unfälle gegeben, darunter 300.000 mit Personenschaden.

Laut der DEKRA sind aktuell nicht die Ziele erreicht worden, die das Nationale Verkehrssicherheitsprogramm vorsieht. Demnach soll die Zahl der Verkehrstoten bis 2030 um 40 Prozent reduziert werden, 2023 sollte die Zahl schon unter 2.300 liegen. Die aktuelle Prognose für 2023 zeige, dass Deutschland nicht auf Kurs liegt, dieses Ziel zu erreichen, erklärte die Organisation DEKRA.

„Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich, dass alle Beteiligten ihre Anstrengungen für die Verkehrssicherheit intensivieren müssen, wenn wir in Deutschland das gesteckte Ziel nicht verfehlen wollen“, sagte Jann Fehlauer, Geschäftsführer der DEKRA Automobil GmbH.

Auf EU-Ebene ist die Zielstellung sogar noch ambitionierter: Hier wird angepeilt, die Getötetenzahl bis 2030 im Vergleich zu 2020 zu halbieren. „Die Zahlen aus Deutschland machen in der EU deutlich über zehn Prozent aus – auch für die EU-Ziele ist die Entwicklung hierzulande also ein elementarer Baustein“, erläuterte Fehlauer.

Um für Deutschland bis 2030 auf die angepeilte Größenordnung von höchstens gut 1.500 Getöteten zu kommen, hält der DEKRA-Experte einen Ansatzpunkt für besonders wichtig – nämlich die Beeinflussung des Verhaltens von Menschen.

„Fahrzeugtechnik und Infrastruktur sind zwar wichtige Handlungsfelder, auf denen sich schon viel getan hat und auch weiterhin einiges zu erreichen ist. Allerdings wirken sich Maßnahmen in diesen Bereichen eher mittel- und längerfristig aus“, so Fehlauer. „Bis zum Beispiel Assistenzsysteme und Funktionen des automatisierten Fahrens in der Flotte weit verbreitet sind, dauert es. Dasselbe gilt für Veränderungen in der Infrastruktur. Für uns ist klar: Mit solchen Maßnahmen allein sind die Ziele bis 2030 nicht zu erreichen.“

Fehlauer empfiehlt deshalb, bei der Umsetzung des Nationalen Verkehrssicherheitsprogramms das Augenmerk kurzfristig auch auf den Faktor Mensch zu richten. „Dabei müssen insbesondere ungeschützte Verkehrsbeteiligte wie Fußgänger, Radfahrer und Nutzer von E-Scootern verstärkt in den Blick genommen werden. Denn ihre Zahl steigt im Zuge des von uns allen gewollten Mobilitätswandels an – mit Folgen für das Unfallgeschehen.“ Verkehrssicherheitsmaßnahmen zum menschlichen Verhalten sollten deshalb unter anderem gezielt darauf ausgerichtet werden, Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern zu vermeiden.