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Supply Chain Management: Zu wenig Investitionen in Risikovorsorge

Laut einer aktuellen Studie haben nur wenige Unternehmen konkrete Notfallmaßnahmen parat.

Um für mehr Sicherheit in der Lieferkette zu sorgen, sollten Unternehmen auch ihre Lieferanten und Sublieferanten im Blick haben. Das sagt eine aktuelle Studie. (Tonefotografia/Fotolia)
Um für mehr Sicherheit in der Lieferkette zu sorgen, sollten Unternehmen auch ihre Lieferanten und Sublieferanten im Blick haben. Das sagt eine aktuelle Studie. (Tonefotografia/Fotolia)
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Sandra Lehmann

Bislang verfügen nur wenige Unternehmen in Deutschland über systematische Maßnahmenpläne für den Fall plötzlicher Unterbrechungen in ihrer Lieferkette, obwohl Versorgungsengpässe regelmäßig Schäden in Millionenhöhe verursachen. Das ist das Ergebnis der Studie „Supply Chain Risk Management – Herausforderungen und Status quo“, die der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) und das Münchner Unternehmen Riskmethods zum zweiten Mal durchgeführt haben. Die Ergebnisse wurden über Onlinefragebögen unter 215 Teilnehmern aus den Bereichen Einkauf und Procurement von August bis Oktober 2018 ermittelt.

Mindestens eine Unterbrechung im Jahr

Laut der Umfrage verzeichnete die Mehrheit der befragten Firmen (77 Prozent) in den vergangenen zwölf Monaten mindestens eine Unterbrechung in der Lieferkette. 37 Prozent der Unternehmen berichten von mehr als fünf Störungen, die den Geschäftsablauf beeinträchtigt haben - eine Steigerung von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Jede fünfte Lieferkettenunterbrechung hatte Schäden von bis zu einer Million Euro und mehr zur Folge. Trotzdem verfügen weiterhin erst 24 Prozent (Vorjahr: 20 Prozent) der Unternehmen über systematische Maßnahmenpläne zur Krisenreaktion.

„Megatrends wie Globalisierung, Digitalisierung oder der War for Talents fordern den Einkauf massiv heraus. Angesichts der immer zahlreicher werdenden politischen Spannungen und Krisenherde rund um den Erdball ist es für das Procurement wichtiger denn je, sein Risikomanagement einem permanenten Stresstest zu unterziehen“, betont BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch. Das habe die aktuelle Studie bewiesen.

Finanzieller Schaden kaum gemessen

Die wenigsten Unternehmen messen laut Riskmethods zudem den finanziellen Schaden, der durch die Unterbrechung der Lieferkette oder den Ausfall eines Lieferanten entsteht. Gerade einmal sieben Prozent nehmen eine strukturierte Bewertung der Auswirkungen eines Schadens auf Umsatz oder Ergebnis vor. Zudem beschränke sich das Risikomonitoring meist auf direkte Lieferanten. Doch immer häufiger würden Störungen von Sublieferanten verursacht. Das meldet den Autoren zufolge mittlerweile jedes zweite Unternehmen, 24 Prozent mehr als im Vorjahr.

„Die heutigen komplexen und vernetzten Supply-Chain-Netzwerke sind besonders verletzlich. Deshalb ist es wichtig, die Lieferkettenstruktur aller Ebenen im Blick zu haben. Doch lediglich 18 Prozent der Befragten überwachen die Sub-Lieferanten“, erklärt Heiko Schwarz, einer der beiden Gründer und Geschäftsführer von Riskmethods.

Andere Ursachen von Störungen liegen bei den eigenen Produktionsstätten (28 Prozent) oder logistischen Knotenpunkten wie Häfen oder Flughäfen (20 Prozent).

Wie man im Rahmen der Studie ebenfalls herausfand, ist die Einführung von Risikomanagement in 53 Prozent der Unternehmen eine Reaktion auf vorausgegangene Störungen in der Lieferkette oder auf regulatorische Anforderungen. Positiv sei, dass es sich bei zwei von drei Unternehmen um eine strategische Entscheidung (62 Prozent) handele. Konkret hieße das: Diese Unternehmen warten nicht mehr ab, bis ein Krisenfall eingetreten ist.

Cyberrisiken nicht im Fokus

Überwiegend erfolgt die Risikoüberwachung im Rahmen der Lieferantenanalyse und -bewertung, so die Autoren. Indikatoren wie Qualität und Performance (88 Prozent) sowie Finanzkennzahlen und Bonitäten (81 Prozent) stünden dabei im Vordergrund. Frühindikatoren und Veränderungen beim Lieferanten, wie zum Beispiel Managementwechsel oder veränderte Wachstumsprognosen, hat dagegen nur die Hälfte der Unternehmen kontinuierlich auf dem Radar. Cyber-Risiken überwachen gerade einmal elf Prozent, heißt es in der Studie.

Chancen bleiben ungenutzt

Darüber hinaus ließen die meisten Unternehmen die Chancen verfügbarer digitaler Risikomanagement-Lösungen ungenutzt. Laut Erhebung überwachen nur 34 Prozent der Unternehmen ihre Risiken automatisiert, 59 Prozent behelfen sich manuell mit Excel-Kalkulationen oder dem Monitoring von Finanzkennzahlen.

Alle Bereiche im Blick behalten

Ein weiteres Manko in Sachen Riskmanagement sei der Fokus auf den Einkaufsbereich, obwohl jeder Teil eines Unternehmens gefährdet wäre, wenn in der Lieferkette etwas schiefgeht. Doch noch wenige Unternehmen nutzen den Wert entsprechender Daten in anderen Bereichen. So sind nur bei zwölf Prozent risikogesteuerte Vergabeentscheidungen im Sourcing möglich, bei lediglich zehn Prozent fließen die Daten in ein Enterprise Risk Management ein.

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