Strategie: Amazon steigt ins Frachtgeschäft ein

Mit dem End-to-End-Transportdienst „Amazon Global Logistics“ richtet sich der Anbieter gezielt auch an kleine und mittlere Unternehmen.

Beim Transport von Seefracht für Marketplace-Händler arbeitet Amazon mit Logistikdienstleistern zusammen. (Foto: Moofushi / AdobeStock)
Beim Transport von Seefracht für Marketplace-Händler arbeitet Amazon mit Logistikdienstleistern zusammen. (Foto: Moofushi / AdobeStock)
Therese Meitinger

Onlineriese Amazon weitet sein Logistikportfolio aus: Wie das Handelsblatt am 10. Februar berichtete, bietet das US-Unternehmen als „Amazon Global Logistics“ (AGL) Händlern, die auf seinem „Marketplace“ aktiv sind, weltweite Luft- und Seefracht-Dienstleistungen zu vergleichsweise günstigen Frachtraten an. Händler können beispielsweise Container über das ostchinesische Ningbo nach Rotterdam verschiffen lassen, von wo aus Amazon die Ware direkt in seine Warenverteilzentren weitertransportiert. Auch die direkte Abholung beim Hersteller kann gebucht werden. Zuvor hatte sich Amazon mit seinem Service für Marketplace-Händler auf die Zustellung auf der letzten Meile konzentriert.

Externe Logistikdienstleister stellen Seeschiffe und Frachtflugzeuge

LOGISTIK HEUTE hat bei dem Online-Anbieter zu den Hintergründen des Strategiewechsels nachgefragt: Amazon Global Logistics befinde sich noch in der Anfangsphase, heißt es aus dem Unternehmen. Man habe AGL ins Leben gerufen, um Verkaufspartnern dabei zu helfen, Produkte von ihren Ursprungsorten zu Kunden in 190 Ländern zu bringen. Entsprechend versteht Amazon AGL als grenzüberschreitenden End-to-End-Transportdienst, der Verkaufspartner mit internationalen Logistikkapazitäten verbindet. Das zugehörige Logistiknetzwerk aus Frachtflugzeugen und Seeschiffen stellen dabei dem Anbieter zufolge externe Logistikdienstleister zur Verfügung. Die eigene Frachtfluglinie Amazon Air habe damit nichts zu tun.

Mit dem relativ preisgünstigen Service richtet sich Amazon auch gezielt an kleine und mittlere Unternehmen, die sich im Überseehandel aktuell mit hohen Frachtraten konfrontiert sehen. Den Spotmarkt-Preis für den weltweiten Transport eines 20-Fuß-Standardcontainers aus chinesischen Häfen heraus gab der „Shanghai Containerized Freight Index“ am 11. Januar mit 4.980 Dollar an. Das Handelsblatt zitiert hingegen einen Hamburger Importeur von Toilettendeckeln, Duschvorhang-Stangen und Klobürsten, der bei AGL für den Transport seiner Waren aus China rund 7.500 Euro zahlen müsste.    

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