Ukrainekrieg: Fehlendes Neon könnte Chipproduktion bremsen

Gefahren für die Halbleiterproduktion sehen Experten auch im begrenzten Zugang zu Palladium, das für katalytische Reaktionen verwendet wird.  

Herstellung eines Silikon-Wafers. (Symbolbild: Naka / AdobeStock)
Herstellung eines Silikon-Wafers. (Symbolbild: Naka / AdobeStock)
Therese Meitinger

Restriktionen und erschwerte Zugänge für bestimmte Rohmaterialien und Vorprodukte im Zuge des Ukrainekriegs könnten sich nachteilig auf die weltweite Halbleiterproduktion auswirken. Zu diesem Schluss kommt unter anderem Rainer Koppitz, CEO des Münchener Elektronikdienstleisters Katek, in einem Statement vom 7. März. Für die Vorproduktion werden ihm zufolge Bauteile und zum Beispiel das sogenannte Neongas aus Russland benötigt. Aktuell bezögen die führenden Halbleiterhersteller in Taiwan, Südkorea sowie anderen Ländern etwa rund 80 Prozent dieses Edelgases aus Russland.

„Das kann die Materialkrise im wichtigen Halbleiterbereich – die sich aktuell leicht zu entspannen schien – wieder zuspitzen“, erläutert Koppitz.

Chris Rogers, Wirtschaftsökonom der Logistikplattform Flexport, sieht in einer Analyse vom 2. März Risiken in einem beschränkten Zugang zu kritischen Chemikalien wie Xenon, Krypton und C4F6, für die die Ukraine ebenfalls ein wichtiger Lieferant ist. Deren Verlust könnte die Halbleiterproduktion beeinträchtigen. Darüber hinaus entfielen laut U.S. Geological Survey 37 Prozent der weltweiten Palladiumproduktion auf Russland. Palladium wird unter anderem für katalytische Reaktionen verwendet, die bei der Fertigung von Sensoren und Speichermedien eine Rolle spielen.

Nach Exportbeschränkungen der US-Regierung für Dual-Use-Anwendungen, also Produkte oder Vorprodukte, die auch für militärische Zwecke genutzt werden können, haben große amerikanische Halbleiterhersteller wie Intel und AMD mittlerweile Halbleiterlieferungen nach Russland vorübergehend eingestellt. Auch der taiwanesische Auftragsfertiger liefert nicht mehr dorthin. Allerdings stammten 2020 nach Flexport-Berechnungen nur 6,6 Prozent der russischen Halbleiterimporte – Sensoren, Speicher und einfache Steuerungen – aus den USA oder der EU, während auf China 23,4 Prozent entfielen. Die Volksrepublik bietet sich für Russland so auch in der aktuellen Situation für alternatives Sourcing an.  

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