Studie: Deutschland hinkt beim Lieferantenmanagement hinterher

Laut einer Untersuchung von Ivalua und Forrester verfügen 50 Prozent der deutschen Unternehmen über keine Prozesse zur strategischen Zusammenarbeit mit Lieferanten.

Die Zusammenarbeit mit Lieferanten zu verbessern, steht international auf der Prioritätenliste von Unternehmen ganz oben. (Foto: Riopatuca / Fotolia)
Die Zusammenarbeit mit Lieferanten zu verbessern, steht international auf der Prioritätenliste von Unternehmen ganz oben. (Foto: Riopatuca / Fotolia)
Therese Meitinger

Eine weltweite Studie, die das IT-Unternehmen Ivalua und das Beratungsunternehmen Forrester am 3. Juni vorstellten, untersucht die aktuelle Zusammenarbeit im Beschaffungswesen. Für die Erhebung „Collaborate to Win“ waren im April 2020 insgesamt 425 Entscheidungsträgern in den Bereichen Finanzen, Beschaffung, Vertrieb und Supply Chain in Nordamerika und Europa befragt worden.  Rund 77 Prozent der Teilnehmer gaben Ivalua zufolge an, dass bei den meisten Beschaffungsprojekten nach wie vor Kosten die Entscheidungen zur Auswahl von Lieferanten dominieren. 80 Prozent sind der Ansicht, dass sie die Digitalisierung der Beschaffung innerhalb ihrer Organisation beschleunigen beziehungsweise die Zusammenarbeit verbessern müssen (77 Prozent).

Als besonders überraschend bewerten die Kooperationspartner, dass nur 50 Prozent der befragten deutschen Unternehmen bisher offenbar über Prozesse zur Zusammenarbeit mit strategischen Lieferanten verfügen – in Großbritannien sei man hier mit 67 Prozent schon deutlich weiter. Darüber hinaus glauben den Studienergebnissen zufolge lediglich 38 Prozent der befragten deutschen Wirtschaftslenker, dass das Beschaffungswesen als ein wichtiger Geschäftsbereich angesehen wird, der einen erheblichen Wertbeitrag für das Unternehmen leistet. In den USA waren es hingegen 86 Prozent, in Großbritannien 82 Prozent. Zudem verfügten laut der Umfrage 44 Prozent der deutschen Unternehmen und 48 Prozent der US-Unternehmen nicht über Prozesse, um mit der breiteren Lieferantenbasis zusammenzuarbeiten. In Großbritannien sei dies nur bei einem Drittel (33 Prozent) der befragten Unternehmen der Fall, so Ivalua.

Soziale Verantwortung übernehmen

Interessant auch: Für 77 Prozent der internationalen Befragten hat eine Verbesserung der bisherigen Zusammenarbeit hohe Priorität. Die Befragten nannten außerdem die Verbesserung der sozialen Verantwortung (CSR) der Unternehmen (41 Prozent), die Erhöhung der Gewinnspannen (38 Prozent) und die Beschleunigung des Innovationstempos (36 Prozent) als die wichtigsten Möglichkeiten, bei der Zusammenarbeit mit Lieferanten größere Mehrwerte zu erzielen. Eine reine Fokussierung auf Kostenaspekte und schleppende Digitalisierung sind dabei jedoch eher hinderlich. Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass Unternehmen dies zunehmend erkennen und dieses Manko beheben wollen.

Die Mehrheit der Befragten gab an, die Zusammenarbeit mit den meisten strategischen Lieferanten (90 Prozent) und deren breitere Lieferantenbasis (91 Prozent) in den letzten zwei Jahren verbessert zu haben. Doch es gibt noch Optimierungspotenzial: Dazu gehört unter anderem die Verbesserung der Prozesse zur Zusammenarbeit:  Für viele Organisationen gab es zum Zeitpunkt der Befragung keinen Mechanismus, um effektiv mit der breiteren Zuliefererbasis (42 Prozent), dem Finanzwesen (41 Prozent), der IT (40 Prozent) oder ihren strategisch wichtigsten Lieferanten (39 Prozent) zusammenzuarbeiten.

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