Studie: Logistikfirmen sind begehrt

Mehr M&A-Deals in Europa als in Nordamerika.
2016 gaben Logistikunternehmen zwar etwas weniger für den Erwerb von anderen Unternehmen aus als 2015. Aber deutlich mehr als in den Jahren 2012 bis 2014. (Symbolfoto: Fotolia/lennets tan)
2016 gaben Logistikunternehmen zwar etwas weniger für den Erwerb von anderen Unternehmen aus als 2015. Aber deutlich mehr als in den Jahren 2012 bis 2014. (Symbolfoto: Fotolia/lennets tan)
László Dobos

Mit 219 Deals und einem Gesamtvolumen von 121,1 Milliarden US-Dollar schloss der Transaktionsmarkt in der Transport- und Logistikbranche das Gesamtjahr 2016 auf hohem Niveau ab. Zu diesem Ergebnis kommt die Analyse „M&A in der Transport- und Logistikbranche 2016“ der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers AG (PwC) aus Frankfurt am Main. Die Anzahl der Deals blieb der Analyse zufolge weltweit nur knapp hinter dem Rekordjahr 2015 zurück. Das Gesamtvolumen nahm zwar auch ab, lag jedoch deutlich höher als in den Jahren 2012 bis 2014. Die Analyse umfasst alle Zusammenschlüsse, Unternehmenskäufe und -verkäufe, Leveraged Buyouts, Privatisierungen und Übernahmen von Minderheitsanteilen mit einem Transaktionsvolumen von mindestens 50 Millionen US-Dollar.

Europa deutlich vor Nordamerika

Der europäische Markt für Mergers&Acquisitions überflügelt Nordamerika laut Analyse deutlich sowohl nach Anzahl (69 gegenüber 39) als auch Volumen (33,8 gegenüber 25,3 Milliarden US-Dollar) der Deals. Die meisten europäischen Unternehmen kauften europäische Investoren (47 Deals im Gesamtwert von 17,9 Milliarden US-Dollar). Unter den außereuropäischen Investoren befänden sich weniger nordamerikanische Unternehmen als im Vorjahr, dafür mehr Unternehmen aus Australien, Singapur und Saudi-Arabien, sagt Dietmar Prümm, Leiter des Bereichs Transport und Logistik bei PwC in Deutschland. Bemerkenswert seien zudem größere Infrastruktur-Deals mit Häfen, Flughäfen und Mautstraßen als Kaufobjekt, ergänzt Prümm.

Auch in Deutschland ist viel los

Nach einem schwachen Vorjahr zeigt sich laut Studie der deutsche Markt 2016 belebt. Neben den Reedereien stehen auch die Logistiker wieder im Visier der Investoren: Rund zwei Drittel der Deals mit deutscher Beteiligung hatten ein Ziel im Logistiksektor (60 von 91). Die heimischen Logistiker zeigten sich hingegen vergleichsweise passiv: „Die namhaften deutschen Transport- und Logistikunternehmen haben sich, bis auf wenige Ausnahmen, wie im Vorjahr mit größeren Akquisitionen zurückgehalten. Viele setzen weiterhin auf organisches Wachstum“, sagt Dietmar Prümm.

Schifffahrt mit voller Kraft in die Konsolidierung

Nach acht Jahren Krise sind die Reeder PwC zufolge zur Konsolidierung gezwungen und benötigen frisches Kapital von Investoren. Überkapazitäten würden der Schifffahrtsbranche zu schaffen machen. Vor diesem Hintergrund müssen sie Kosten senken und neue Wege der Zusammenarbeit finden, sagt M&A-Spezialist Jörg Bredy von PwC. Die großen Hafenbetreiber haben im Gegensatz zu den Reedern auch in den Krisenzeiten gute Ergebnisse verzeichnet, fand die Studie heraus. Sie streben weiterhin nach Wachstum und bieten im Wettbewerb um die zu veräußernden Häfen, so dass für diese hohe Preise erzielt werden.

Dynamischer Markt für Expresslogistik

Die Studie stellt für das Jahr 2016 besonders viele Unternehmenskäufe und Fusionen im Bereich KEP-Dienste fest. Expresslogistiker aus Europa und der ganzen Welt würden Transaktionsziele suchen, um Kapazitäten zu erweitern und Marktanteile auszubauen, schreibt PwC.

Chinesische und indische Märkte in Bewegung

Der rasant wachsende E-Commerce stelle dabei besonders chinesische Expresslogistiker vor neue Herausforderungen und Möglichkeiten. „China ist der weltweit größte Markt für Lieferdienste. Einige Unternehmen verschafften sich im großen Rahmen Zugang zu Kapital an den Börsen, das sie für ihre Expansionspläne benötigen“, analysiert Jörg Bredy. Insgesamt verstärken sich chinesische Logistik- und Schifffahrtsunternehmen durch die Übernahme von chinesischen Wettbewerbern. Die Transaktionen würden die Steuerung der Unternehmen vereinfachen und sie für den internationalen Wettbewerb stärken. Der indische Markt entwickelte sich 2016 für Investoren laut Studie ebenfalls dynamisch.

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