VDI Innovationspreis Logistik 2024: Cellumation räumt ab

Das Bremer Unternehmen wird vom VDI für die Lösung „cv.CROSSDOCK“ ausgezeichnet.

Prof. Dr. Johannes Fottner (1.v.l.) übergab den VDI Innovationspreis Logistik gemeinsam mit Jean Haeffs (2.v.r.) an die Cellumation GmbH aus Bremen: Theresa Gröninger, Dr. Hendrik Thamer (Mitte) sowie Claudio Uriarte. (Foto: Sandra Lehmann)
Prof. Dr. Johannes Fottner (1.v.l.) übergab den VDI Innovationspreis Logistik gemeinsam mit Jean Haeffs (2.v.r.) an die Cellumation GmbH aus Bremen: Theresa Gröninger, Dr. Hendrik Thamer (Mitte) sowie Claudio Uriarte. (Foto: Sandra Lehmann)
Sandra Lehmann

Auf dem 31. Deutschen Materialfluss-Kongress, der vom 29. Februar bis zum 1. März in München stattfindet, hat der VDI im Rahmen der feierlichen Abendveranstaltung am 29. Februar den VDI Innovationspreis Logistik 2024 an die Cellumation GmbH verliehen.

Der Juryvorsitzende Prof. Dr. Johannes Fottner, stellvertretender Vorsitzender des Fachbereichs „Technische Logistik“ der VDI-Gesellschaft für Produktion und Logistik, überreichte den Preis gemeinsam mit Jean Haeffs, Geschäftsführer der VDI-GPL, an den glücklichen Gewinner. Zur Begründung sagte Fottner: 

„Hinter dem cv.CROSSDOCK steckt nicht eine gute Idee, sondern auch eine industrietaugliche Lösung. Damit ist die Cellumation GmbH aus Sicht der Jury ein sehr würdiger Gewinner des diesjährigen Innovationspreis Logistik.“

Neue Planungsmöglichkeiten

Der „cv.CROSSDOCK“, für den das Bremer Unternehmen den Award erhält, sortiert Objekte von unterschiedlich vielen Eingängen auf unterschiedlich viele Ausgänge. Im sogenannten Crossdocking werden die ankommenden Waren ohne Zwischenlagerung direkt von der Entladestelle auf die Versandbereitschaft vorbereitet und zum Endkunden oder zu anderen Vertriebspunkten geleitet. Der cv.CROSSDOCK orientiere sich an dieser Methode. Die neue Lösung von Cellumation verbessert nach Unternehmensangaben Knotenpunkte in bestehenden Materialflusslayouts und ermöglicht neue Planungsmöglichkeiten für effiziente Gesamtlösungen.

Integriertes Kameraauge

Der cv.CROSSDOCK besteht dem Anbieter zufolge aus beliebig vielen hexagonalen Roboterzellen mit je drei omnidirektionalen Rädern (Omniwheels). Über der Oberfläche erkennt eine 3D-Kamera die einzelnen Objekte und gibt als „Auge“ des Systems die Informationen zur Größe und Höhe an die Software weiter. Diese steuere die Omniwheels unabhängig voneinander in einem 360-Grad-Winkel und ermögliche damit kontrollierte Bewegungen auf kleinsten Flächen. Dank des Vision-Systems können Objekte identifiziert und ihre Bewegungen präzise verfolgt werden. Selbst bei schwierigen Transportgütern wie Polybags, Paperbags, Taschen oder sogar beschädigten Kartons gewährleiste der cv.CROSSDOCK eine sichere und schnelle Beförderung.

Automatisierung von Abläufen möglich

Diese Innovation zur Sortierung von Objekten in der Intralogistik ermögliche die Automatisierung von Bewegungsabläufen, die zuvor manuell oder durch komplexe Komponentenketten durchgeführt werden mussten.

Die Anwendung könne in vorhandene Layouts integriert werden und ermögliche die Kommunikation mit anderen Systemen über Standardschnittstellen. Das Plug&Play-Konzept gewährleiste eine schnelle und minimal invasive Installation vor Ort, wodurch Ausfallzeiten während der Umbauphase minimiert werden können. Die Prozesssicherheit werde durch das Zusammenwirken der Zellenmodule mit dem 3D-Visionsystem gewährleistet, und im Falle eines Ausfalls einer Zelle können die umliegenden Zellen die Bewegung weiterhin korrigieren.

Wenn im Rahmen eines Retrofit- oder Brownfieldprojektes ein bestehendes Layout effizienter gestaltet, eine Knotenstelle behoben oder manuelle Prozesse ersetzt werden sollen, kann der cv.CROSSDOCK minimal invasiv integriert werden. Im Sinne einer reibungslosen Kompatibilität kommuniziere diese Komponente über industrielle Schnittstellen wie Profinet oder EthernetIP mit seiner Umgebung. Während des Betriebs gewährleistet das Zusammenspiel der Zellenmodule mit dem Visionsystem eine hohe Prozesssicherheit. Sollte eine Zelle ausfallen, korrigieren die umliegenden Zellen die Bewegung, sodass jedes Objekt weiterhin auf dem richtigen Pfad fährt, heißt es vonseiten Cellumation. Der Austausch einer defekten Zelle erfordere geringen Aufwand: In weniger als fünf Minuten könne ein Mitarbeitender vor Ort die defekte Zelle entfernen und eine neue anschließen. Die Erkennung erfolgt automatisch, was langfristig die Betriebskosten senkt, so der Anbieter.

Der VDI Innovationspreis Logistik

Die Auszeichnung „Innovationspreis Logistik“ wird jährlich von der VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik (VDI-GPL) ausgeschrieben und vergeben. Mit dem Preis wird das Unternehmen ausgezeichnet, das Herausragendes für die Innovation in der Logistik geleistet hat. Die Auswahl des Preisträgers übernimmt eine unabhängige Jury aus kompetenten und anerkannten Experten. Der Jury 2024 gehörten an:

  • Gregor Blauermel, Geschäftsführender Gesellschafter B416 Unternehmensberatung GmbH & Co. KG
  • Prof. Dr. Johannes Fottner Lehrstuhl für Fördertechnik, Materialfluss, Logistik, TU München
  • Prof. WiIlibald A. Günthner, Lehrstuhl für Fördertechnik, Materialfluss, Logistik, TU München
  • Rolf Müller Wondorf, Chefredakteur Logistik für Unternehmen
  • Thilo Jörgl, Geschäftsführer Impact Media Projects
  • Matthias Pieringer, Chefredakteur LOGISTIK HEUTE
  • Winfried Bauer, Chefredakteur Fördern und Heben
  • Jean Haeffs, Geschäftsführer VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik, VDI e.V.

Die Ausschreibungsphase für den VDI Innovationspreis Logistik 2025 beginnt im Herbst 2024.