Supply Chain Awards 2023: Von Transparenz bis Transformation

Die beiden Gewinner der Supply Chain Awards 2023, Finboot und Philip Morris International, im exklusiven Gespräch mit LOGISTIK HEUTE.

Guillaume Popiol (li), VP SC Synchronization Hub bei Philip Morris International, und Alvaro Lllobet, Head of Product bei Finboot, haben exklusiv mit LOGISTIK HEUTE über den Gewinn der Supply Chain Awards 2023 gesprochen. (Foto: Mario Andreya, Collage: Karl Bart/HUSS-VERLAG)
Guillaume Popiol (li), VP SC Synchronization Hub bei Philip Morris International, und Alvaro Lllobet, Head of Product bei Finboot, haben exklusiv mit LOGISTIK HEUTE über den Gewinn der Supply Chain Awards 2023 gesprochen. (Foto: Mario Andreya, Collage: Karl Bart/HUSS-VERLAG)
Sandra Lehmann

Am 14. November wurden in Frankfurt die diesjährigen Supply Chain Awards vergeben, die jährlich von LOGISTIK HEUTE, PwC und Strategy& ausgelobt werden. Den Smart Solution Award 2023 durfte Finboot für seine blockchainbasierte Low/No-Code-Plattform „MARCO Track & Trace“ mit nach Hause nehmen. Über den Supply Chain Management Award 2023 freute sich Philip Morris International (PMI). Das Tabak-Unternehmen erhielt den Award für den Aufbau des sogenannten „Sync Hub“, das den Übergang zu einer rauchfreien Produktpalette und Lieferkette beschleunigen soll. Beide Unternehmen haben nach dem Gewinn der Awards exklusiv mit LOGISTIK HEUTE über ihre Konzepte und ihre Pläne für die Zukunft gesprochen.

Besonderen Fokus legt das Start-up Finboot, das seinen Hauptsitz im britischen Cardiff hat, auf eine erhöhte Transparenz in den Lieferketten seiner Kunden sowie verbesserten Austausch von Daten zwischen unterschiedlichen Teilen der Supply Chain.

„Es gibt viele verschiedene Herausforderungen, mit denen die Lieferketten heute konfrontiert sind. Zunächst galt es, die Covid-19-Pandemie zu stemmen und nun haben wir es mit geopolitischen Verwerfungen zu tun, die die Supply Chains belasten. Durch diese Herausforderungen haben wir erkannt, dass vor allem mehr Zusammenarbeit und Transparenz nötig sind sowie die Möglichkeit, Daten zwischen verschiedenen Unternehmen und Teilen der Lieferkette auszutauschen“, sagt Alvaro Llobet, Head of Product bei Finboot, im Interview mit LOGISTIK HEUTE. „Das ist der Grund, warum wir MARCO Track and Trace geschaffen haben. Einerseits geht es darum zu verstehen, wie Lieferketten funktionieren, wie sie weltweit abgebildet werden, und andererseits darum zu verstehen, woher die Produkte stammen, die jeden Tag konsumiert werden.“

Mit dem Konzept verknüpft das junge Unternehmen insbesondere den Nachhaltigkeitsgedanken, wie Llobet erläutert.

„Es gibt eine Reihe von Herausforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit, die so schnell wie möglich bewältigt werden müssen, um den Weg zur Netto-Null zu beschleunigen. Unserer Meinung nach kann Blockchain dazu einen großen Beitrag leisten. Sie kann helfen, weil sie die richtige technologische Grundlage dafür ist und weil sie eine sichere Datenkommunikation zwischen Regulierungsbehörden, zwischen Verbrauchern sowie zwischen Unternehmen ermöglicht. Blockchain schafft Ökosysteme des Vertrauens. Das ist entscheidend, wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, denn wir müssen verstehen, welche Emissionen wir verursachen, woher unsere Produkte kommen, wohin sie gehen, wie die Abfallwirtschaft dieser Waren aussieht, denn nur dann können wir auch entsprechend handeln.“

Das Ziel Zigaretten durch rauchfreie Produkte zu ersetzen, war für Philip Morris International Ansporn, die eigene Supply Chain auf E-Zigaretten, Nikotinbeutel und erhitzte Tabakprodukte umzustellen.

„Um dieses Ziel zu erreichen, musste unsere Lieferkette erheblich umgestaltet werden“, so Guillaume Popiol, VP SC Synchronization Hub bei Philip Morris International im Gespräch mit LOGISTIK HEUTE. „Was oft übersehen wird, ist, dass PMI nicht als Multikategorie-Unternehmen geboren wurde. Transformation bedeutete für uns, dass wir uns von einem stabilen, monolithischen Konzern mit nur einer Kategorie zu einem wesentlich komplexeren, verbraucherorientierten Unternehmen mit einem viel größeren und vielfältigeren Produktportfolio sowie einer Vielzahl neuer Kanäle und Berührungspunkte mit den Verbrauchern entwickeln mussten.“

Dabei war der Konzern mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert, wie Popiol berichtet:

„Die größte Herausforderung begann gleich nach unserer Ankündigung, rauchfrei zu werden. Um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben: Zu der Zeit, als wir nur herkömmliche Zigaretten herstellten, war die Lieferkette nicht einmal eine eigenständige Abteilung. Sie war mit der Beschaffung und oft auch mit der Fertigung kombiniert und auf mehrere Fabriken und Märkte verteilt. Unsere erste Herausforderung bestand also darin, eine zentrale Planungsfunktion zu schaffen, die Standardisierung voranzutreiben und eine einheitliche Arbeitsweise einzuführen. Es hat Zeit und Mühe gekostet, aber der geschäftliche Bedarf war da, und allen bei PMI war klar, dass die Lieferkette einen wichtigen Beitrag leisten musste, um eine rauchfreie Zukunft zu ermöglichen“, so Popiol gegenüber LOGISTIK HEUTE.

Auf welche Weise PMI diese Herausforderungen gemeistert hat, lesen Sie im kompletten Interview mit Guillaume Popiol. Welche Pläne Finboot für die Zukunft hat, erläutert Alvaro Llobet hier.

Steter Wandel

Nichts ist so beständig wie der Wandel. Dies gilt auch für die Logistik, die zu den wichtigsten Wirtschaftsbereichen in Deutschland zählt. Mit mehr als drei Millionen Beschäftigten sorgt sie für den Transport und die Lagerung von Gütern. Darüber hinaus steuert sie Informations- und Warenströme. Logistik hält die Wirtschaft am Laufen.