Studie: Wie Mikrodepots die Umwelt entlasten

Mit einer großangelegten Untersuchung analysierte das Land Berlin erstmals systematisch, wo sich Mikro-Depot-Konzepte lohnen und wie sie sich skalieren lassen.

Wo der Einsatz von Lastenrädern und Mikrodepots sinnvoll ist, hat der Berliner Senat in einer aktuellen Studie ermittelt. (Symbolbild: David Fuentes/AdobeStock)
Wo der Einsatz von Lastenrädern und Mikrodepots sinnvoll ist, hat der Berliner Senat in einer aktuellen Studie ermittelt. (Symbolbild: David Fuentes/AdobeStock)
Sandra Lehmann
(erschienen bei LOGISTRA von Johannes Reichel)

Mit Mikrodepots geht mehr als erwartet, aber es wurde weniger als möglich realisiert: Das ist das Kurzfazit einer jüngst bilanzierten Berliner Mikrodepot-Studie. Um wirklich größere verkehrsentlastende Wirkung zu entfalten, müssten Mikrodepot-Konzepte skaliert werden. Das Potenzial sei in hohem Maße vorhanden, wie auch eine detaillierte Analyse der Berliner Stadträume und Quartiere ergab. Allerdings seien die konkreten Situationen zu heterogen für einen einzigen Ansatz. Es gehe um ein Zusammenspiel privater Unternehmen und der öffentlichen Hand, kleiner und großer Player sowie Single- und Multi-User-Konzepten. Dabei kämen Mikro-Depots sowohl und speziell in der Innenstadt, aber auch in den Vororten vielfach in Frage. So hätten etwa 45 der 55 Planungsräume mit einem hohen Potenzial noch keine Mikrodepot-Standorte, so Paul Hebes von „Wissensbasierte Planung“.

Im Auftrag der Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz (SenUMVK) hatten die LNC LogisticNetwork Consultants, die Agentur Wissensbasierte Planung und die Agentur cargobike.jetzt eine praxisbasierte Studie zu Potenzialen und Wirkungen von Mikro-Depots im Land Berlin erarbeitet. Das Vorhaben mit einer Projektlaufzeit von Dezember 2021 bis März 2023 wurde im Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung (BENE) gefördert aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung und des Landes Berlin.

Probieren geht über Studieren

Es gehe darum, auch mal mutig etwas auszuprobieren, um die Letzte Meile so emissionsarm wie möglich zu gestalten, erklärte Mobilitäts-Staatssekretärin Meike Niedbal. Dafür sei man als Land Berlin bekannt. Man müsse aber auch sehen, dass durch die emissionsfreie Logistik mit Mikro-Depots und Lastenrädern höhere Prozesskosten entstünden, die mit dem Nutzen abgewogen werden müssten. Dieser entstehe aber auch durch geringere Umweltbelastung, durch städtebauliche und verkehrstechnische Entlastung. Die komplexeren Prozesse gelte es, also so effizient wie möglich zu gestalten, sodass die Modelle möglicherweise skaliert und standardisiert werden können. Modularisierung und Vorkommissionierung würden hier noch wenig genutzt, bestätigte Michael Kuchenbecker von LNC, seien aber essentiell für mehr Effizienz. 

Kritischer Punkt Flächenverfügbarkeit

Der kritischste Punkt sei sicher die Verfügbarkeit von Flächen, wo man als Land Berlin behilflich sein wolle, so Niedbal weiter. Hier gehe es aber auch um einen Mix aus privatem und öffentlichen Engagement, wie auch der Leiter der Gruppe „Wirtschaftsverkehr und Fernverkehr“ Julius Menge erklärte. Hier gebe es noch viele Detailfragen zu klären, man sei aber auch im Gespräch etwa mit Groß- und Einzelhandelsbetreibern mit verfügbaren Flächen oder auch Parkhausbetreibern. Geklärt werden müssten dabei neben den Kostenaspekten auch technische Detailfragen wie Vor- und Nachläufe oder Traglasten.

Das große Ziel: Kfz-Fahrten reduzieren

Nico Keinath, Projektverantwortlicher bei der SenUMVK wollte erst einmal definiert wissen, was unter dem Begriff Mikro-Depots überhaupt zu verstehen ist. Unter anderem zählte man in dem Berliner Projekt auch die boomenden e-Grocery-Start-ups als Mikro-Depots. Die Verantwortlichen wollten erstmals wissenschaftlich basiert der Frage nachgehen, wie groß die Möglichkeiten von Mikrodepot-Anwendungen im Hinblick auf den Klimaschutz und die Verkehrsentlastung überhaupt sind.

Ziel sei es gewesen, Kfz-Fahrten so weit es geht zu ersetzen und zu ermitteln, wie das am besten zu bewerkstelligen ist, so die Projektleiter Julius Menge und Nico Keinath von der SenUMVK Gruppe Wirtschaftsverkehr und Fernverkehr. Zwar habe das 2018 gestartete, 2019 in den Alltagsbetrieb übernommene Pilotprojekt KoMoDo zur kooperativen Nutzung eines Mikro-Depots durch mehrere KEP-Dienstleister Pionierarbeit geleistet. Allerdings fehlte hier noch die ausreichende Untersuchung über die exakte Wirkung des Depots. Die neue Studie hat hier Abhilfe geleistet, so die Verantwortlichen in ihrem Fazit. Das Wissen wolle man nun nutzen, für die organisatorische Ausgestaltung von Mikro-Depot-Konzepten sowie zur Bedarfsermittlung.