Transitzeiten: Reedereien Maersk, Hapag-Lloyd, MSC und CMA CGM meiden nach Angriffen Rotes Meer

Nachdem Houthi-Rebellen mehrere Containerschiffe in der Meerenge von Bab al-Mandeb angegriffen haben, leiteten die Reedereien Maersk, Hapag-Lloyd und MSC alle Schiffe um. Die Transitzeiten auf Routen, die normalerweise den Suezkanal nutzen, könnten sich laut Project44 um mindestens sieben bis zehn Tage verlängern.

Die große Reedereien Maersk, Hapag-Lloyd, MSC und CMA CGM haben ihre Schiffe umgeleitet, nachdem es Angriffe in der Straße von Bab al-Mandeb gab. Hier zu sehen ist ein Mottobild. (Bild: AdobeStock, kalyakan)
Die große Reedereien Maersk, Hapag-Lloyd, MSC und CMA CGM haben ihre Schiffe umgeleitet, nachdem es Angriffe in der Straße von Bab al-Mandeb gab. Hier zu sehen ist ein Mottobild. (Bild: AdobeStock, kalyakan)
Gunnar Knüpffer

Die Houthi-Rebellen im Jemen greifen Container-Schiffe in der Straße von Bab al-Mandeb mit Raketen und Drohnen an. Bislang wurden das Hapag-Lloyd-Schiff Al-Jasrah und das MSC-Schiff MSC Palatium III getroffen, teilte die Plattform für Verlader und Logistikdienstleister Project44 am 18. Dezember in einer Presseaussendung mit. Verletzt wurde demnach bislang niemand. Am 14. Dezember entging das Maersk-Schiff Gibraltar nur knapp einem Raketenangriff. Die USA, Ägypten und das Vereinigte Königreich berichten, dass sie Drohnen der Houthi abgefangen haben. Das deutet auf laufende Angriffsversuche hin. Die große Reedereien Maersk, Hapag-Lloyd, MSC und CMA CGM leiten daraufhin ihre Schiffe um, um die Region zu umgehen. Project44 erwartet, dass auch andere Reedereien diesem Beispiel folgen werden.

Das Rote Meer wird von den Reedereien gemieden, trotzdem befinden sich derzeit noch Schiffe in dem betroffenen Gebiet. Die Karte „Containerschiffe in der Nähe der Straße von Bab al-Mandeb“ zeigt die Position der Containerschiffe in der Region am 16. Dezember 2023. Etwa 40 Schiffe befinden sich in unmittelbarer Nähe der Meerenge, etwas über 100 in der weiteren Umgebung. Diese Schiffe sind dem Risiko ausgesetzt, von der Houthi-Gruppe angegriffen zu werden. Verschiedene Länder, darunter auch die USA, haben jedoch ihre militärische Präsenz in der Region verstärkt, um weiteren Angriffsversuchen auf Schiffe entgegenzuwirken.

Zu den erwarteten Auswirkungen der Anschläge gehören laut der Plattform:

  • Verlängerte Transitzeiten
  • Unterbrechungen der globalen Ölversorgung
  • Probleme mit Lagerbeständen 

1. Erhöhte Transitzeiten

Das oben abgebildete Diagramm „Container-Transitverkehr auf den wichtigsten Routen über das Rote Meer“ zeigt die durchschnittliche Transitzeit für Container, die durch den Suezkanal geleitet werden. 

Dazu zählen folgende Strecken:

  • Europa nach Südostasien
  • Naher Osten nach Europa
  • Naher Osten nach US-Ostküste
  • Südostasien nach US-Ostküste
  • US-Ostküste nach Europa

Seit 2021 haben sich die Transitzeiten durch den Suezkanal insgesamt verkürzt, da sich die Lieferketten von Covid-19 erholen. Insbesondere die Strecke Südostasien zur Ostküste der Vereinigten Staaten hat sich um fast 20 Tage reduziert. Im November stieg die Transitzeit im Vergleich zum September um 6 Prozent, was laut Project44 auf den Konflikt zwischen Israel und Gaza zurückzuführen ist. Die Angriffe der Houthi würden zu einer weiteren Erhöhung beitragen.

Bei anhaltenden Konflikten sei mit einem Anstieg der Transitzeiten für alle oben genannten Verkehrswege zu rechnen. Ohne die Nutzung des Suezkanals werden diese Verkehrsträger auf alternative Routen ausweichen müssen. Container in Richtung Westen müssen nun eine Route um Afrika nehmen, was zu einer Verlängerung der Transitzeit um sieben bis 14 Tage führt. Die Umleitung von Schiffen nach Osten ist zwar potenziell schneller für die Fahrten zur Ostküste der Vereinigten Staaten, führt aber zu Verzögerungen im Panamakanal, der nach wie vor mit anhaltenden Problemen durch Trockenheit und Wasserversorgung zu kämpfen hat. Dessen Kapazität ist derzeit bereits um 30 Prozent reduziert, wobei weitere Einschränkungen geplant sind. Außerdem wird für diese Routen zusätzlicher Treibstoff benötigt, was die Kosten der Seeschifffahrt erhöht.

2. Auswirkung auf die Ölversorgung

Durch den Suezkanal erfolgt der Transport verschiedenster Güter. Daher werden sich die Auswirkungen nicht auf einen spezifischen Sektor beschränken. Das bedeutendste Gut aus dieser Region ist jedoch Öl. Im Jahr 2022 belief sich der tägliche Export von Öl aus dem Nahen Osten auf 15,4 Millionen Fässer. Bei fortgesetzten Konflikten ist laut Project44 mit erheblichen Beeinträchtigungen in der Ölversorgung zu rechnen. Trotz des Trends zur Abkehr von fossilen Brennstoffen wird Öl weltweit immer noch in großem Umfang verwendet. Dies wird vermutlich zu einem Preisanstieg führen. Der Straßenverkehr ist weltweit der größte Erdölverbraucher, weshalb mit höheren Transportkosten und höheren Preisen für die Betankung von Privatfahrzeugen zu rechnen ist.

3. Nachgelagerte Bestandsprobleme

Eine weitere potenzielle Folge könnte ein Mangel an verfügbaren Artikeln sein. Die zusätzliche Vorlaufzeit, die diese Lieferungen aufgrund der unvorhersehbaren Ereignisse benötigen werden, war bei der Planung der Bestände durch Einzelhändler nicht berücksichtigt. Nach der Hochsaison über die Feiertage besteht die Möglichkeit, dass die Lagerbestände erschöpft sind. Es ist wichtig zu betonen, dass dies voraussichtlich keine Auswirkungen auf das Weihnachtsgeschäft haben wird und stattdessen ab Februar spürbar werden könnte.