Transportlogistik: Produktionskapazitäten von AdBlue-Vorprodukt Harnstoff werden reduziert

Die produzierte Menge von den AdBlue-Vorprodukten Ammoniak und Harnstoff verringert sich, da mehrere Firmen aufgrund steigender Gaspreise ihre Produktion drosseln. Der BWVL fordert deshalb, dass die Stakeholder der Transportbranche eine Lösung für die Diesel-Lkw finden.

Yara International hat seine Produktionskapazitäten für AdBlue aufgrund hoher Gaspreise reduziert. (Bild: Yara International)
Yara International hat seine Produktionskapazitäten für AdBlue aufgrund hoher Gaspreise reduziert. (Bild: Yara International)
Gunnar Knüpffer

Einer der führenden „AdBlue“-Hersteller, Yara International, drosselt seine Produktion in den Werken Ferrara (Italien) und Le Havre (Frankreich) wegen Rekordpreisen beim Erdgas. Das teilte das norwegische Unternehmen am 9. März in einer Presseaussendung mit. Die beiden Anlagen haben zusammen eine Jahreskapazität von einer Million Tonnen Ammoniak und 0,9 Millionen Tonnen Harnstoff. Unter Berücksichtigung von Optimierungs- und Wartungsarbeiten in anderen Produktionsanlagen werde die europäische Ammoniak- und Harnstoffproduktion von Yara in den Tagen nach dem 9. März voraussichtlich nur etwa 45 Prozent der bisherigen Kapazität betragen.

Das russische Handelsministerium forderte zudem die nationalen Hersteller von Düngemitteln auf, ihre Produkte sowie Vorprodukte wie Harnstoff und Ammoniak vorläufig nicht zu exportieren, da in den Häfen aufgrund der Sanktionen nicht genügend Frachtkapazitäten zur Verfügung ständen. Russland ist ein wichtiger Lieferant von Ammoniak und Harnstoff.

Harnstoff wird benötigt, um das Additiv AdBlue herzustellen, das zum Beispiel für mit Diesel betriebene Lkw genutzt wird. Harnstoff wird produziert durch eine Synthese von Ammoniak, Luft und Wasser. Und zur Herstellung von Ammoniak wird in der Regel Erdgas verwendet, dessen Preis derzeit steigt. Deshalb verringerte BASF schon die Ammoniak-Produktion.

Laut der Preisagentur Argusmedia legen einige Endverbraucher bereits Vorräte an AdBlue an. Viele Marktteilnehmer gehen demnach davon aus, dass die Verfügbarkeit von AdBlue abnehmen wird, weil Produktionsanlagen für das Additiv heruntergefahren werden. So würden auch Produktionsanlagen für AdBlue in Husain (Kroatien) und Police (Polen) ihre Kapazitäten reduzieren. Großhändler haben einem Kommentar der Preisagentur zufolge bereits auf den Nachfrageanstieg reagiert und nur limitiert Ware abgegeben, wobei sie das Preisniveau schon auf das für die nächste Woche prognostizierte Level angehoben hätten.

Aufgrund dieser Situation fordert der Bundesverband Wirtschaft, Verkehr und Logistik (BWVL) von der Politik, dass sie sich mit der möglichen Verknappung von AdBlue beschäftigt.

„Es sinnvoll, wenn sich alle Stakeholder aus der Transportbranche zusammensetzen und über mögliche Lösungen sprechen“, sagte Markus Olligschläger, Hauptgeschäftsführer beim BWVL, gegenüber LOGISTIK HEUTE. Dabei könne es um Vergünstigungen bei den Energiekosten, technische Veränderungen rund um den Einsatz von AdBlue und um rechtliche Rahmenbedingungen gehen. Denn laut Olligschläger ist die Situation bei der Diskussion um AdBlue anders als vor einem Jahr: „Wirtschaftliche Schäden drohen bereits durch viele andere Folgen des Ukrainekriegs und die damit verbundenen Sanktionen.“

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