Update: Wiesn-Lager war nur ein Aprilscherz

Meldung hat aber ernsten Hintergrund.
Thilo Jörgl

Zwei riesige Lagerhallen auf der Münchner Theresienwiese, ein modernes City-Logistik-Projekt mitten in der Stadt mit friedlich grasenden Kühen auf den Dächern und unterirdischer Anbindung zur Hackerbrücke. Die unten stehende exklusive Meldung von LOGISTIK HEUTE vom 1. April 2013 wurde nicht nur überdurchschnittlich oft gelesen. Leser meldeten sich auch per E-Mail bei der Redaktion oder schickten Anfragen an die Münchner Stadtverwaltung, ob an der Geschichte etwas dran sei. Die Wahrheit lautet: Es ist nichts dran. Es war ein Aprilscherz, den LOGISTIK HEUTE zusammen mit dem Dreieicher Projektentwickler Nextparx und dem Münchner Logistikimmobilienspezialisten Logivest ausgearbeitet hat.

So übertrieben manche Details auch sind, so ernsthaft ist der Hintergrund des Scherzes. In München herrscht zum einen seit Jahren ein Mangel an Logistikflächen. Zum anderen gibt es in der bayerischen Landeshauptstadt bis heute keine funktionierende City-Logistik. Selbst in kleineren Städten wie etwa Regensburg gibt es keine Lösungen. Im Gegenteil: Wie LOGISTIK HEUTE berichtet hat, wurde dort das Projekt RegLog 2012 nach 14 Jahren begraben – aus finanziellen Gründen. Die Konsequenz: Die Bewohner ärgern sich jetzt über zusätzliche 1.000 Lkw, die jährlich durch die Innenstadt fahren.

Ob Regensburg oder München: Während beispielsweise in Holland oder England funktionierende City-Logistikprojekte in Betrieb sind, schaut es hierzulande ziemlich düster aus. „Dass in München Wohnraum fehlt, ist immer wieder in aller Munde. Aber dass diese Haushalte ja auch mit Waren versorgt werden müssen, wird nicht thematisiert. Mit unserer Aktion wollten wir durchaus auch die Diskussion über neue Logistikkonzepte für die Stadt anstoßen“, sagt Kuno Neumeier, Geschäftsführer von Logivest. Der Projektentwickler Nextparx visualisierte den Aprilscherz mit einer Grafik seiner modernen Logistikhallen – mit Blick auf die Bavaria. „Schade eigentlich, dass wir so nicht bauen können“, schmunzelt Nextparx-Geschäftsführer und Architekt Oliver Schmitt. „Schon allein die Planung dieses Aprilscherzes hat uns großen Spaß gemacht“.

Meldung vom 1. April:

München: Durchbruch für City-Logistik
Zwei große Lagerhallen auf der Theresienwiese könnten Verkehrsprobleme lösen.

Verschmutzte Luft, verstopfte Straßen, lärmende Lkw: Der Verkehrsalltag in der Münchner Innenstadt könnte schon bald anders aussehen. Wie LOGISTIK HEUTE aus gut informierten Logistik-Kreisen erfahren hat, will der Dreieicher Projektentwickler für Logistikimmobilien, die Nextparx GmbH, auf dem südlichen Teil der Theresienwiese zwei Lager mit einer Gesamtlagerfläche von 60.000m² errichten. Sie sollen das Herz eines neuen City-Logistik-Konzepts für die bayerische Landeshauptstadt bilden. Der Clou: Während der Oktoberfest-Zeit sollen die Hallen für eine noch schnellere Versorgung der Zelte mit Bier, Hendl & Co. dienen. Das alle vier Jahre stattfindende Zentral-Landwirtschaftsfest (ZLF) könnte zum großen Teil in den Multifunktions-Anlagen über die Bühne gehen. Und auch während weiterer Großveranstaltungen wie etwa dem Tollwood-Festival oder dem Frühlingsfest wären die Anwohner entlastet, weil die gesamte Logistik für die Events effizienter organisiert werden könnte.

Angeblich steht das Mega-Projekt schon kurz vor dem Durchbruch. Die Zustimmung des Stadtrats für das 300 Mio. Euro teure Leuchtturmprojekt, das selbst ausgeklügelte holländische City-Logistik-Modelle in den Schatten stellen würde, ist laut Insidern so gut wie sicher. Auch gegenüber bayerischen Städten wie Nürnberg oder Regensburg hätte München die Nase vorne. Wenn der Münchner Stadtrat das Projekt in den kommenden Wochen durchwinkt, könnte laut des Projektentwicklers Nextparx das Mega-Verteilzentrum bereits im Frühjahr 2015 seine Tore öffnen.

