Studie: Der Handel ist tot, es lebe der Handel!

EHI Retail Institute entwirft Szenarien für 2025 - darunter auch das Ende des Handels.
(Symbolbild: Fotolia/robu s)
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Der Handel muss den Digitalisierungsprozess aktiv mitgestalten, um die Zukunft der Handelslogistik mitzubestimmen. Unter anderem zu diesem Ergebnis kommt die „EHI-Szenariostudie Handelslogistik 2025“, die das EHI Retail Institute, Köln, gemeinsam mit Logistikexperten aus dem Handel und seinem Methodenpartner SCMI AG, Paderborn, entwickelt hat. Insgesamt neun Szenarien zeigen in der Studie mögliche Trends und Entwicklungen in der Handelslogistik bis 2025. Die unterschiedlichen Szenarien, die in der Studie als virtuelle Handelsplaneten beschrieben werden, sind vom Grad der Aktivität der Rolle des Handels und der Ausprägung der Digitalisierung geprägt.

Glamoroso: Erlebnisshopping

Der Planet Glamoroso beschreibt ein Szenario, in dem ein Sättigungseffekt im Digitalisierungsprozess erreicht ist. Begünstigt durch eine fortschreitende Urbanisierung sind hier zahlreiche Flagship-Stores – zunehmend von Marken beziehungsweise Herstellern – entstanden. Diese bieten dem Kunden durch Showrooming-Konzepte ein besonderes Einkaufs- und Produkterlebnis. Der Erlebnischarakter des Shoppens sorgt dafür, dass der Kunde die Ware bevorzugt im stationären Handel begutachtet und sich die Ware durch die Logistikpartner des Handels direkt nach Hause liefern lässt. Die Handelslogistik nimmt folglich eine sehr aktive Rolle im Digitalisierungsprozess ein. Allerdings verstärkt sich die Komplexität in der Logistik des Handels unter anderem durch die Zunahme an Retouren.

Schizophrenia: Verschmelzte Welten

Zu einer Verschmelzung der On- und Offline-Welt kommt es hingegen auf dem Planeten Schizophrenia nur in geringem Maße, sodass E-Commerce und stationärer Handel nicht aufeinander abgestimmt sind und nebeneinander existieren. Durch die parallele Existenz beider Welten erhöht sich die Komplexität in der Handelslogistik in Form eines höheren Aufwands bezüglich der Organisation und der Prozessabläufe innerhalb der unterschiedlichen Lieferketten. Gleichzeitig wollen sich immer mehr Hersteller und Anbieter aus der Logistikbranche in der Handelswelt durchsetzen. Indem sie auf ein breites Portfolio an Dienstleistungen zurückgreifen und dadurch effizienter als die Logistik des Handels agieren können, drängen sie sich zwischen Handel und Endkunde und treten in Konkurrenz zu den etablierten Strukturen der Handelslogistik.

Explora: Automatisierte Logistik

Zu einer stärkeren Verschmelzung von E-Commerce und stationärem Handel kommt es hingegen auf Explora. Somit repräsentiert dieser Handelsplanet den klassischen Omnichannel-Handel, der durch kleinere Verkaufsflächen und die Nähe zum Kunden gekennzeichnet ist. Durch den Zuwachs an Auslieferungspunkten (Paketshops, Packstationen, et cetera) und die Fokussierung der Logistik im Bereich des Supply Chain Managements auf den Endkunden kommt es zu einer stärkeren Automatisierung in den Logistikprozessen des Handels. Zudem kommt es im Bereich des Supply Chain Managements zu einem Wettbewerb von Handelslogistik und der eigenen Logistik der Hersteller. Beides sorgt dafür, dass sich die Komplexität in der Handelslogistik massiv erhöht.

Deserto: Das Ende

In einem Worst-Case-Szenario wird das Ende des stationären Handels prognostiziert. Dieses spielt auf dem Planeten Deserto, auf dem der stationäre Handel vielerorts gänzlich verschwindet, während der Onlinehandel eindeutig dominiert. Die Logistik hat sich vollständig vom Handel gelöst, denn „Online Pure Player“ schaffen eigene hoch automatisierte Logistiklösungen, wodurch sie dem Handel die Kontrolle über die Wertschöpfungskette aus der Hand genommen haben. Ihren Platz in diesem Szenario versucht die Logistik über die Einbettung von IT-Systemen und -technologien in existierende IT-Landschaften und die Supply-Chain-Steuerung zu sichern.

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