transport logistic Online 2021: Was KI kann – und was nicht

Eine interaktive Diskussionsrunde von LOGISTIK HEUTE beleuchtete Potenziale und Fallstricke von KI-Projekten im Logistik-Umfeld.

Wie geht man ein KI-Projekt am besten an? Eines der Themen auf dem interaktiven LOGISTIK HEUTE-Panel auf der transport logistic 2021 Online. (Foto: Ktsdesign / Adobe Stock)
Wie geht man ein KI-Projekt am besten an? Eines der Themen auf dem interaktiven LOGISTIK HEUTE-Panel auf der transport logistic 2021 Online. (Foto: Ktsdesign / Adobe Stock)
Therese Meitinger

KI könnte in zahlreichen Bereichen der Logistik neue Maßstäbe setzen. „Künstliche Intelligenz: Chancen für Transport und Logistik“ war entsprechend auch eine virtuelle, interaktive Diskussionsrunde überschrieben, die LOGISTIK HEUTE-Chefredakteur Matthias Pieringer am 6. Mai im Rahmen der transport logistic Online 2021 moderierte. Arian Storch, Geschäftsführer der Kölner Evy Solutions GmbH, und Martin Friedrich, Senior Scientist in der Abteilung Verkehrslogistik am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, steuerten die Perspektiven eines Software-Unternehmens und der Wissenschaft bei.    

Zu Beginn der Veranstaltung berichtete Martin Friedrich in einem Impulsvortrag, dass die Logistik für den Durchbruch von KI-Technologien geradezu prädestiniert sei: Hoher Effizienz- und Wettbewerbsdruck treffe hier auf eine gute Datenbasis und ausgeprägte technische Vorkenntnisse.  Anwendungsfelder sieht er vor allem bei repetitiven Aufgaben und der Analyse großer Datenmengen – sowie perspektivisch auch im Autonomen Fahren, wo die technischen Voraussetzungen in allen Verkehrsträgern bereits weit fortgeschritten seien. In der Intralogistik sei die autonome Steuerung bei Flurförderzeugen aufgrund der geringen gesetzlichen Regelungen in einigen Bereichen bereits Realität, so Friedrich.

Doch bei allem technischen Fortschritt gelte es auch, die menschliche Komponente von KI-Projekten nicht zu vergessen, unterstrich Friedrich:

„Oft muss man der Befürchtung von Mitarbeitern entgegensteuern, KI könne ihre berufliche Existenz bedrohen. Hier ist es wichtig, die betroffenen Menschen früh in Planungsprozesse einzubinden.“

Vorsicht vor zu hohen Erwartungen an KI

Arian Storch gab Einblicke in seine Erfahrungen aus den KI-Projekten von Evy Solutions zum automatisierten Dokumentenmanagement. Aufwendig seien diese oft schon vor der Entwicklung smarter Algorithmen: Oft passe die Datenqualität nicht oder der Kunde habe die Daten, die er bräuchte, nicht. Hier gelte es, Grundlagenarbeit zu leisten:

„Der, der die Daten liefert, und der, der sie entgegennimmt, sollten dieselbe Sprache sprechen“, so Storch. „In der Logistik gibt es eine verwirrende Vielzahl von Formaten – und wenn Scans verdreht sind oder handschriftliche Notizen auf dem Papier sind, gerät KI schnell an ihre Grenzen.“

Storch wie Friedrich warnten beide vor übertriebenen Erwartungen an Künstliche Intelligenz. Algorithmen könnten nur mit dem arbeiten, was sie vorfänden oder gelernt hätten.

Doch wie am besten bei einem konkreten KI-Projekt vorgehen? Storch empfiehlt hier einen zweistufigen Prozess: Zunächst gelte es, das kleinstmögliche Ziel zu finden, das den größtmöglichen Benefit biete. „Stufe 2 ist dann die Prozessänderung hinter dem KI-Tool, also das Change Management“, erläuterte Arian Storch. Man müsse stets den Prozess als Ganzes im Blick behalten.

Martin Friedrichs Rat in Sachen KI-Projekte fiel kompakt aus:

„Einfach trauen, sobald man eine konkrete Idee dahinter hat.“   

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