Studie: Unternehmen sichern Lieferketten mit strategischen Investitionen ab

Eine Studie von Blue Yonder zeigt die aktuellen Supply-Chain-Herausforderungen für Unternehmen und mit welchen Maßnahmen gegengesteuert wird.

Der Einsatz von KI gilt laut einer Studie von Blue Yonder vielen Unternehmen als wichtiges Mittel, um Lieferketten abzusichern. (Symbolbild: Mediaparts/stock.adobe.com)
Der Einsatz von KI gilt laut einer Studie von Blue Yonder vielen Unternehmen als wichtiges Mittel, um Lieferketten abzusichern. (Symbolbild: Mediaparts/stock.adobe.com)
Sandra Lehmann

Globale Lieferketten mit ihren eng getakteten Netzwerken und weltweit verteilten Lieferanten- und Kundenstrukturen gelten momentan als fragil. Personalmangel, unsichere Transportwege, Streiks, geschlossene Häfen oder Naturkatastrophen sind weitere Auslöser, die dafür sorgen, dass globale Lieferkettenstörungen zunehmen und es Unternehmen erschweren, präzise zu planen. Um ihre Umsatzziele auch weiterhin zu erreichen, sehen immer mehr Firmen die Notwendigkeit, ihre Lieferkette durch strategische Investitionen abzusichern. Das hat eine aktuelle Studie des IT-Anbieters Blue Yonder ergeben.

Der weltweit durchgeführten Erhebung zufolge, die 600 Führungskräfte im Lieferketten-Management zu ihren strategischen Supply-Chain- und Logistikaktivitäten im vergangenen Jahr interviewt hat, investierten Unternehmen vor allem in die Bereiche Nachhaltigkeit und innovative Technologielösungen. Danach konnten 43 Prozent der befragten Unternehmen ihren Umsatz im vergangenen Jahr steigern und 38 Prozent Störungen entlang der Lieferkette reduzieren. In der DACH-Region konnten 44 Prozent der Unternehmen zudem ihre Effizienz steigern und ihren Marktanteil ausbauen.

Großbritannien von schweren Störungen betroffen

Laut der Umfrage von Blue Yonder war eine große Mehrheit von 84 Prozent der weltweit befragten Unternehmen im Vorjahr von Unterbrechungen der Lieferkette betroffen. In der DACH-Region waren sogar fast alle, nämlich 97 Prozent der Unternehmen, mit Störungen konfrontiert, die meisten im Vergleich aller Regionen. Über die Hälfte der Störungen im DACH-Raum lag dabei im moderaten (54 Prozent) und geringfügigem (37 Prozent) Bereich. Besonders schwere Störungen verzeichneten die Lieferketten in Großbritannien (elf Prozent). Die DACH-Region kam mit einer Quote von fünf Prozent vergleichsweise glimpflich davon.

Von fehlenden Rohstoffen bis Arbeitskräftemangel

Die befragten Unternehmen führten ihre Lieferkettenprobleme hauptsächlich auf die mangelnde Verfügbarkeit von Rohstoffen (48 Prozent) und verlängerte Lieferzeiten bei Materiallieferanten (47 Prozent) zurück. Als weitere Ursachen wurden fehlende Arbeitskräfte (44 Prozent) sowie mangelnde Verfügbarkeit von Transport- und Frachtschiffen (41 Prozent) genannt. In der DACH-Region kam es aufgrund von Extremwetter/Klimawandel und Änderungen der Schifffahrtsrouten zudem häufiger zu wetterbedingten Störungen als in anderen Regionen.

Die am häufigsten genannten Folgen der Lieferkettenunterbrechungen waren verzögerte Lieferzeiten für die Kunden (42 Prozent), Produktionsstillstand (42 Prozent) und das Nichteinhalten-Können neuer Vorschriften (39 Prozent). Die beiden gravierendsten Auswirkungen – Verzögerungen für den Kunden und Produktionsstillstände – waren in den meisten Regionen identisch. Im DACH-Raum wurde hingegen der Mangel an qualifiziertem Personal mit 49 Prozent als Hauptursache für Lieferkettenunterbrechungen angegeben.

Inflation als zentrale Herausforderung

Steigende Kosten, vornehmlich verursacht durch Inflation, gehören zu den zentralen Herausforderungen, mit denen Supply-Chain Manager im vergangenen Jahr konfrontiert waren. Im DACH-Raum sowie in Frankreich/Benelux waren die Transportkosten besonders hoch. 48 Prozent der Unternehmen in DACH und 47 Prozent in Frankreich/Benelux gaben an, dass dieser Bereich am stärksten von der Inflation betroffen war. In anderen Regionen stiegen vor allem die Materialkosten. Mit 41 Prozent war hier die Teuerungsrate in UK am höchsten, gefolgt von US mit 36 Prozent. In DACH und Frankreich/Benelux fiel die Preiserhöhung beim Material mit jeweils 28 Prozent vergleichsweise moderat aus.

