Studie: Halbleiter-Lieferengpässe treffen Großunternehmen

Der Digitalverband Bitkom spricht sich für EU-Allianz für Mikroelektronik aus, um europäische Produktionskapazitäten zu steigern.

Die Digitalisierung treibt auch den Halbleiterbedarf nach oben. (Foto: Nmedia / Fotolia)
Die Digitalisierung treibt auch den Halbleiterbedarf nach oben. (Foto: Nmedia / Fotolia)
Therese Meitinger

Aktuell übersteigt die Nachfrage nach Halbleitern das Angebot bei Weitem. Der Digitalverband Bitkom befragte nun für eine Studie zum Thema Digitale Souveränität mehr als 1.100 Unternehmen aller Branchen ab 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern repräsentativ zu ihrem Halbleiter-Bedarf. Zwei von drei deutschen Unternehmen (66 Prozent) importieren laut der am 17. März veröffentlichten Stuide digitale Bauteile und Hardwarekomponenten wie Chips, Sensoren oder Prozessoren. Je größer die Unternehmen, desto wichtiger seien die Importe, hieß es. Bei den Unternehmen ab 500 Beschäftigten importieren 83 Prozent solche digitalen Bauteile. Hardwarekomponenten sind laut der Studie quer durch alle Branchen gefragt. Besonders hoch ist die Nachfrage in der Chemie- und Pharmaindustrie (72 Prozent) sowie in der Finanzbranche (71 Prozent). Auch im Handel (62 Prozent) sowie in der Automobilindustrie und im Maschinen- und Anlagenbau (je 61 Prozent) ist die Mehrheit der Unternehmen betroffen.

„Mikroelektronik ist eine Schlüsseltechnologie im digitalen Zeitalter und Halbleiter sind die Basis für fast alle künftigen digitalen Technologien. Die aktuellen Lieferengpässen sind ein Anlass, einseitige Abhängigkeiten zu hinterfragen und die Ausgangsposition im globalen Wettbewerb um digitale Technologien zu verbessern“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Corona-Nachfrageschub trifft angespannte Lieferketten

Die Gründe für die aktuellen Lieferengpässe bei mikroelektronischen Bauteilen sind vielschichtig. Der coronabedingte Digitalisierungsschub in allen Lebensbereichen hat Bitkom zufolge zu einer verstärkten Nachfrage nach Halbleitern geführt. Bereits 2020 sei die Nachfrage in Bereichen wie Mobilfunk, Kommunikations- und Dateninfrastruktur, Computing oder Home Entertainment stark angestiegen. Zudem hätten sich andere Märkte deutlich schneller erholt, als noch im vergangenen Sommer erwartet wurde. So sei der coronabedingte Nachfrageschub mit angespannten Lieferketten zusammengetroffen. Geopolitische Konflikte hätten die Situation weiter zugespitzt.

Insgesamt hat sich mit der Coronakrise das digitale Ungleichgewicht nach Einschätzung der in der Studie befragten Unternehmen weiter verschärft. Drei von vier (74 Prozent) sehen durch die Coronapandemie verschärfte internationale Ungleichheiten im Wettbewerb um digitale Technologien. Vier von zehn (41 Prozent) gehen sogar davon aus, dass der technologische Vorsprung anderer Länder für Deutschland nicht mehr aufzuholen ist.

„In den vergangenen Jahrzehnten haben wir in einigen Bereichen an Boden verloren, aber das heißt nicht zwangsläufig, dass es auch so weitergehen muss. Wenn wir jetzt gezielt digitale Schlüsseltechnologien fördern und die Rahmenbedingungen für die datengetriebene Plattformökonomie verbessern, können wir die Trendwende einleiten“, so Achim Berg.

Vor diesem Hintergrund sei die gemeinsame Erklärung zahlreicher EU-Mitgliedstaaten zur Schaffung einer europäischen Initiative im Bereich Mikroprozessoren und Halbleitertechnologien zu begrüßen, um Produktionskapazitäten und Kompetenz für Mikroelektronik in Europa aufzubauen und diese Vorhaben mit Milliardensummen zu fördern. Diese soll die Etablierung einer europäischen Allianz für Mikroelektronik vorantreiben sowie die Erstellung eines sogenannten wichtigen Projekts von gemeinsamem europäischem Interesse („Important Project of Common European Interest“, IPCEI) zu Mikroelektronik und Kommunikationstechnologien unterstützen.

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