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Transport und Logistik: Wohin führt der Brexit?

Folgen sind noch kaum spürbar, aber es gibt Verunsicherung.
Die Folgen des Brexits sind noch nicht abschätzbar. (Bild: Fotolia/Eisenhans)
Die Folgen des Brexits sind noch nicht abschätzbar. (Bild: Fotolia/Eisenhans)
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László Dobos

Die Scheidungspapiere sind nun eingereicht. Das Vereinigte Königreich hat am 29. März, neun Monate nach dem Brexit-Referendum, offiziell den Austritt aus der Europäischen Union beantragt. In den folgenden zwei Jahren müssen nun die beiden Seiten die Bedingungen für den Brexit aushandeln. Welche Folgen dieser Prozess für den Bereich Logistik und Supply Chain Management haben wird, ist allerdings immer noch unklar.

Widersprüchliche Signale der britischen Regierung

Mitte März sprach der britische Außenminister Boris Johnson noch völlig unbekümmert davon, dass ein Scheitern der Verhandlungen „vollkommen okay“ wäre. Ein solcher Ausgang würde den Rückfall auf die Regeln der Welthandelsorganisation beim Handel zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU bedeuten. Das würde Zölle zwischen den Handelspartnern bedeuten. Ein paar Tage später schlug ein ranghoher Regierungsvertreter bei einer Konferenz des Transport- und Logistikverbandes Freight Transport Association (FTA) in London versöhnliche Töne an. Das Ziel sei, in den Verhandlungen „den größten möglichen Zugang zum europäischen Markt“ zu erreichen. Im Austrittsantrag Ende März äußerte Premierministerin Theresa May schon den Wunsch nach einer „tiefen und besonderen Partnerschaft“ mit der EU. Und ihre neuesten Äußerungen deuten darauf hin, dass sie bei einem der kontroversesten Themen, der Freizügigkeit von EU-Bürgern, dem Staatenbund entgegenkommen will. Das vorherrschende Gefühl in der Wirtschaft ist allerdings nach wie vor die Verunsicherung.

Große Verunsicherung

Das war zum Beispiel auf einer Vorveranstaltung der Konferenz Cool Logistics Global in London zum Thema Brexit zu hören. Der Gründer der Unternehmensberatung Chiron Risk, Garry Honey, fasste seine Einschätzung über den Austritt so zusammen: „Die einzige Sicherheit ist die Unsicherheit.“ Auch der Strategiechef von TIP Trailer Services, Mathijs Slangen, bewertete auf der Veranstaltung die Situation ähnlich. Ihm zufolge ist es schwierig, die Konsequenzen des Brexits vorherzusehen. Der Chef des Hafenverbands British Port Association, Richard Ballantyne, befürchtete auf einer anderen Konferenz erhebliche Verzögerungen in britischen Häfen, sollten Zollprüfungen für Verkehre in Richtung EU nötig werden.

Deutsche Manager bleiben cool

Deutsche Manager gaben sich in den vergangenen Tagen eher cool. Der Vorstandsvorsitzende der Lufthansa Cargo AG, Peter Gerber, sagte bei einem Pressegespräch Ende März, dass der Brexit keinen großen Effekt für das Unternehmen haben dürfte. Dafür sei das Warenvolumen, das Lufthansa Cargo zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland transportiere, schlicht zu klein. Damit bestätigt Gerber die Erkenntnisse einer Studie der Hochschule Würzburg aus dem Sommer 2016, wonach das Vereinigte Königreich nur einer der kleineren Handelspartner Deutschlands sei.

Deutsche Post blickt Brexit gelassen entgegen

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post AG, Frank Appel, rechnet auch nicht mit „dramatischen ökonomischen Konsequenzen durch den Brexit“. In einem Interview, das er vor Kurzem dem Handelsblatt gab, sprach er davon, dass er eine liberale Wirtschaftspolitik mit niedrigen Steuern und einem offenen Arbeitsmarkt in Großbritannien erwarte. Außerdem sei das derzeit schwache Pfund ein Konjunkturprogramm für das Land. Im Gegensatz zu Lufthansa Cargo hat die Deutsche Post im Inselland einiges zu verlieren. Sie erzielt nach Schätzungen von Warburg Research zwölf Prozent ihres Umsatzes von 57 Milliarden Euro (2016) auf der Insel. Seit 2005 hat sie laut Handelsblatt Firmen im Wert von sechs Milliarden Euro im Königreich übernommen.

Häfen merken noch nichts

Häfen scheinen vom bevorstehenden Brexit bisher nichts zu spüren. So vermeldete der Hafen Rotterdam, dass das umgesetzte Warenvolumen Richtung Vereinigtes Königreich von 2015 auf 2016 um 1,1 Prozent gestiegen sei; und das, obwohl der Umschlag in Rotterdam insgesamt zurückging. Der Hafen Duisburg vermeldete kürzlich Rekordzahlen. Die Vorsitzende des Hamburger Hafenunternehmens HHLA, Angela Titzrath, sprach darüber, dass der Austritt des Vereinigten Königreiches erst die Zukunft beeinflusse. „Wegen der geopolitischen Unsicherheiten haben wir keine Planungssicherheit“, sagte sie und meinte damit den Brexit, die Politik des US-Präsidenten Trump und den Ukraine-Konflikt.

Verbindungen nach Irland könnten zunehmen

In der Schifffahrt könnte es eine gewisse Verschiebung nach Irland geben. Der Irland-Chef der Reederei Maersk Line, Simon Smith, erklärte, dass irische Güter häufig über Häfen in England nach Kontinentaleuropa gelangten. Wegen des Brexits werde es nun sicherlich Überlegungen für mehr Direktverbindungen zwischen Irland und Kontinentaleuropa geben.

Was die Luftfahrt anbelangt, könnte Großbritannien Experten zufolge den Zugang zum gemeinsamen europäischen Luftraum (ECAA) verlieren, was die Beförderung von Luftfracht erschweren könnte.

Der Brexit und der Onlinehandel

Inwiefern der Brexit den E-Commerce betrifft, bleibt unklar. Der Immobiliendienstleister Savills mit Hauptsitz in London rechnet jedenfalls damit, dass in Europa und Großbritannien insgesamt der grenzüberschreitende Onlinehandel jährlich um 25 Prozent wachsen wird. Nicht alle Marktteilnehmer sind so optimistisch. So hat die englische E-Commerce-Firma Convar den Bau eines Logistikzentrums in Pirmasens wegen der Unklarheiten um den Brexit ausgesetzt (LOGISTIKHEUTEberichtete).

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