Transport: Tirol fordert Tempo beim Brenner-Ausbau

(dpa/lby) Das österreichische Bundesland möchte, dass die Planung des Eisenbahnzubringers schneller vorangetrieben wird und außerdem die Lkw-Maut in Bayern erhöht wird. 

Ein Protestschild mit der Aufschrift «Brenner Nordzulauf - Der gelbe Tod für unsere Heimat» einer Bürgerinitiative steht auf einer Wiese der geplanten Bahntrasse. Zwanzig Jahre nach der Vertragsunterzeichnung zum Bau des Brennerbasistunnels gibt es auf deutscher Seite noch nicht einmal eine fertige Planung für die Zuleitung zum längsten europäischen Eisenbahntunnel. Foto: Uwe Lein/dpa
Ein Protestschild mit der Aufschrift «Brenner Nordzulauf - Der gelbe Tod für unsere Heimat» einer Bürgerinitiative steht auf einer Wiese der geplanten Bahntrasse. Zwanzig Jahre nach der Vertragsunterzeichnung zum Bau des Brennerbasistunnels gibt es auf deutscher Seite noch nicht einmal eine fertige Planung für die Zuleitung zum längsten europäischen Eisenbahntunnel. Foto: Uwe Lein/dpa
Sandra Lehmann
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Tirol fordert wegen des immensen Verkehrs auf der Brennerautobahn eine höhere Lkw-Maut in Bayern und schnelleres Tempo bei der Planung des Eisenbahn-Zubringers zum Brennerbasistunnel im Inntal.

«Wenn wir am größten Infrastrukturprojekt Europas arbeiten, muss auch Deutschland seinen zugesicherten Beitrag leisten, und den Schienenausbau vorantreiben», sagte Verkehrslandesrat René Zumtobel.

«Tirol hat beim Bau der Unterinntaltrasse jedenfalls wertvolle Erfahrungen gesammelt, die wir gerne teilen.»

2,4 Millionen Lkw 2023

Die Tiroler Bevölkerung leidet seit Jahren unter dem Transitverkehr. 2023 passierten 14,4 Millionen Autos, Lastwagen und Motorräder die Mautstelle Schönberg auf der Brennerautobahn. Darunter waren 2,4 Millionen Lkw, doppelt so viele wie Ende der 1990er Jahre. Der 55 Kilometer lange Brennerbasistunnel soll 2032 in Betrieb gehen und Entlastung bringen. Um die volle Kapazität nutzen zu können, müssen aber auch die Zulaufstrecken ausgebaut werden. Italien und Österreich haben die Planung längst abgeschlossen, in Tirol ist ein Teilstück bereits in Betrieb, in Italien haben die Bauarbeiten begonnen. 

Trassenentscheidung soll erst 2025 fallen

In Deutschland hingegen ist die Trasse noch nicht beschlossen, 2025 soll der Bundestag entscheiden. Der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte 2017 protestierenden Bürgern im bayerischen Inntal eine neue Bedarfsprüfung zugesagt, in München stellte die CSU/Freie Wähler-Koalition 2018 die Notwendigkeit der Trasse in Frage - eine Position, die beide Parteien mittlerweile wieder geräumt haben. 

«Die Vorteile dieses Ausbaus erleben wir bereits auf dem 40 Kilometer langen, abgeschlossenen Abschnitt: schnellere Verbindungen, Kapazitätssteigerungen für den Personen- wie auch den Güterverkehr und erheblich weniger Lärmbelästigung für die Bevölkerung», sagte Zumtobel.

«Ich hoffe, dass diese Vorteile auch im benachbarten Bayern wahrgenommen werden und dass es nach der Trassenempfehlung nun endlich auch zu einem politischen Bekenntnis für die Zulaufstrecken im deutschen Bundestag kommt.»

Höhere Lkw-Maut gefordert

Unterdessen forderte Zumtobel eine höhere Lkw-Maut auf der bayerischen Inntal-Autobahn, um die Verkehrsflut am Brenner abzumildern.

«Viele Lkw, die den Brenner nutzen, fahren zusätzliche Mehrwege beziehungsweise Umwege.»

Die Hauptursache dieses Umwegverkehrs sei die günstige Lkw-Maut zwischen München und Verona. 

«So ist etwa die Lkw-Maut am Brennerkorridor fast dreimal so günstig wie in der Schweiz. Während sie auf dem circa 110 Kilometer langen österreichischen Streckenabschnitt aber durchschnittlich zumindest annähernd auf Schweizer Niveau liegt, ist die Maut auf dem deutschen bzw. italienischen Abschnitt – der drei Mal länger ist – weit unter dem Schweizer Tarif», kritisierte der österreichische Sozialdemokrat.

«Eine Korridormaut kann nur durch einen Schulterschluss aller drei betroffenen Staaten funktionieren. Eine Erhöhung der Mautgebühren müsste zu einem vergleichbaren Tarif wie durch die Schweiz angesetzt werden, damit sich Umwegverkehre über den Brenner nicht mehr lohnen, die Schiene als Transportalternative wettbewerbsfähig und die Verlagerung für die Frächter attraktiv wird.»