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Umfrage: Digitalisierungspotenzial in Lieferketten noch zu wenig genutzt

Lösungen wie der Digitale Zwilling kommen noch kaum zum Einsatz.

Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen drohen den Anschluss in Sachen Digitalisierung zu verlieren, warnt eine Online-Umfrage. (Foto: Oliver Le Moal, Fotolia)
Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen drohen den Anschluss in Sachen Digitalisierung zu verlieren, warnt eine Online-Umfrage. (Foto: Oliver Le Moal, Fotolia)
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Therese Meitinger

„Digitalisierung in Supply Chains“ heißt eine gemeinsame Online-Erhebung des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) und der Hochschule Fulda. Angesprochen wurden 251 Supply Chain Manager und Führungskräfte in angrenzenden Bereichen wie IT, Logistik, Produktion oder Materialfluss. Bei der Unternehmensgröße sind Großbetriebe mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro als stärkste Gruppe vertreten. Die Umfrage untersuchte, wie intensiv elektronische Lösungen wie etwa Blockchain, Cloud Computing, 3D-Druck oder künstliche Intelligenz für die Digitalisierung der Lieferketten genutzt werden.

„Die Umfrage-Ergebnisse haben uns überrascht“, sagte Carsten Knauer, BME-Leiter Sektion Logistik/SCM, Referent Fachgruppen, am 13. März auf den 10. BME-eLösungstagen in Düsseldorf. So seien viele der aktuellen Digitalisierungstechnologien wie Roboter und Automatisierung oder selbstfahrende Fahrzeuge den befragten Supply Chain Managern zwar bekannt. Dennoch gebe es elektronische Lösungen wie Digitaler Zwilling, Uberization of freight oder Low-cost Sensor Technology, die von ihnen kaum oder gar nicht genutzt würden. Knauer appelliert deshalb an die Entscheidungsträger, bestehende Wissenslücken schnell zu schließen. Ansonsten bestehe insbesondere für KMU die Gefahr, den Digitalisierungszug zu verpassen. Darüber hinaus müsse das Berufsbild des Supply Chain Managers künftig einen stärkeren Bezug zum industriellen Internet der Dinge als bisher haben.

Ernüchternder Status Quo

„Ziel unserer Logistikumfrage war es, für mehr Transparenz beim Einsatz digitaler Technologien in den Lieferketten zu sorgen“, erläuterte Michael Huth, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Logistik, an der Hochschule Fulda. Die Antworten zum Stand der Anwendung digitaler Technologien in Supply Chains hätten ein ernüchterndes Bild ergeben. Einzig Cloud Computing, Roboter und Automatisierung sowie – mit Abstrichen – Big Data Analytics werden nach Angaben der Umfrage-Teilnehmer umfassend eingesetzt. Alle anderen Digitalisierungstechnologien spielten derzeit noch keine große Rolle. Mit Blick auf die Zukunft sei jedoch eine Intensivierung der Digitalisierungsbestrebungen denkbar. Dennoch bleiben die befragten Unternehmen – zumindest in den kommenden zwei Jahren – auch hier bis auf die drei genannten Technologien zurückhaltend.

Derzeit erwarten die meisten Umfrage-Teilnehmer noch keinen ausreichenden Mehrwert, der die hohen Investitionskosten der Implementierung von Digitalisierungstechnologien rechtfertigt. „Trotzdem kann es mittelfristig sinnvoll sein, bereits jetzt Digitalisierungstechnologien im eigenen Unternehmen umzusetzen. Auf diese Weise lassen sich die von Industrie 4.0 ausgehenden Wettbewerbsvorteile frühzeitig nutzen“, sagte Huth in Düsseldorf. Dazu zählen Unternehmen laut Online-Erhebung vor allem Kosten- und Zeiteinsparungen sowie Qualitäts- und Flexibilitätssteigerungen.

Befragt nach möglichen Hemmnissen bei der Digitalisierung nannten die Supply Chain Manager fehlende Personalressourcen sowie Datenschutz- und Cyber-Security-Gründe. Mit Blick auf das Thema Fachpersonal empfehlen die Autoren der Umfrage, Stellenprofile anzupassen oder auch neu zu konzipieren. Es gehe dabei nicht mehr allein um Know-how im Supply Chain Management, sondern auch – und deutlich intensiver als bisher – im Bereich der digitalen Transformation. Der Kontakt zu Hochschulen biete vor allem KMU die Möglichkeit, frühzeitig Kontakt zu Absolventen aufzubauen und damit „frisches Wissen“ in das eigene Unternehmen zu holen.

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