Teleoperation: DB Schenker testet mit Fernride hoch automatisierte Hoflogistik

DB Schenker steigt bei dem Start-up Fernride als Investor ein und nutzt dessen Technik für den Einsatz eines teleoperierten Trucks in einem Lagerhaus in der Niederlanden.

DB Schenker investiert in das Start-up Fernride und setzt die Technologie der Teleoperation bei einem Pilotprojekt im niederländischen Tilburg ein. (Bild: Fernride)
DB Schenker investiert in das Start-up Fernride und setzt die Technologie der Teleoperation bei einem Pilotprojekt im niederländischen Tilburg ein. (Bild: Fernride)
Gunnar Knüpffer
(erschienen bei Transport von Nadine Bradl)

Der Logistikdienstleister DB Schenker investiert in das Start-up Fernride, Plattform für autonome Logistik, und startet sogleich ein Pilotprojekt für hoch automatisierte und elektrische Hoflogistik in Tilburg, Niederlande. Ein teleoperierter Truck wird in das Tagesgeschäft eines Lagerhauses integriert, teilte Fernride am 15. November in einer Presseaussendung mit. Fernrides Teleoperation-first-Ansatz unterstützt die Integration autonomer Technologien in die Logistik von DB Schenker.

Schenker Ventures investiert 

Der Ansatz der schrittweisen Autonomie kombiniert laut Fernride die Vorteile von menschlichen Fähigkeiten und Automatisierung in einem Konzept, das unmittelbar spürbaren Mehrwert bietet. Da das System bereits heute bei namhaften Kunden im Einsatz sei, verfüge Fernride über vielfältige Datensätze, die sich auf den Betrieb in Logisitk-Hubs und Edge Cases beziehen. Die Lösung über Teleoperation könne kundenorientiert und individuell entwickelt werden, während schrittweise autonome Funktionen hinzugefügt werden, um die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Anwendungsbereiche zu verbessern.

Der Wettbewerbsvorteil von Fernride auf dem Markt für autonomes Fahren liegt in seiner aktuellen Verfügbarkeit. Es ist jedoch mehr als nur eine Brückentechnologie. Die exzellente Leistung der Teleoperation ermöglicht die Anwendung autonomer Technologien in der Logistik, indem sie technologische, rechtliche und sicherheitstechnische Herausforderungen löst, sagte Paulina Banszerus, Head of Venture Capital bei Schenker Ventures.

Neben Kapital ermöglicht Schenker Ventures dem neuen Portfoliounternehmen auch Zugang zu den Ressourcen des Mutterkonzerns.

Teleoperierter Truck im Betrieb in Tilburg

Das Pilotprojekt wird gelauncht, um die Betriebssicherheit der Technologie zu bewerten und gemeinsam zukünftige Geschäftsmöglichkeiten zu validieren, heißt es in der Pressemitteilung. Ein ferngesteuerter Truck wird in das Tagesgeschäft eines der modernsten Distributionscenter Europas integriert. Die Fernsteuerung der Lkw kann dabei die Flexibilität und Sicherheit des Arbeitsplatzes der FahrerInnen erhöhen.

„DB Schenker ist in der Branche führend bei der Förderung von Innovation, Nachhaltigkeit und Automatisierung. Wir freuen uns nicht nur über das Pilotprojekt, sondern auch über weitere gemeinsame Geschäftsmöglichkeiten in der Zukunft. Diese Partnerschaft wird es uns ermöglichen, den autonomen, elektrischen Lkw-Verkehr gemeinsam schnell zu skalieren," sagte Hendrik Kramer, CEO von Fernride.

„Die Partnerschaft mit Fernride wird uns helfen, die allgemeinen Anforderungen zu verstehen, um unsere Distributionscenter  auf ein hohes Maß an Automatisierung einzustellen. Das junge Unternehmen verändert die Art und Weise, wie wir heute unsere Hubs betreiben, indem es die Rolle der Fahrer neu definiert und sie befähigt, anstatt sie zu behindern. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem großartigen Team von Fernride. Es ist eine hervorragende Gelegenheit, voneinander zu lernen", sagte Sebastian Schuhmann, Leiter des globalen Innovationsportfolios bei DB Schenker.

Ferngesteuert unterwegs

Fernride stattet Elektro-Lkw mit verschiedenen Sensoren und Kameras aus. Durch die Kombination der menschlichen Fähigkeiten von Lkw-Fahrern mit ausgereiften und markfähigen autonomen Technologien stellt die Teleoperation – also die Fernsteuerung von automatisierten oder manuellen Fahrzeugen über das Mobilfunknetz – den ersten Schritt auf dem Weg zur vollständigen Autonomie dar. Sie ermöglicht menschlichen Eingriff und die Unterstützung des Fahrzeugs aus der Ferne. Das bedeutet, dass die Lkw-Fahrer Hunderte von Kilometern entfernt an ihrem Schreibtisch sitzen und die Lkw aus der Ferne steuern können. Ein Teleoperator sendet von einem Arbeitsplatz aus mit Hilfe von Gaspedal, Bremse, Lenkrad und Joystick in Echtzeit gezielte Befehle an das Fahrzeug und empfängt in der gleichen Geschwindigkeit alle wichtigen Daten aus dem Fahrzeug – genau so, wie es heute die Fahrer in einer Lkw-Kabine tun. Damit ermöglicht Fernride unter anderem eine Integration von automatisierten Trailer-Shunting in den laufenden Betrieb.

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