Ukraine-Krieg: Transportunternehmen weisen auf vereinzelte Lieferausfälle hin

Die Zahl der in Deutschland aktiven Lkw-Fahrer sinkt noch einmal, weil die wehrfähigen Männer in der Ukraine einberufen werden. Einzelne Transportunternehmen weisen laut BGL bereits auf mögliche Lieferausfälle hin.

Der Krieg in der Ukraine führt dazu, dass noch weniger Lkw-Fahrer für Fahrten in Europa zur Verfügung stehen. (Symbolbild, Foto: Adobe Stock, Kzenon)
Der Krieg in der Ukraine führt dazu, dass noch weniger Lkw-Fahrer für Fahrten in Europa zur Verfügung stehen. (Symbolbild, Foto: Adobe Stock, Kzenon)
Gunnar Knüpffer

Die Situation auf dem europäischen Markt für Lkw-Fahrer verschärft sich noch einmal. Infolge des Krieges in der Ukraine werden die Männer dieses Landes im wehrfähigen Alter einberufen und stehen somit nicht mehr für eine Tätigkeit als Lkw-Fahrer zur Verfügung. Die EU verhängte jetzt auch Sanktionen gegen die diejenigen Belarussen, die die russischen Kriegsbemühungen unterstützen.

Damit stehen den osteuropäischen Transportflotten, die laut einer Mauterhebung circa 50 Prozent des Lkw-Verkehrs stellen, viel weniger mögliche Fahrer zur Verfügung.

Ermittelbar ist der Anteil polnischer Lkw an der Fahrleistung in Deutschland. In der BAG-Statistik wird dieser mit 17,5 Prozent ausgewiesen, was mithin gut die Hälfte aller hierzulande von ausländischen Unternehmen durchgeführten Transporte bedeutet, teilten der Europäische Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure AG (ELVIS) und der Mittelstandsverband Mittelstand. BVMW in einer Presseaussendung am 28. Februar mit. Branchenintern bekannt sei, dass viele in Polen beschäftigte Fahrer aus der Ukraine stammen. Das Gros dieser Lkw-Fahrer kann oder will seinem Beruf in der jetzigen Situation nicht mehr nachgehen. Entweder, weil die Männer im Rahmen der von Präsident Selenskyj angeordneten allgemeinen Mobilmachung zur Verteidigung ihres Heimatlandes einberufen wurden oder zurückkehren, um ihre Familien zu unterstützen und in Sicherheit zu bringen.

Klaus Meyer, Vorsitzender der Fachkommission Logistik und Mobilität im BVMW, warnte: „Wir reden hier von geschätzt 100.000 ukrainischen Fahrern, die sich aktuell allein in Polen aufhalten und den Transportunternehmen schon bald nicht mehr zur Verfügung stehen könnten. Das käme einem Aderlass gleich, der sich kaum kompensieren ließe.“

Auf Anfrage berichtete auch der Bundesverband Güterverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) von der aktuellen Situation beim Lkw-Transport:

„Aktuell fehlen allein in Deutschland zwischen 60.000 und 80.000 Berufskraftfahrer, mit deutlich steigender Tendenz“, teilte der BGL mit. „Durch fehlende Personal- und Fahrzeugreserven können die Transportabläufe relativ schnell aus dem Gleichgewicht geraten, so auch durch den Krieg in der Ukraine. Es erreichen uns erste Meldungen von Transportunternehmen, die ihre Kunden auf mögliche vereinzelte Lieferausfälle oder -verzögerungen hinweisen.“ Welche Größenordnung die Auswirkungen auf die Versorgung und die Lieferketten letztendlich haben, hänge aber maßgeblich von den Entwicklungen der nächsten Tage und Wochen in der Ukraine ab und könne zur Zeit noch nicht eingeschätzt werden.

„Es wird wohl zu Engpässen kommen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesvereinigung Logistik (BVL), Professor Dr. Thomas Wimmer, auf eine Anfrage von LOGISTIK HEUTE. „Britische Verhältnisse oder tatsächliche Versorgungsengpässe sehen wir insbesondere im B-to-C-Business definitiv nicht auf uns zukommen“, meinte Wimmer. „Natürlich fehlen die ukrainischen und weißrussischen Fahrer und auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der physischen Logistik. Das betrifft die Bereiche Lagerung, Kommissionierung und Warenumschlag.“

Alle anderen osteuropäischen Fahrer wie Polen, Bulgaren, Rumänen, Tschechen, Slowaken und so weiter seien ja noch überwiegend da. Insofern werde sich der Fahrermangel zwar nicht bessern, aber auch nicht so dramatisch zunehmen, dass die Versorgung gefährdet ist.

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