Gewinne sinken weltweit

Durch die Kombination aus hoher Inflation, Störungen der Lieferkette und einem insgesamt verlangsamten Wirtschaftswachstum verringerte sich bei vielen Unternehmen die Gewinnspanne. Aufgrund steigender Kosten reduzierten sich bei insgesamt 46 Prozent der weltweit befragten Unternehmen die Margen. Am stärksten sanken die Gewinne in den Vereinigten Staaten. Hier verzeichneten 60 Prozent der befragten Unternehmen sinkende Profite, gefolgt von DACH (43 Prozent), Frankreich/Benelux (26 Prozent) und UK (24 Prozent). Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen verzeichneten jedoch auch höhere Gewinnspannen. Besonders hohe Margenzuwächse verzeichneten die Unternehmen in der Region Frankreich/Benelux (58 Prozent). Es folgen die DACH-Region (41 Prozent), UK (39 Prozent) und US (24 Prozent).

Um Gewinneinbußen abzufedern, nimmt die Bedeutung strategischer Investitionen in die Lieferkette für Unternehmen immer mehr zu. Acht von zehn der befragten Unternehmen (79 Prozent) haben im vergangenen Jahr ihre Investitionen im operativen Bereich der Lieferkette erhöht und lediglich vier Prozent ihre Investitionen reduziert. Weltweit investierten 51 Prozent der befragten Firmen mehr als zehn Millionen Dollar in die Lieferkette. In US, UK und Frankreich/Benelux investierten 80 Prozent der Unternehmen weniger als 15 Millionen Euro in die Lieferkette. Eine Ausnahme bildet die DACH-Region. Hier investierten 31 Prozent der Firmen mehr als 15 Millionen Euro.

Nachhaltigkeit als Topthema

In allen befragten Regionen investierten die Unternehmen vor allem in zukunftsfähige Bereiche wie Nachhaltigkeit (48 Prozent) oder KI-basierte Technologien (41 Prozent). Weitere Schwerpunkte lagen auf der Entwicklung neuer Strategien (40 Prozent), der Beschaffung zusätzlicher Arbeitskräfte (39 Prozent) und der Umsetzung der digitalen Transformation (37 Prozent).

Das Thema Nachhaltigkeit hatte für fast alle Unternehmen die höchste Priorität. Besonders hoch waren die Investitionen im Bereich Nachhaltigkeit in der US-Region. 55 Prozent der US-amerikanischen Unternehmen erhöhten ihren Etat in diesem Bereich (gegenüber 42 Prozent im Jahr 2023 und 43 Prozent im Jahr 2022), dicht gefolgt von der DACH-Region (49 Prozent) und Frankreich/Benelux (46 Prozent). In UK erhöhten 27 Prozent der befragten Firmen ihre Nachhaltigkeitsausgaben. Das ist der niedrigste Wert aller Regionen.

Retourenlogistik in DACH-Region besonders wichtig

Während das Thema Transporteffizienz für Frankreich/Benelux (63 Prozent) und US (59 Prozent) oberste Priorität hat, konzentrierten sich Unternehmen in der DACH-Region hauptsächlich auf die Verringerung von Abfall und Ausschussware (66 Prozent) sowie auf das Reduzieren von Rückgabeprozessen (47 Prozent) entlang der gesamten Lieferkette.

KI als Erfolgsfaktor

Die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in das Supply Chain Management ist für Unternehmen zu einem wichtigen Erfolgsfaktor geworden und steht bei den Lieferketten-Investitionen an zweiter Stelle. Laut der Blue Yonder Studie nutzen mittlerweile mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen KI für die Lieferkettenplanung (56 Prozent), im Transportwesen sind es 53 Prozent und im Auftragsmanagement 50 Prozent. Generative KI hat ein großes Potenzial und könnte die Art und Weise, wie Unternehmen mit Lieferkettenprozessen umgehen, grundlegend verändern. Seit ihrem Aufkommen haben die meisten der befragten Unternehmen generative KI in irgendeiner Form in ihren Lieferketten implementiert (80 Prozent), entweder vollständig (zwölf Prozent), teilweise (33 Prozent) oder in Pilotprojekten (35 Prozent). 91 Prozent der befragten Unternehmen sind der Meinung, dass sich durch generative KI Lieferkettenprozesse optimieren und Entscheidungsfindungen effektiver durchführen lassen. Bei US-amerikanischen Unternehmen steht generative KI – im Vergleich zu KI/Machine Learning (ML) – schon heute klar an erster Stelle. Britische Unternehmen setzen generative KI und KI/ML eher gleichwertig ein, während die DACH-Region vorwiegend KI/ML-basierte Lösungen nutzt.

Blue Yonders „2024 Supply Chain Executive Survey“ wurde von einem Drittanbieter vom 1. bis 15. März 2024 durchgeführt. Die Antworten wurden von mehr als 600 C-Level- und Senior-Führungskräften aus den Bereichen Produktion, Einzelhandel, Drittanbieter-Logistik und Regierung gesammelt, die für die Bereiche Supply-Chain-Strategie, -Planung, -Logistik und -Produktionsabläufe in den USA, Großbritannien, DACH und Frankreich/BENELUX verantwortlich sind.