Urbane Logistik: Paris bietet Lieferanten eigene Parkflächen

Die französische Hauptstadt reagiert auf den Boom des E-Commerce mit speziellen Lieferzonen für KEP-Dienstleister.

Reservierte Parkplätze für die Logistik im Stadtzentrum.| Foto: Stadtverwaltung Paris
Reservierte Parkplätze für die Logistik im Stadtzentrum.| Foto: Stadtverwaltung Paris
Sandra Lehmann
(erschienen bei LOGISTRA von Johannes Reichel)

Der E-Commerce-Sektor ist auch in Frankreich unaufhaltsam auf dem Vormarsch. 2021 überschritt er den Wert von 129 Milliarden Euro, das ist ein Anstieg von 15,1 Prozent gegenüber dem Jahr 2020. Paris hatte in einer Hauptcharta bereits 2006 Vorschriften und Regelungen für den Transport und die Lieferung von Gütern im Stadtgebiet erarbeitet. An dieser Projektcharta waren 80 Partner in Arbeitsgruppen beteiligt. Um die Wareneinfuhr und -verteilung zu optimieren, wurden die Probleme des städtischen Logistikverkehrs wie Verkehrsstaus und die Luft- und Lärmbelästigung erörtert. Diese Charta der Logistik wurde 2013 überarbeitet und nun kürzlich aktualisiert.

Paris als Experimentierfeld für die urbane Logistik

Ein großes Problem in Städten ist demnach die begrenzte Anzahl an Parkplätzen. Die Stadtverwaltung von Paris schuf deshalb in diesem Jahr bereits 1.000 neue Parkplätze für Logistikunternehmen. Die nun etwa 10.600 Parkmöglichkeiten sind aber aufgrund des radikalen Anstiegs des E-Commerce weiter unzureichend. Im 15. Arrondissement wurden in einem sechsmonatigen Experiment Parkplätze für Zulieferer privatisiert. Ein Lkw lieferte die Waren an, drei E-Bikes mit Anhängern übernahmen die weitere Paketverteilung im Viertel. So konnte die Gesamtzahl der Lkw im Stadtgebiet spürbar reduziert werden.

Lagermöglichkeiten zur Weiterverteilung sind ein weiterer Punkt, der in der urbanen Lieferkette eine immer größere Rolle spielen. Verschiedene Technologien zur Identifizierung kostenloser Lieferparkplätze in Echtzeit sind im Testbetrieb, um die Kontrolle und Nutzung von Lieferbereichen zu optimieren. Anbieter von Sammel- und Zustellstellen haben zudem ihre Vertriebsnetze über Partnerschaften mit Supermarktketten aufgebaut.

Städtische Distributionszentren

Schließlich gibt es zunehmende Investitionen in städtische Distributionszentren. Das Logistikunternehmen Partners Valor Real Estate hat nach Eigenangaben beispielsweise im Jahr 2021 mehr als 20 Millionen Euro investiert, um einen urbanen Distributionsknotenpunkt in Paris zu entwickeln. Zu diesem Zweck habe Valor eine zwei Hektar große Brachfläche in La Courneuve für die spekulative Entwicklung eines über 10.000 Quadratmeter großen städtischen Verteilerparks erworben. Für die Verteilung von Waren aus den städtischen Logistikzentren an Verbraucher oder andere Unternehmen würden dann Elektrofahrzeugen oder alternativ angetriebenen Fahrzeugen bereitgestellt. Das städtische Logistikzentrum soll auch Tankstellen für alternative Kraftstoffe und Ladestationen für Elektrofahrzeuge umfassen.