Übernahme: SAP kauft Anteile des Working-Capital-Anbieters Taulia

Der Software-Spezialist möchte mit der Transaktion seinen Kunden eine bessere Finanzierung von Lieferketten ermöglichen.

Der IT-Konzern SAP hat an dem Working-Capital-Anbieter Taulia die Mehrheit übernommen. (Symbolbild: Peshkova/Fotolai)
Der IT-Konzern SAP hat an dem Working-Capital-Anbieter Taulia die Mehrheit übernommen. (Symbolbild: Peshkova/Fotolai)
Sandra Lehmann

Der Softwarekonzern SAP SE hat Ende Januar seine Absicht bekannt gegeben, einen Mehrheitsanteil von Taulia zu übernehmen, einem Anbieter von Working Capital Management-Lösungen. SAP verfolge damit das Ziel, seinen Kunden besseren Zugang zu Liquidität zu ermöglichen und ihre Cash-Flow-Situation zu verbessern. Mit der Übernahme erweitert SAP nach Eigenangaben sein Geschäftsnetzwerk und verstärkt sein Portfolio für CFO-Lösungen.

Lieferanten schneller bezahlen

Taulia soll als ein eigenständiges Unternehmen innerhalb der SAP Gruppe geführt werden, Cédric Bru bleibt CEO von Taulia, SAP CFO Luka Mucic wird Vorsitzender des Verwaltungsrats. Taulia biete Lösungen, mit denen Lieferanten schnell für ihre Lieferungen bezahlt werden könnten. Diese basierten auf Supply Chain Finance, dynamischer Diskontierung und der Finanzierung von Forderungen. Schwierige wirtschaftliche Bedingungen und Unterbrechungen von Lieferketten haben die Nachfrage nach Lösungen für die rasche Bezahlung von Lieferanten deutlich erhöht, so SAP in einer Pressemeldung. Deshalb verzeichne der Markt für Working Capital Management hat ein starkes Wachstum.

„Taulia stärkt unser Portfolio und schafft einen Mehrwert, der für jedes Unternehmen wichtig ist: finanzielle Flexibilität und Stabilität. Damit trägt Taulia dazu bei, Lieferketten widerstandsfähiger zu machen“, erläutert Luka Mucic. „Durch die Übernahme sind wir gut positioniert, ein führender Anbieter im Bereich Working Capital Management zu werden. Die ausgeprägte Expertise von Taulia im Bereich Working Capital Management, kombiniert mit dem breiten CFO-Lösungsportfolio von SAP und der Integration in unsere Kern-Geschäftssoftware und unsere Business Network-Lösungen, bietet enormes Potenzial. Wir werden diese Fähigkeiten skalieren, und Unternehmen dabei helfen, ihre Finanzlage zu verbessern und Wachstumschancen zu nutzen.“

Taulia sei darüber ein wichtiger SAP-Partner mit bewährter Integration in SAP-Lösungen. Mehr als 80 Prozent des Kundenstamms betrieben ein SAP-ERP-System, darunter Unternehmen wie Airbus, Nissan und AstraZeneca. SAP plant eigenen Aussagen zufolge die Integration mit Taulia zu verstärken, sowohl für das SAP Business Network als auch für die CFO-Lösungssuite. Taulia solle zum Kern des SAP-Working Capital Management-Portfolios werden. Die Lösungen des Anbieters werden auch weiterhin eigenständig verfügbar sein, so dass auch Nicht-SAP-Kunden wie bisher Taulia-Lösungen nutzen können.

„Ich freue mich über die Kombination mit SAP und ihrem Ökosystem, um mehr Unternehmen zu bedienen und zur Vision von SAP beizutragen“, so Cédric Bru. „Freie Mittel sind der Sauerstoff, den Unternehmen in schwierigen Wirtschaftszyklen und Wachstumsphasen zum Atmen brauchen. Die Zusammenarbeit mit SAP trägt dazu bei, die Mission von Taulia zu beschleunigen, Unternehmen durch die Freisetzung von Liquidität, die in Lieferketten steckt, zum Erfolg zu verhelfen.“

Während SAP eine Kontrollmehrheit an Taulia erwirbt, bleibe die bestehende Beziehung zwischen J.P. Morgan und Taulia unverändert. Die Bank werde ihre strategische Allianz weiterführen und ihre Kapitalbeteiligung an dem Fintech-Unternehmen beibehalten.

Bereich Finanzdienstleistungen ausbauen

SAP wird nach eigenen Angaben weitere Finanzinstitutionen einladen, das Working Capital Management-Geschäft ihrer Kunden auf der Plattform zu betreiben. Die Aufstellung von Taulia als eigenständiges Unternehmen biete die Flexibilität, weitere strategische Bankpartner zu gewinnen und ebenfalls Anteilseigner von Taulia zu werden, wobei SAP langfristig der Mehrheitseigentümer bleiben soll. Der Schritt solle auch dem SAP-Ökosystem zugutekommen: Als Lieferanten könnten SAP-Kunden ihre Liquidität durch frühzeitige Zahlungsoptionen mit vorhersehbarer außerbilanzieller Finanzierung verbessern. Als Käufer könnten sie die Zahlungsfristen voll ausschöpfen und gleichzeitig ihre Beziehungen zu ihren Lieferanten stärken. Geldgeber, wie etwa Banken, können attraktive Investitionsmöglichkeiten in die kurzfristige Finanzierung großer, kreditwürdiger Unternehmen wahrnehmen. SAP beabsichtigt, das Angebot an Finanzdienstleistungen für Banken und Versicherungen auszubauen und in ihre Lösungen und Plattformen einzubetten.

Zu den finanziellen Details der Transaktion haben SAP und Taulia Stillschweigen vereinbart.

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