Studie: Die Globalisierung hat 2018 leicht abgenommen

Der DHL Global Connectedness Index (GCI) verzeichnet einen leichten Rückgang infolge abnehmender Kapitalströme.

Die Globalisierung wird laut dem DHL Global Connectedness Index weniger von internationalen Spannungen erschüttert, als angenommen. (Foto: Carlos Castilla, Adobe Stock)
Die Globalisierung wird laut dem DHL Global Connectedness Index weniger von internationalen Spannungen erschüttert, als angenommen. (Foto: Carlos Castilla, Adobe Stock)
Therese Meitinger

Der Logistikdienstleister DHL und die NYU Stern School of Business haben am 4. Dezember das Update 2019 zu ihrer Studie „DHL Global Connectedness Index“ (GCI) veröffentlicht. Der neue Bericht gibt einen Überblick über die jüngste Entwicklung der internationalen Kapital-, Handels-, Informations- und Personenströme. Er zeigt den Verfassern zufolge, dass die globale Vernetzung infolge rückläufiger internationaler Kapitalströme im Jahr 2018 leicht abgenommen hat. Trotz negativer geo- und handelspolitischer Einflüsse habe sich der GCI jedoch nicht weit von seinem im Jahr 2017 markierten Rekordhoch entfernt, so DHL. Die weltweite Vernetzung sei immer noch ausgeprägter als zu fast jedem anderen Zeitpunkt in der Geschichte. Auch Hinweise auf eine weiterreichende Umkehr der Globalisierung gibt es den Verfassern zufolge bislang noch nicht.

John Pearson, CEO von DHL Express:

„Obwohl die aktuellen geopolitischen Spannungen gravierende Auswirkungen auf die globale Vernetzung haben könnten, zeigt dieser GCI-Zwischenbericht, dass die meisten internationalen Ströme bislang überraschend stabil sind. Letztlich ist das, was wir derzeit beobachten, keine Umkehr der Globalisierung, sondern ihre Weiterentwicklung.“

Die Berechnungen für dieses Update des DHL Global Connectedness Index basieren laut DHL auf mehr als 3,5 Millionen Datenpunkten zu Länderverbindungen. Neben vollständigen Zahlen für die Jahre 2001 bis 2018 enthält der Bericht demnach eine Teilanalyse für das erste Halbjahr 2019. Eine separate Analyse der US-chinesischen Handelsbeziehung soll ein Schlaglicht auf den starken Rückgang des US-chinesischen Handels. werfen Außerdem adressieren die Autoren die Frage, ob die Globalisierung – wie in letzter Zeit behauptet wird – durch eine Regionalisierung abgelöst wird.

„Unsere Analyse gibt keine Hinweise auf einen ausgeprägten Trend zur Regionalisierung. Tatsächlich ist die durchschnittliche geografische Entfernung zwischen Handelspartnern seit 2012 konstant geblieben“, erläutert Steven A. Altman, Senior Research Scholar an der NYU Stern School of Business und Hauptautor des DHL Global Connectedness Index.

Handels- und Kapitalströme: schwächer, aber kein Einbruch

Dem GCI-Update zufolge haben sich die Handelsströme 2018 in den Anfängen des Handelskonflikts zwischen den USA und China weiter intensiviert. Diese Stärke habe sich 2019 jedoch nicht fortgesetzt, so DHL. In der ersten Jahreshälfte 2019 sei der Anteil der Exporte an der weltweiten Wirtschaftsleistung zurückgegangen. Das Wachstum des Handelsvolumens dürfte zwar in diesem Jahr positiv bleiben, wird den GCI-Verfassern zufolge aber voraussichtlich geringer als das BIP-Wachstum ausfallen. Dennoch lassen die aktuellen Prognosen eine lediglich etwas schwächere Handelsintensität für 2020 erwarten.

Die einzige im Jahr 2018 rückläufige Hauptkomponente des Index waren Kapitalströme. Tatsächlich geht der jüngste Rückgang der globalen Vernetzung ausschließlich auf geringere internationale Kapitalbewegungen, insbesondere bei ausländischen Direktinvestitionen und Portfolioinvestitionen, zurück. Erste Daten für 2019 zeigen DHL zufolge zwar eine Stabilisierung der Kapitalströme, eine deutliche Erholung ist aber weiterhin kaum erkennbar. Der Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen ging demnach jedoch in großen Teilen auf Änderungen in der US-amerikanischen Steuerpolitik zurück. Dies habe veranlassten multinationale US-Konzerne dazu veranlasst, ihre im Ausland erzielten Erträge in die USA zurückzuführen, so DHL. Das deute darauf hin, dass die Grundlagen hier solider sein könnten, als sie erscheinen, und dass tatsächlich kein breit angelegter Rückzug der Unternehmen von der Globalisierung zu beobachten ist.   

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