Tag der Verpackung: Kreisläufe schließen

Zum siebten Aktionstag des dvi diskutierten Experten über die Kreislauffähigkeit von Primär- und Sekundärverpackungen.

Die Recyclingfähigkeit von Verpackungen stand im Fokus des siebten Tags der Verpackung am 10. Juni 2021. (Symbolbild: 279photo/Fotolia)
Die Recyclingfähigkeit von Verpackungen stand im Fokus des siebten Tags der Verpackung am 10. Juni 2021. (Symbolbild: 279photo/Fotolia)
Sandra Lehmann

Der Tag der Verpackung, der am 10. Juni zum siebten Mal stattfindet, steht 2021 unter dem Motto „Verpackung hilft Menschen, Umwelt und Wirtschaft“. Zum Auftakt des Aktionstages, der die unterschiedlichen Aspekte der Verpackung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen soll, diskutierten im Rahmen eines virtuellen Panels Vertreter aus Politik, Wirtschaft und von Verbänden über die Kreislauffähigkeit und zukünftige Gestaltung von Konsum-, Industrie-, Logistik- und Transportverpackungen. Zur digitalen Diskussionsrunde hatten das Deutsche Verpackungsinstitut (dvi), die Arbeitsgemeinschaft Verpackung + Umwelt e.V. (AGVU) sowie die Initiative Gelbe Tonne (geTon) Florian Pronold, Parlamentarischer Staatssekretär, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU); Uwe Kleinert, Leiter Nachhaltigkeit Coca-Cola Deutschland; Sasha Roth, Referent für Umweltpolitik NABU - Naturschutzbund Deutschland e.V.; Helmut Schmitz, Head of Communications, Duales System Deutschland sowie Andreas Michalsky Senior Development Manager, Huhtamaki Flexible Packaging Europe, geladen.

Luft nach oben

Florian Pronold betonte in seiner Keynote, dass die Kreislauffähigkeit von Verpackungen und der Recyclinganteil durch das Verpackungsgesetz und die Novellierungen der vergangenen Monate deutlich gestiegen seien.

„Handelsketten stellen nun Mindestanforderungen, wenn es um die Nachhaltigkeit von Konsum-, aber auch Transportverpackungen geht. Zudem könnten wir die Recyclingquoten – vor allem beim Kunststoff – um ein Vielfaches steigern“, so Pronold.

Allerdings betonte der Politiker auch, dass es bei der Kreislauffähigkeit, dem Produktdesign und der politischen Umsetzung noch Luft nach oben gebe. So befürwortete Pronold etwa, dass es noch mehr Anreize und Aktionen geben müsse, um Pfandsysteme bei To-go-Verpackungen zu etablieren.

Bereitschaft Verpackung neu zu denken

Eine nie dagewesene Bereitschaft zur Veränderung konnte Andreas Michalsky in den vergangenen Monaten insbesondere unter den Lebensmittelherstellern beobachten.

„Es gab sehr viele Anpassungen in Designfragen, die zu einer höheren Recyclingfähigkeit führen sollen“, sagte der Experte.

Aus seiner Sicht könnten in Deutschland aktuell 70 Prozent der Verpackungen problemlos recycelt werden, weitere 20 Prozent seien leicht umstellbar. Zehn Prozent – etwa aus dem Pharmabereich seien aufgrund ihrer Materialeigenschaften jedoch sehr schwierig in den Wiederverwertungskreislauf einzubringen. Zudem müsse mehr darauf geachtet werden, alle europäischen Länder bei diesem Aspekt ins Boot zu holen, um umweltgerechte Verpackungen leichter ex- und importieren zu können.

 

Aber nicht nur das Sammeln und Sortieren gebrauchter Verpackungen müsse im Fokus stehen, sondern auch die anschließende Umwandlung in wertvolle Rohstoffe, betonte Helmut Schmitz. Dazu müssten Kreisläufe tatsächlich geschlossen und verhindert werden, dass ein Großteil des Abfallstroms in Drittländer exportiert werde.

Noch einen Schritt weiter gehen in Sachen Recycling möchte Uwe Kleinert. Der Leiter Nachhaltigkeit bei Coca-Cola plädierte im Rahmen des Panels dafür, dass Rezyklate aus der Getränkeindustrie ausschließlich wieder dahin zurückfließen.

„Um die Kunststoffrichtlinie zu erfüllen, benötigen wir genügend Material. Gutes Rezyklat ist inzwischen ein beliebter Rohstoff geworden. Deshalb muss garantiert sein, dass auch kleine Getränkehersteller die Quote erfüllen können. Das geht am besten durch sortenreine Kreisläufe.“

Die Festlegung und Erfüllung von Recyclingquoten begrüßt auch Sascha Roth. Allerdings argumentierte der Naturschutzexperte dafür, absolute Ziele in den Fokus zu nehmen. Dazu zähle nicht nur die Wiederverwendung von Materialien, sondern allem voran die Vermeidung unnötiger Verpackungen und Verpackungsabfälle. Dazu denkt der Nabu etwa über den Vorschlag einer Pro-Kopf-Quote für Verpackungsabfälle nach. Verbote hält Roth jedoch für wenig sinnvoll.

„Das führt aus meiner Sicht nur zu sinnfreien Verpackungsalternativen, die mehr schaden als nützen. Wir sehen das momentan an der Schwemme neuer Verbundmaterialien, die schlecht oder gar nicht recycelt werden können, weil die Anlagen für diese Verpackungen nicht geeignet sind“, erläuterte Roth. Sein Ziel ist klar definiert: „Bis 2030 sollen keine Verpackungen mehr auf den Markt kommen, die nicht notwendig oder nicht recyclingfähig sind“.

Beispiele für innovative Verpackungskonzepte konnten Interessierte im Anschluss an das Panel in einer virtuellen Ausstellung auf der Website des dvi begutachten. Offene Fragen zum Nutzen von Verpackungen oder auch zu neuen Materialien sollte die Social-Media-Aktion #Verpackungantwortet klären. Hier konnten Bürger sich bei Experten zum Beispiel erkundigen, ob Graspapier tatsächlich nachhaltig ist oder fragen, warum Joghurtbecher häufig immer noch einen Plastikdeckel haben. Die Fragen und Antworten können unter dem Hashtag auf Twitter und Instagram angesehen werden.