Studie: Europäischer Logistikmarkt ist 2022 deutlich gewachsen

Das Marktvolumen in der europäischen Logistik ist einer Analyse des Fraunhofer IIS zufolge im vergangenen Jahr auf 1.490 Milliarden Euro gestiegen.

Das Volumen des europäischen Logistikmarktes ist 2022 stark gewachsen. (Symbolbild:ake1150/AdobeStock)
Das Volumen des europäischen Logistikmarktes ist 2022 stark gewachsen. (Symbolbild:ake1150/AdobeStock)
Sandra Lehmann

Der europäische Logistikmarkt ist im Jahr 2022 auf 1.490 Milliarden Euro angewachsen. Das geht aus der aktuellen Analyse „Top100“ des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen (IIS) hervor. Zum Vergleich: Bei der letzten Erhebung des Fraunhofer IIS im Jahr 2020 lag das Marktvolumen der 30 europäischen Länder (die 27 EU-Staaten sowie Schweiz, Großbritannien und Norwegen) noch bei 1.115 Milliarden Euro.

Die Forscher führen den Zuwachs im europäischen Logistikmarkt im Wesentlichen auf zwei Ursachen zurück. Zum einen seien durch die Inflation, die in Europa zwischenzeitlich bei bis zu acht Prozent gelegen habe, die Euro-Umsatzwerte stark gestiegen, wohingegen die realen Größen – also etwa Tonnenkilometer sowie Fahrzeug- und Beschäftigtenzahlen – nur sehr leicht gewachsen wären. Zum anderen habe es innerhalb Europas ein insgesamt höheres Niveau der Straßengüterverkehrskosten gegeben.

Lagerhaltungskosten wirken sich aus

Neben diesen Faktoren wirkte sich dem Fraunhofer IIS zufolge auch die Lagerung von Gütern deutlich auf den Wirtschaftszweig aus. Um Lieferketten resilienter zu gestalten, seien die Bestandhaltungskosten in der europäischen Logistik gestiegen. Zusätzlich gesteigert wurden die Logistikaufwendungen im europäischen Markt 2021 und 2022 durch die starke Preisdisruptionen im globalen Luft- und Seefrachtmarkt. Auslöser hierfür waren nach Angaben des Fraunhofer IIS die zeitweise Schließung chinesischer Häfen, die Blockade des Suezkanals sowie der Rückgang der Luftfracht-Belly-Kapazitäten infolge der Coronapandemie.

Durch neue Berechnungsmethoden ist es laut dem Fraunhofer IIS nun möglich, tiefere Einblicke in die Entwicklung einzelner europäischer Länder zu erhalten. Für 2022 zeigt sich, dass sich das Logistikmarktvolumen nicht in allen Staaten gleich entwickelt hat. In der Differenzierung zwischen Deutschland, Polen, Frankreich und Italien habe beispielsweise lediglich Polen eine Steigerung der Wachstumsrate zu verzeichnen, während in den anderen Ländern zwar das Wachstum positiv ausfiel, die Wachstumsrate jedoch sank.

Zukünftig digital und interaktiv

Wie das Fraunhofer IIS im Rahmen des Deutschen Logistik-Kongresses 2023 mitteilte, wird die Analyse „Top100“ für den deutschen und europäischen Logistikmarkt zukünftig über eine digitale und interaktive Wissensplattform dargestellt. Nutzer könnten sich dort Auswertungen nach eigenen Kriterien zusammenstellen. Um dynamische Veränderungen des Logistikmarktes zeitnah aufgreifen zu können, sollen über Sprachmodelle und KI-basierte Verfahren außerdem weitere Datenquellen zur Analyse erschlossen werden. Die Plattform ist dem Fraunhofer IIS zufolge ab dem 1. Dezember 2023 verfügbar.