Studie: Einkäufer und Zulieferer stehen unter starkem Druck

Mehr als jeder zweite Chief Procurement Officer (CPO) weltweit erlebte 2020 laut dem aktuellen CPO Survey von Deloitte Insolvenzen seiner Zulieferer.

Ausfälle in der Lieferkette machen Einkäufern zu schaffen, wie der aktuelle Chief Procurement Officer (CPO) Survey der Unternehmensberatung Deloitte zeigt. (Symbolbild; Foto: pathdoc/Fotolia)
Ausfälle in der Lieferkette machen Einkäufern zu schaffen, wie der aktuelle Chief Procurement Officer (CPO) Survey der Unternehmensberatung Deloitte zeigt. (Symbolbild; Foto: pathdoc/Fotolia)
Matthias Pieringer

In welchem Ausmaß die Covid-19-Pandemie den globalen Supply Chains im Jahr 2020 zugesetzt hat, zeigt jetzt der aktuelle Chief Procurement Officer (CPO) Survey der Unternehmensberatung Deloitte. Demnach hat mehr als jeder zweite (56 Prozent) der weltweit über 400 befragten CPOs in 40 Ländern, darunter auch Deutschland, 2020 erlebt, dass entscheidende Zulieferbetriebe insolvent wurden oder in ihrem Geschäft erheblich beeinträchtigt waren. Mehr als jeder dritte (36Prozent) musste laut der Studie feststellen, dass Lieferanten den neuen operativen Anforderungen bei weiter steigendem Kostendruck nicht gerecht werden. Und 32 Prozent der Befragten mussten infolge von Ausfällen in der Lieferkette Umsatzverluste im eigenen Unternehmen hinnehmen.

Sorgen in Sachen Beschaffung

Die Folgen der Pandemie, Konjunkturrisiken und – insbesondere in Deutschland – neue regulatorische Anforderungen wie das geplante Lieferkettengesetz werden sich, wie es seitens Deloitte hieß, weiterhin auswirken. Das spiegele sich auch in den Sorgen der CPOs wider: Wirtschaftlicher Abschwung und Deflation gehören für 67 Prozent der Befragten in Deutschland zu den größten Risiken für das eigene Unternehmen, gefolgt von der unzureichenden Resilienz der Zulieferbetriebe (42 Prozent), den weiteren Auswirkungen der Pandemie (40 Prozent) sowie internen Herausforderungen wie der Komplexität des eigenen Unternehmens (39 Prozent).

Komplexere Herausforderungen

„Der Einkauf wurde in der Vergangenheit vielfach auf das Ziel reduziert, mehr Produkte und Services für weniger Geld zu beschaffen“, sagt David Heider, Director Supply Management und Digital Procurement. „Heute stehen die CPOs vor mehr Herausforderungen, die zudem deutlich komplexer geworden sind: Operative Effizienz und effektive Prozesse haben höchste Bedeutung. Ähnlich wichtig ist es vielen CPOs, die schnelle Marktreife ihrer Produkte zu unterstützen sowie eine Basis für Innovationen zu schaffen. Daneben bleibt ein hohes Kostenbewusstsein weiter relevant, vor allem in Deutschland.“

Rolle im Wandel

Die Rolle des Chief Procurement Officers befindet sich den Angaben zufolge weltweit in einem tiefgreifenden Wandel. Zum ersten Mal seit dem 10-jährigen Bestehen des Deloitte Chief Procurement Officer Survey ist demzufolge Kostenreduktion nicht mehr das Wichtigste für die befragten CPOs. Dieses klassische Ziel der Beschaffung liegt nun weltweit auf Platz Zwei der Prioritätenliste, verdrängt von einem neuen Fokus: Operative Effizienz. Mit einem Wert von 77,97 auf der Likert-Skala hat Effizienz die höchste Bedeutung für die Befragten und schafft aus dem Stand den Sprung auf Platz Eins der CPO-Prioritätenliste. Ein anderes Bild zeigt sich laut Deloitte in Deutschland: Für die CPOs hierzulande hat die Kostenreduktion nach wie vor die höchste Bedeutung mit einem Wert von 69,44 auf der Likert-Skala.

Auch der Fokus auf digitale Transformation ist bei den Befragten in Deutschland weniger ausgeprägt (62,16) als im weltweiten Vergleich (76,06). Die Zustimmung zu diesem Punkt ist bei den CPOs weltweit deutlich höher als bei der Befragung des CPO Survey 2019 (63,41). Mit einem Zuwachs von 55,23 (2019) auf 67,55 (2021) haben Themen aus dem Bereich der unternehmerischen und sozialen Verantwortung (Corporate Social Responsibility) der Studie zufolge ebenfalls einen erheblichen Bedeutungszuwachs erlebt.

Technologieeinsatz ausbaufähig

Die große Aufmerksamkeit für den digitalen Wandel hat – so eine weitere Erkenntnis – jedoch auch im weltweiten Vergleich bislang nicht zum vermehrten Einsatz neuer digitaler Technologien geführt. Analyse- und Visualisierungs-Tools, die zum Beispiel das Vertragsmanagement erheblich verbessern, haben nur 15 Prozent der technologischen Vorreiter vollständig eingesetzt. Blockchain-Technologien mit ihrer besonderen Bedeutung für die Stabilisierung und Transparenz der Lieferketten setzen der Studie zufolge lediglich acht Prozent umfassend ein. „CPOs sind gut beraten hier nachzubessern“, empfiehlt Deloitte-Experte Heider. „Denn die Digitalisierung zahlt sich aus wie die Agilsten der Einkaufsorganisationen zeigen.“