Supply Chain Management: So steigerten Unternehmen 2023 ihre Resilienz

Wie Unternehmen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien durch ihr Supply Chain Management ihre Resilienz erhöht haben, hat das Herchenbach Institute in einer Studie untersucht. Dabei setzten die Firmen vor allem auf eine Verbreiterung ihrer Lieferantenbasis.

80 Prozent der vom Herchenbach Supply Chain Institute befragten Entscheider erwarten durch eine Erweiterung der Lieferantenbasis, dass sich ihre Resilienz steigert. (Bild: AdobeStock, Manoj)
80 Prozent der vom Herchenbach Supply Chain Institute befragten Entscheider erwarten durch eine Erweiterung der Lieferantenbasis, dass sich ihre Resilienz steigert. (Bild: AdobeStock, Manoj)
Gunnar Knüpffer

Die Unternehmen sind im Jahr 2023 deutlich sensibler für Fragen rund um die Sicherheit ihrer Lieferkette geworden. 76 Prozent sind von der Wirksamkeit regelmäßiger Stresstests überzeugt, vor zwei Jahren waren das noch 60 Prozent. Das ergab die Studie „Lieferketten: Unter Druck sicher – Kostenoptimiertes Supply Chain Management zur Resilienzsteigerung“, für die das „Herchenbach Supply Chain Institute“ Entscheider aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien zur Lieferkettensicherheit befragte. Gleichzeitig entwickeln immer mehr Unternehmen Strategien für die Vermeidung von Lieferkettenbrüchen. Rund 50 Prozent verfügen inzwischen über eine Kontinuitätsplanung, vor zwei Jahren waren das noch 40 Prozent.

Doch auf welche Maßnahmen setzen Unternehmen, um die Resilienz ihrer Lieferketten zu steigern? Denn bei 38 Prozent der Befragten ist der Preis im Supply Chain Management der entscheidende Faktor. Schnelligkeit und Sicherheit stehen bei jeweils 27 Prozent der Befragten an erster Stelle.

Erst danach kommen Bemühungen um eine nachhaltige Lieferkette. Dabei zeigen sich im Ländervergleich deutliche Unterschiede in der Fokussierung: In Großbritannien ist mit Blick auf die schwierige wirtschaftliche Lage der Preis bei 56 Prozent der Unternehmen das Hauptkriterium bei der Gestaltung der Lieferkette und damit weit vor Schnelligkeit (19 Prozent) und Sicherheit (14 Prozent). Für die Unternehmen in Deutschland hat die Sicherheit mit 37 Prozent die höchste Priorität, dann folgt Schnelligkeit (34 Prozent) und der Preis (24 Prozent) bildet das Schlusslicht.

Den wirksamsten Hebel zur Steigerung der Resilienz sehen Entscheider in der Erweiterung der Lieferantenbasis: 80 Prozent der Befragten erwarten dadurch eine hohe oder zumindest mittlere Wirksamkeit. 79 Prozent gehen von einer hohen oder mittleren Wirksamkeit bei einer Lieferantensuche im eigenen Land aus, ebenso viele setzen auf eine IT-basierte Überwachung der Lieferkette für mehr Transparenz. 71 Prozent halten eine Erhöhung der Lagerbestände für sinnvoll.

38 Prozent haben Lieferanten im eigenen Land gesucht

Wirklich umgesetzt haben Unternehmen allerdings folgende Maßnahmen: 38 Prozent haben Lieferanten im eigenen Land gesucht, 36 Prozent planen dies. 35 Prozent haben eine IT-gestützte Überwachung ihres Lieferantennetzwerks für eine transparente Lieferkette implementiert und 28 Prozent planen das. Den Mindestbestand bei Lieferanten haben 34 Prozent vertraglich geregelt, 37 haben dies vor.

Die neue Herchenbach-Studie zeigt zum einen, wie sich das Risikopotenzial für gestörte Lieferketten nach der Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine verändert hat und was Unternehmen als größte Herausforderungen für eine sichere Lieferkette wahrnehmen. Gleichzeitig zeigt sich aber auch im Zwei-Jahres-Vergleich zu der vorangegangenen Studie, welche Maßnahmen sich als besonders wirkungsvoll erwiesen haben.

So war zwar bereits vor zwei Jahren der Anteil der Unternehmen, die durch den Einsatz von IT im Zusammenspiel mit ihren Lieferanten ihre Lieferkette sicherer machen wollten, hoch. Allerdings sahen weniger als die Hälfte der Unternehmen insgesamt eine hohe oder zumindest mittlere Wirksamkeit. Das war der geringste Wert bezüglich aller vor zwei Jahren in diesem Zusammenhang abgefragten Maßnahmen. Das hat sich stark geändert: Inzwischen sind 79 Prozent von der Wirksamkeit überzeugt. Anders verhält es sich beim Dual Sourcing. Redundanzen in der Produktion bei Schlüssellieferanten haben in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung verloren: Zwar bietet diese Maßnahme mehr Liefersicherheit, allerdings ist sie auch mit höheren Kosten verbunden.