Umfrage: Deutsche Wirtschaft hinkt bei Blockchain hinterher

Der Bereich Logistik, Lager und Versand zählt laut Bitkom zu den beliebtesten Anwendungsbereichen.

Das Wissen über Blockchain-Technologien hat in deutschen Unternehmen zuletzt zugenommen, doch bei der Umsetzung von konkreten Applikationen hapert es. (Foto: Kugelwolf / Fotolia)
Das Wissen über Blockchain-Technologien hat in deutschen Unternehmen zuletzt zugenommen, doch bei der Umsetzung von konkreten Applikationen hapert es. (Foto: Kugelwolf / Fotolia)
Therese Meitinger

Eine Mehrheit der Unternehmen in Deutschland hält Blockchain für eine wichtige Zukunftstechnologie, aber nur eine Minderheit hat sich generell mit dem Thema und den Einsatzmöglichkeiten im eigenen Unternehmen beschäftigt. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 652 Unternehmen ab 50 Beschäftigten im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Sie wurde am 7. Juli veröffentlicht. 59 Prozent stimmen darin der Aussage zu, dass die Blockchain-Technologie eine der wichtigsten Zukunftstechnologien ist und dennoch stark unterschätzt wird. Unter größeren Unternehmen liegt der Anteil noch höher und erreicht 74 Prozent bei denjenigen mit 500 bis 1.999 Beschäftigten und 82 Prozent bei denen ab 2.000 Beschäftigten. Umgekehrt meinen nur 25 Prozent aller Unternehmen, die Blockchain-Technologie werde überschätzt und sei für die Praxis untauglich. Bei den größeren Unternehmen sind es sogar nur 14 Prozent (500 bis 1.999 Beschäftigte) beziehungsweise elf Prozent (ab 2.000 Beschäftigte).

Zugleich geben aber nur 43 Prozent der Unternehmen an, dass sie sich mit der Blockchain-Technologie generell beschäftigt haben – und nur jedes vierte (26 Prozent) sagt, dass man dem Thema Blockchain interessiert und aufgeschlossen gegenübersteht. Jedes Dritte (32 Prozent) sieht die Blockchain demgegenüber eher kritisch oder ablehnend.

„Die Blockchain ist eine Basistechnologie, die Chancen für neue Produkte und neue Geschäftsmodelle in den unterschiedlichsten Branchen eröffnet, vom Finanzwesen über die Logistik bis zur Energieversorgung“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Diese Erkenntnis ist in der Wirtschaft durchaus angekommen. Ihren Weg in die praktische Umsetzung muss sie in den Unternehmen aber erst noch finden.“

Know-how und Use Cases fehlen oft noch

Die größten Herausforderungen rund um den Einsatz von Blockchain-Anwendungen sehen die Unternehmen Bitkom zufolge in fehlendem eigenen Know-how (87 Prozent) und einem Mangel an qualifiziertem Personal (81 Prozent). An dritter Stelle wird von 79 Prozent beklagt, dass es keine belastbaren Use Cases für den Blockchain-Einsatz gibt. Jeweils rund drei Viertel sehen eine ungenügende Standardisierung der Technologie (74 Prozent) sowie rechtliche Unsicherheiten beim Einsatz (73 Prozent). Dicht dahinter folgen Anforderungen an den Datenschutz (69 Prozent) und die IT-Sicherheit (62 Prozent). 67 Prozent sind der Meinung, die Blockchain-Technologie sei noch nicht ausgereift, 58 Prozent fehlen Performance und Skalierbarkeit der Technologie. Nur rund die Hälfte (52 Prozent) hat nicht das nötige Geld und in drei von zehn Unternehmen (31 Prozent) scheitert die Blockchain an mangelnder Unterstützung durch die Geschäftsführung.

Verglichen mit der letzten Bitkom-Blockchain-Befragung aus dem Jahr 2018 hat das Wissen über zentrale Blockchain-Fachbegriffe zugenommen. So haben der Studie zufolge inzwischen 38 Prozent von „Initial Coin Offerings“ (ICO) oder „Token Sales“ gehört, vor drei Jahren waren es erst 20 Prozent. Von „Distributed Ledger Technology“ haben 41 Prozent gehört (2018: 26 Prozent), „Smart Contracts“ sind 56 Prozent ein Begriff (2018: 46 Prozent) und Bezeichnungen rund um Identitätsmanagement wie „Self-Sovereign-Identity“ sagen 68 Prozent etwas (2018: 52 Prozent). Am bekanntesten sind „verteilte Netzwerke“ (von 88 Prozent auf 93 Prozent) und „Kryptowährungen“ (unverändert 99 Prozent).

Doch das Wissen wird laut Bitkom weiterhin nur selten in der Praxis genutzt. Neun von zehn Unternehmen (87 Prozent) haben sich noch nicht mit Einsatzmöglichkeiten der Blockchain im eigenen Unternehmen beschäftigt. Vor drei Jahren war der Anteil genauso hoch (86 Prozent). Jeweils gerade einmal ein Prozent der Unternehmen geben an, dass sie Blockchain-Technologie im Einsatz haben oder die Implementierungs- oder Testphase erster Projekte gestartet haben. Zwei Prozent befinden sich in der Analyse- und Informationsphase und drei Prozent diskutieren den Blockchain-Einsatz, allerdings noch ohne konkrete Pläne. Weitere vier Prozent haben die Nutzung diskutiert, sich dann aber dagegen entschieden.

In den Unternehmen, die Blockchain einsetzen, dies planen oder diskutieren, findet dies zumeist im Bereich Finanzen, Buchhaltung und Controlling statt (73 Prozent). Mit deutlichem Abstand liegt Logistik, Lager und Versand mit 35 Prozent auf Platz zwei, vor Einkauf (34 Prozent) sowie Produktion, Fertigung und Projektabwicklung (34 Prozent). Der Personalbereich kommt auf 24 Prozent, Marketing, Kundenservice und Vertrieb auf 15 Prozent und das Schlusslicht bildet Forschung und Entwicklung mit zwei Prozent.

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