Studie: Welthandel verliert zunehmend an Einfluss

Laut einer Erhebung von Euler Hermes ist Protektionismus das „neue Normal“.

1,7 Prozent Wachstum im Welthandel prognostiziert eine Studie von Euler Hermes für 2020. (Foto: psdesign / Fotolia)
1,7 Prozent Wachstum im Welthandel prognostiziert eine Studie von Euler Hermes für 2020. (Foto: psdesign / Fotolia)
Therese Meitinger

Eine im November 2019 veröffentlichte Studie des Kreditversicherers Euler Hermes sieht die Macht des Welthandels schwinden. 2019 dürfte demnach der Handel von Waren und Dienstleistungen mit einem schmalen Plus von 1,5 Prozent das niedrigste Wachstum (Volumen) in der gesamten letzten Dekade verzeichnen. Beim Wert der gehandelten Waren dürfte der Prognose zufolge für 2019 am Ende sogar ein Minus von -1,7 Prozent zu Buche schlagen, das vor allem dem Einbruch bei den Rohstoffpreisen geschuldet ist. Insgesamt habe der schwache Welthandel 2019 für Exporteure zu Verlusten von 420 Milliarden US-Dollar geführt, so Euler Hermes.

Das Imperium schlägt 2020 nicht zurück

„Auch 2020 wird das Imperium des Welthandels nicht gerade mit voller Wucht zurückschlagen", sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Das Schlimmste dürfte zwar vermutlich hinter uns liegen, allerdings erwarten wir im kommenden Jahr auch nur magere 1,7 Prozent Wachstum bei Welthandel. Auch der Handelskonflikt mit seinen Zöllen verschwindet 2020 nicht plötzlich von der Bildfläche."

Der Mini-Deal zwischen den USA und China, der schwächelnde Handel von Dienstleistungen sowie ein vollgepackter politischer Terminkalender mit jeder Menge Unsicherheiten lassen laut der Studie wenig Hoffnung für deutliche Verbesserungen. Das Wachstum der Weltwirtschaft verlangsamt sich demnach noch weiter auf +2,4 Prozent (2019: 2,5 Prozent). Zudem müssten sich einige Exportnationen noch von den Verlusten im aktuellen Jahr erholen, so die Studie.

2019: China größter Export-Verlierer, Deutschland auf Sparflamme

„Der schwache Welthandel bringt 2019 eine Reihe von Verlierern mit sich", sagt Van het Hof. „Zu diesen gehört neben China auch Deutschland. Das ist wenig überraschend, denn keine andere große Exportnation hat mehr Handelspartner als Deutschland und ist mehr vom globalen Handel abhängig. Negative internationale Entwicklungen schlagen demnach schnell auf Wirtschaft und Unternehmen durch. Insbesondere der hohe Exportanteil von Automobilen (13%) und Investitionsgütern (45%) wirkt sich aktuell negativ aus, ebenso wie die ungünstige geografische Verteilung der Exporte. Fast 20 Prozentz gehen nach China, Italien und Großbritannien.“

Um die 70 Länder zu vergleichen, haben die Volkswirte von Euler Hermes in der Studie die Exportveränderung bei Waren und Dienstleistungen alle in US-Dollar berechnet. Chinas Exportverluste belaufen sich demnach auf -67 Milliarden US-Dollar, Deutschland folgt im internationalen Vergleich auf Rang 2 mit -62 Milliarden US-Dollar. Allerdings spielt hier die starke Aufwertung des US-Dollar gegenüber dem Euro eine große Rolle. In Euro sieht das Bild nicht mehr ganz so drastisch aus.

Bei den Branchen verzeichnen 2019 laut der Studie die Elektronik- (-212 Milliarden US-Dollar) und Metallbranche (-186 Milliarden US-Dollar) sowie der Energiesektor (-183 Milliarden US-Dollar) nach Berechnungen der Studie die größten Einbußen beim Export.

Zunahme bei Handelsbarrieren nur leicht gebremst

Grund für den schwachen Welthandel ist nach Ansicht von Euler Hermes zum einen das deutlich langsamere Wachstum der Weltwirtschaft mit 2,5 Prozent im Jahr 2019 im Vergleich zu noch +3,1 Prozent im Vorjahr. Zudem könnten 2 Prozentpunkte (pp) bei den Einbußen über zwei Jahre (2019 und 2020) direkt auf die großen Unsicherheiten und die höheren weltweiten Zölle durch den Handelskonflikt zurückgeführt werden, so die Studie.

„Protektionismus ist das neue Normal“, sagt Van het Hof. „2019 wurden mit 1.291 neuen Maßnahmen weltweit zwar etwas weniger neue Handelsbarrieren implementiert als im Vorjahr. Allerdings markierte 2018 auch einen Negativrekord mit 1.382 neuen Handelsbarrieren. Im laufenden Jahr sind es immer noch fast vier Mal so viele als noch vor zehn Jahren: 2009 waren es gerade mal 331 neue Maßnahmen.“

Die USA hat sich als zweifelhafter Rekordhalter auf ein Zoll-Niveau aus den 1970er_Jahren zurück katapultiert mit durchschnittlichen Zöllen von rund 8 Prozent.

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