Studie: Logistik weniger von Corona betroffen als andere Wirtschaftszweige

Der europäische Logistikmarkt hat 2020 ein Wirtschaftsvolumen von 1.115 Milliarden Euro generiert.

Der europäische Logistikmarkt 2020 hat durch die Coronapandemie gelitten, aber weniger stark als andere Wirtschaftszweige. (Symbolbild: Kmatta/Adobe Stock)
Der europäische Logistikmarkt 2020 hat durch die Coronapandemie gelitten, aber weniger stark als andere Wirtschaftszweige. (Symbolbild: Kmatta/Adobe Stock)
Sandra Lehmann

Die Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS präsentiert zum Deutschen Logistik-Kongress vom 20. bis 22. Oktober 2021 in Berlin die neue Edition der "TOP 100 der Logistik"-Studienreihe zum europäischen Logistikmarkt. Wie das Institut im Vorfeld bekannt gab, ist die Logistikwirtschaft in Europa zwar aufgrund der Auswirkungen der Coronapandemie eingebrochen, jedoch nicht so stark wie andere Wirtschaftszweige.

2019 besser als erwartet

So habe die Krise einmal mehr deutlich gemacht, wie wichtig die Logistikwirtschaft als Versorger von Wirtschaft und Bevölkerung ist. Noch im Jahr 2019 schien die Entwicklung der Logistikwirtschaft grundsätzlich in Ordnung, obwohl bereits minimal eintrübende Wirtschaftsindikatoren vermuten ließen, dass das Jahr 2019 nicht ganz so gut abschließen würde wie die Vorjahre. In der Retrospektive zeige sich nun, dass in 2019 rund 3,1 Prozent Wachstum – in Bezug zu den Marktpreisen – auf ein Niveau von 1.155 Milliarden Euro realisiert werden konnte.

Einbruch durch Coronapandemie

Der Einbruch folgte laut Fraunhofer IIS dann im Jahr 2020 aufgrund der Auswirkungen der Coronapandemie, und zwar um rund 3,5 Prozent: Mit einem Wirtschaftsvolumen von circa 1.115 Milliarden Euro schrumpft die Logistikwirtschaft damit auf ein niedrigeres Niveau als das von 2018, als 1.120 Milliarden Euro umgesetzt wurden. Trotzdem sei diese Entwicklung bei genauem Hinsehen nicht so negativ zu bewerten, wie sie zunächst scheint: Denn der wichtige Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt der betrachteten 30 Länder (EU27 plus Großbritannien, Norwegen und Schweiz) zeigt, dass 2020 das BIP in Bezug zu den Marktpreisen nominal mit rund sechs Prozent wesentlich stärker eingebrochen ist als die Logistikwirtschaft.

Die Gründe dafür sind der Studie zufolge vielfältig: Die durch den Lockdown bedingten Einschränkungen beispielsweise beim Konsum von Dienstleistungen wie die der Gastronomie, Hotellerie oder der Touristik allgemein haben im Gegenzug zu einer höheren Nachfrage nach Konsumgütern geführt. Dies habe wiederum auch die Nachfrage nach logistischen Leistungen erhöht.

Frachtraten deutlich gestiegen

Außerdem wurde der stationäre Handel durch die Lockdown-Maßnahmen wesentlich eingeschränkt, was wiederum dazu geführt hat, dass der E-Commerce erneut dynamisch wachsen konnte. So sind letztendlich Gütertransporte und ergänzende logistische Leistungen nicht so stark eingebrochen wie das BIP. Außerdem seien aufgrund fehlender Frachtkapazitäten, insbesondere in der Luft- und Seefracht, in diesen Bereichen die Frachtraten deutlich angestiegen, sodass für die gleiche Leistung mehr Geld geflossen ist. Diese Effekte hätten den Einbruch der Logistikwirtschaft abgefedert, sodass diese mit rund zwei Prozent weniger hart getroffen wurde als die Wirtschaft allgemein.

Logistikdienstleister investieren nach Studienangaben auch weiterhin in ihre Digitalisierung: Gemessen an ihren Jahresumsätzen fließen derzeit etwas mehr als zwei Prozent an Investitionen in dieses Feld. Eine Kennzahl, die im Vergleich zu den Vorjahren auch in der Krise stabil zu bleiben scheint. Dies könnte zum einen daran liegen, dass Investitionen in Digitalisierungs- und Technologiethemen meist längerfristig geplant werden. Zum anderen scheint die Krise auch zur Erkenntnis beizutragen, dass Digitalisierung und Automatisierung stabile, resiliente Versorgungsketten fördern. Hier helfe in Störfällen insbesondere mehr Transparenz über Versorgungsketten bei der Planung – und die könne durch Digitalisierung ausgebaut werden.

Wachstum um drei Prozent erwartet

Die Prognose zur weiteren Entwicklung der europäischen Logistik im Jahresverlauf 2021 deutet auf eine Erholung um rund drei Prozent hin: Damit würde die Logistikwirtschaft auf ein Niveau von rund 1.150 Milliarden wachsen. Ab 2022 scheinen laut dem Fraunhofer IIS auch wieder höhere Wachstumsraten erreichbar. Diese seien aber wesentlich abhängig vom weiteren Verlauf der Pandemie und den damit einhergehenden kaskadierenden Effekten.

Die aktuelle Ausgabe der Studie wird von der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer IIS zusammen mit der Deutschen Verkehrs-Zeitung (DVZ) und der Bundesvereinigung Logistik e. V. herausgegeben. Die »TOP 100 in European Transport and Logistics Services 2021/2022« wird unterstützt durch folgende Partner: Aves One, GLP, Nuveen Real Estate, Transporeon.

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