Straßengüterverkehr: Ceva Logistics, Engie und Sanef reduzieren CO2 auf der langen Distanz

Der Test, der auf einer Strecke von über 900 Kilometer zwischen Avignon und Lille durchgeführt wird, soll zeigen, dass das Konzept schon heute den Weg für die Dekarbonisierung des Straßengüterfernverkehrs ebnen kann.

In der zweijährigen Testphase will die ECTN-Allianz den dekarbonisierten Güterfernverkehr unter realen Bedingungen auf Autobahnen erproben. Foto: "L'Empreinte Graphique"
In der zweijährigen Testphase will die ECTN-Allianz den dekarbonisierten Güterfernverkehr unter realen Bedingungen auf Autobahnen erproben. Foto: "L'Empreinte Graphique"
Therese Meitinger
(erschienen bei Transport von Daniela Sawary-Kohnen)

Die Mitglieder der European Clean Transport Network Alliance (ECTN Alliance) haben Ende November mit der Erprobung eines kohlenstoffarmen Güterfernverkehrs begonnen. Das ECTN-Konzept war Anfang des Jahres angekündigt worden und basiert auf einem Netz von Terminals für die kohlenstoffarme Betankung von Lkw. Das berichtet eine Pressemitteilung vom 7. Dezember.

Der Test, der auf einer Strecke von über 900 Kilometer zwischen Avignon und Lille durchgeführt wird, soll laut den Akteuren zeigen, dass das Konzept schon heute den Weg für die Dekarbonisierung des Straßengüterfernverkehrs ebnen kann. Es baut auf einer alternativen Lösung zum Dieselkraftstoff auf und soll Transportunternehmen ermöglichen, den Forderungen der Verladekunden nach einer Dekarbonisierung der Güterströme und gleichzeitig den Erfordernissen der Energiewende gerecht zu werden.

Start mit vier Bio-CNG-Lkw

Die Testphase soll mit vier Bio-CNG-Lkw starten, die vom Transportunternehmen F.D.E. Transports betrieben werden. Der Fuhrpark werde dann schrittweise auf 16 Lkw, davon zwölf mit Elektroantrieb, ausgeweitet, wobei weitere Transportpartner und Verlader hinzukommen würden, hieß es.

Insgesamt sollen an fünf Tagen in der Woche acht Sattelschlepper aus dem Einzugsgebiet Avignon-Marseille nach Norden und acht weitere in die andere Richtung fahren. Laut den drei Akteuren haben Unternehmen wie Intermarché Food Logistics und Heiniken Interesse am ECTN-Konzept und nehmen als Verlader an dem Versuch teil, indem sie einige ihrer Süd-/Nord-Logistikströme für den Test zur Verfügung stellen.

Relais-Terminals an Autobahnen

Das von der Allianz vorgeschlagene Konzept orientiert sich an den früheren Poststationen. Ziel sei es, auf den Autobahnen Relais-Terminals einzurichten, die mit elektrischen Ladegeräten sowie Bio-CNG Pumpen für die Betankung von Lkw ausgestattet sind. An diesen Terminals würden die Anhänger abgehängt und an die Zugmaschine des nächsten Abschnitts wieder angehängt.

Die Teststrecke zwischen Avignon und Lille soll in vier Abschnitte unterteilt werden: Avignon (Vaucluse) - Lyon (Rhône) - Dijon (Côte-d'Or) - Sommesous (Marne) - Lille (Nord).

Jeder Lkw soll dann zweimal am Tag zwischen zwei dieser Relaisstationen hin und her fahren. Das Prinzip der täglichen Hin- und Rückfahrt auf einem festgelegten Straßenabschnitt trage zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Fernfahrer und zur Attraktivität des Berufs bei, da die Entfernung zum Wohnort verringert würde, hieß es.

Jedes Mitglied des Bündnisses bringe zudem sein Fachwissen in die Umsetzung des Konzepts mit ein.

So betreibt Ceva Logistics in den Niederlassungen in Avignon, Lyon, Dijon und Lille Relaisstationen und richtet einen Kontrollturm mit Sitz in Valenciennes ein, der die Verkehrsströme überwacht und die Fahrtzeiten sowie den Energieverbrauch verfolgt. Engie hingegen installiert und betreibt die Elektroladestationen und die Biogaspumpen.

Sanef will laut eigenen Angaben für diesen Test eine Relaisstation auf der Raststätte Sommesous betreiben. Dieser Standort sei beispielhaft für das, wie Terminals auf Autobahnen oder in unmittelbarer Nähe dieser Achsen aussehen könnten, die den Großteil des Straßengüterfernverkehrs trügen.

Lkw-Fahrer können mitmachen

Als offenes Konzept konstruiert lädt die ECTN nach eigenen Angaben verschiedene Interessengruppen wie Transportunternehmen, Lkw-Fahrer, Verladekunden, Energieversorger, Autobahnkonzessionäre, Lkw-Hersteller und Behörden dazu ein, sich an der Entwicklung zu beteiligen.

Im Rahmen des Tests würden zudem die benötigten Prozesse und Software-Tools entwickelt und verbessert werden, hieß es. So erhielten Kunden Zertifikate für den Transport mit kohlenstoffarmem Wasserstoff und könnten auch das gesamte System – 16 kohlenstoffarme Lkw, sechs elektrische Ladestationen und mehrere Bio-CNG-Tankstellen – in Echtzeit überwachen. Luc Nadal, Geschäftsführer von CEVA Logistics Europe:

„Das ECTN-Projekt ist über zwei Jahre gereift. Indem wir die Kapazitäten und das Fachwissen von drei großen französischen Konzernen mit der Unterstützung unserer Partner und Kunden gebündelt haben, konnten wir die Voraussetzungen schaffen, um eine konkrete Antwort auf die entscheidende Herausforderung der Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs in Europa zu geben. Die Erfolgsgeschichte der Elektroautos, können wir mit der Unterstützung der europäischen Behörden auch auf Lkw übertragen. Dieses Experiment ist ein erster Schritt auf dem Weg zu einer weitreichenden Transformation unserer Branche, die erhebliche ökologische Vorteile mit sich bringen wird.“