Das Projekt hätte eine ganze Reihe von Vorteilen:

  • Der Lieferverkehr in der Innenstadt würde deutlich abnehmen, weil die Belieferungstouren für die Geschäfte in der City zentral zusammengestellt und von einem neutralen Dienstleister durchgeführt werden würden.
  • Der Ausstoß von Luftschadstoffen würde deutlich reduziert werden.
  • Mithilfe von geräuscharmen Elektro-Fahrzeugen könnten Geschäfte nachts beliefert werden.
  • Fußgänger und Radler könnten ihre Internet-Bestellungen auf dem Weg in die Arbeit an den Wiesn-Lagern selbst abholen, um so noch schneller an ihre Waren zu kommen.

Insider berichteten LOGISTIK HEUTE über Details aus dem Projekt, das in den nächsten Tagen offiziell vorgestellt werden soll. Die beiden Multifunktions-Lager sollen eine Gesamtlagerfläche von je 30.000 m² haben. In eine der Anlagen wird ein großer Kühlbereich mit mehreren Temperaturzonen für frische Lebensmittel integriert. Nur ein Fünftel der Ware soll per Lkw angeliefert werden. Die restlichen Waren sollen über eine unterirdische, vollautomatische Palettenförderanlage von der Hackerbrücke zur Theresienwiese gelangen. Auf dem dortigen ZOB (zentraler Omnibusbahnhof), der ohnehin längst nicht ausgelastet ist, sollen Flächen für die Anlieferung durch Lkw ausgewiesen werden. Zudem können Waren in Containern über einen Gleisanschluss direkt auf die Förderanlage gesetzt werden. Für die Belieferung der Innenstadt von den Lagern aus sollen ausschließlich Elektro-Lkw und -transporter eingesetzt werden, die über die Matthias-Pschorr-Straße in die City fahren.

Nextparx ist als Entwickler von modernen Logistikhallen mit ökologisch nachhaltiger Technik bekannt. So können beispielsweise die Hallenflächen je nach Bedarf kleinteilig bewirtschaftet und nur jeweils dort beheizt werden, wo gerade gearbeitet wird. Ein besonderes Detail, was dem ursprünglichen Charakter der Theresienwiese entgegenkommen soll, sind begrünte Dächer, sogenanntes „Industrial Farming“. Auf den Flachdächern der Hallen können Beete mit Gemüse, Blumen und Obstgehölzen angelegt werden – „zum Beispiel für Schul- oder Kindergartenprojekte im Umfeld der Theresienwiese“, so Nextparx. Die Sicht auf die berühmte Bavaria-Statue werde durch die Lager nicht eingeschränkt, versichert der Entwickler. Damit es während des Oktoberfests für die rund sieben Millionen Wiesn-Besucher zur effizienteren Versorgung mit Bier kommt, sollen unter den beiden Lagern mehrere unterirdische Tanks gebaut werden, ähnlich wie bei der Veltins Arena auf Schalke. Fassungsvermögen: mindestens eine Million Maß. Über mehrere Standleitungen sei es möglich, Helles von verschiedenen Brauereien in die Zelte zu pumpen, erklärt der Projektentwickler. Die rund 500.000 während jeder Wiesn verzehrten Hendl könnten über eine 5,5 Kilometer lange Fördertechnik direkt in die Küchen transportiert werden.

Der Projektentwickler Nextparx, der unter anderem den Logicpark Bergkirchen und den Logicpark Garching vor den Toren Münchens errichtet hat, zeigt sich über das neue Vorhaben begeistert: „Damit hat München ein Vorzeigeprojekt in Sachen City-Logistik“, sagt Christiane Kühl, geschäftsführende Gesellschafterin bei Nextparx. Angestoßen hat das Projekt der Münchner Logistikimmobilien-Berater Logivest GmbH, der seit geraumer Zeit an Lösungen für die Münchner City-Logistik arbeitet. Logivest-Geschäftsführer Kuno Neumeier zeigt die zahlreichen Vorteile für die Münchner Bürger auf: „Es gibt weniger Staus. Außerdem beliefern moderne Elektrofahrzeuge nachts die Innenstadt, so dass sie die Einkäufer nicht mehr stören. Und die Anwohner rund um die Theresienwiese werden spürbar weniger belastet, gerade auch in Zeiten von Großevents“. Das neue Konzept sei nach vielen Überlegungen und Planungen nun „endlich rund“ und biete eine Lösung für viele Probleme, an denen bisher ein schlüssiges City-Logistik-Konzept für die Stadt gescheitert sei. Von den Wiesnwirten war am 1. April bis Redaktionsschluss kurzfristig niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

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