Ukrainekrieg: Lieferkettenprobleme in deutscher Industrie nehmen zu

Vor allem mittelständische Industriebetriebe sehen sich laut einer Erhebung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags mit teils erheblichen Engpässen konfrontiert.

Die weltweiten Lieferketten laufen bereits seit einiger Zeit nicht mehr rund. Das macht sich auch bei deutschen Mittelständlern bemerkbar, wie eine Studie des DIHK belegt. (Foto: Kamonrat / Fotolia)
Die weltweiten Lieferketten laufen bereits seit einiger Zeit nicht mehr rund. Das macht sich auch bei deutschen Mittelständlern bemerkbar, wie eine Studie des DIHK belegt. (Foto: Kamonrat / Fotolia)
Therese Meitinger

Der von Russland entfachte Krieg in der Ukraine und die damit verbundenen Folgen verschärfen auch die Probleme in den Lieferketten der Weltwirtschaft enorm. Zu diesem Ergebnis kommen mehrere Erhebungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Schon in der bundesweiten IHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn hätten 84 Prozent der deutschen Industriebetriebe mittlere bis erhebliche Lieferschwierigkeiten gemeldet, sagten DIHK-Vizepräsident Ralf Stoffels und DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier am 18. März vor Journalisten. An der Konjunkturumfrage hatten sich nach Verbandsangaben mehr als 28.000 Unternehmen aus allen deutschen Regionen und Branchen beteiligt.

Einer DIHK-Sonderauswertung zufolge war bereits vor Kriegsausbruch eine deutliche Mehrheit der Unternehmen mit Problemen in ihren Lieferketten konfrontiert. Aktuell berichtet der Verband von Rückmeldungen über eine starke Zunahme der Probleme, die ihn über unterschiedliche Kanäle erreichten. Ein erster Trend aus der laufenden DIHK-Blitzbefragung zu den wirtschaftlichen Folgen des russischen Überfalls auf die Ukraine zeigt demnach etwa, dass rund 60 Prozent der befragten Unternehmen zusätzliche Störungen in der Lieferkette und Logistik als Folge des Krieges melden. Bereits zu Jahresbeginn haben demnach lediglich zehn Prozent der Betriebe mit einem baldigen Ende der Lieferkettenprobleme gerechnet. Inzwischen dürften es nach DIHK-Einschätzung noch weniger sein.

Mittelständler von zwei Seiten unter Druck

Insbesondere für Deutschlands mittelständische Industriebetriebe spitzt sich die aktuelle Lage wegen der anhaltenden Probleme nach den Worten von DIHK-Vizepräsident Stoffels teilweise dramatisch zu.

„Diese Unternehmen stehen derzeit von zwei Seiten unter Druck: Sie bekommen selbst weniger Vorprodukte oder – wie vor allem bei Energie – nur zu sehr hohen Preisen. Zugleich können sie die Kostensteigerungen nur teilweise an ihre Kunden weitergeben und selbst wegen der Verzögerungen in der eigenen Lieferkette immer schlechter liefern“, so Stoffels.

Dies betrifft laut Stoffels auch viele Unternehmen, deren deutsche Spezialprodukte in den weltweiten Lieferketten eine oft entscheidende Rolle spielen. Es gebe kaum Autos, Smartphones oder Maschinen, die ohne in Deutschland produzierte Schlüsselkomponenten funktionierten. Deshalb müssten Wirtschaft und Politik die massiven Störungen der Lieferketten gemeinsam in den Griff bekommen. 

Stoffels betonte, der Rückhalt für die gegen Russland verhängten Sanktionen sei auch bei den Unternehmen, die in der Konsequenz daraus erhebliche finanzielle Einbrüche verzeichneten, groß.  Es sei für viele einfach unerträglich, in einem Land Geschäfte zu machen, von dessen Boden ein solcher Angriffskrieg ausgeht. Deutlich dramatischer seien die Verluste in der Ukraine, wo menschliches Leben und dessen Grundlagen einfach weggebombt würden.

„Wir müssen den Menschen aus der Ukraine so viel helfen wie irgendwie möglich“, sagte Stoffels. „Und wir müssen im Rest der Welt geschlossen bei den Sanktionen gegen Russland agieren, auch wenn diese Rückwirkungen auf unsere eigene Wirtschaft haben.“

Stoffels und Treier wiesen darauf hin, dass deutschen Unternehmen weltweit immer mehr Handelshürden und Protektionismus begegneten. Diese Entwicklung hat sich ihrer Ansicht nach im Zuge der Coronapandemie verstärkt und ist für sie insofern bedenklich, da die Vorteile der internationalen Arbeitsteilung drohen verloren zu gehen. Auch wegen grundsätzlicher Bedenken in Deutschland und der EU blieben selbst ausverhandelte Handelsabkommen wie das mit Mercosur weiterhin in der Schwebe.

Printer Friendly, PDF & Email