Start-ups: Liefergrün sahnt drei Millionen Euro Investorengelder ab

Mit dem Kapital möchte das Jungunternehmen aus Münster einen emissionsfreien Lieferdienst in Europa an den Start bringen.

Das Gründer-Team (v.l.n.r.): Niklas Tauch. Robin Wingenbach, Max Schlepper. (Foto: Liefergrün)
Das Gründer-Team (v.l.n.r.): Niklas Tauch. Robin Wingenbach, Max Schlepper. (Foto: Liefergrün)
Sandra Lehmann
(erschienen bei Transport von Christine Harttmann)

Das Münsteraner Start-up Liefergrün hat einer Pressemeldung zufolge drei Millionen Euro Starthilfe für die Einführung eines emissionsfreien Lieferdienstes in Europa erhalten. Nach Eigenangaben ist das Jungunternehmen angetreten, um „die Ökobilanz der letzten Meile endgültig in den neutralen Bereich zu bewegen und Verbraucher guten Gewissens bestellen zu lassen“. Nun wolle das bisher nur in deutschen Städten aktive Unternehmen europaweit expandieren.

Für mehr nachhaltige und klimafreundliche Lieferungen setzt die Last-Mile-Plattform auf Next-Day-Lieferungen durch Fahrräder, Lastenräder und auch mal E-Autos. Dadurch verhindere man pro Lieferung rund 420 Gramm CO₂-Emissionen, teilt Liefergrün mit. Seine Aussage belegt das Unternehmen mit Zahlen: Im Jahr 2021 habe es allein in Deutschland 4,05 Milliarden Onlinelieferungen gegeben, die 2,43 Millionen Tonnen CO2 oder 600 Gramm CO2 pro Lieferung verursachten. Würde der nachhaltige Ansatz von Liefergrün deutschlandweit angewandt, würden sich demnach die Emissionen bei der Paketzustellung um mehr als die Hälfte, nämlich um 1,7 Millionen Tonnen CO2, verringern.

Zu seinem Lieferkonzept erklärt Liefergrün, dass 70 Prozent aller Emissionen im Paketversand in der städtischen Logistik und damit auf der letzten Meile entstünden. Neben Verpackungsmüll sei es genau diese Zahl, die bei Verbrauchern die sogenannte „Paketscham“ hervorrufe. Während sich das Einkaufsverhalten nicht zuletzt durch die Pandemie deutlich in Richtung Onlinehandel und Zustellung verschoben habe, bestelle dennoch bei jedem Klick auch das schlechte Gewissen mit.

Die emissionsfreie letzte Meile wird europaweit gebraucht

Mit seinen Lieferkonzepten sagt Liefergrün „den durch Auslieferungen entstehenden Emissionen, der Lärmbelästigung und Staus den Kampf an – und zwar künftig europaweit“. Das Unternehmen hat dafür jetzt kurzfristig drei Millionen Euro eingesammelt, die jetzt in die ambitionierten Wachstumspläne außerhalb Deutschlands fließen sollen.

Knapp zwölf Monate nach seinem Start ist Liefergrün bach Eigenangaben in mehr als 30 deutschen Städten unterwegs. Das Start-up sieht darin einen Beleg dafür, dass das Konzept sowohl bei Verbrauchern als auch bei Händlern ankommt.

„Der E-Commerce ist in den vergangenen zwei Jahren explodiert. Mehr als 75 Prozent der Deutschen kaufen regelmäßig Produkte online ein. Diese Bequemlichkeit hat jedoch ihren Preis – sie verursacht eine enorme Menge an Emissionen. Dies trägt nicht nur zum Klimawandel bei, sondern verschlimmert auch die Umwelt- und Lärmverschmutzung sowie Platzprobleme in unseren Städten und Gemeinden. Es reicht nicht aus, den Menschen zu sagen, dass sie weniger kaufen sollen, um das Problem zu lösen. Wir müssen den Onlinehandel nachhaltig gestalten. Ein wichtiger Teil davon ist, die letzte Meile der Lieferung in Angriff zu nehmen“, so Liefergrün-Mitgründer Niklas Tauch.

Mitgründer Robin Wingenbach ergänzt:

„Verbraucher wünschen sich echte Taten statt bloßem Greenwashing. Statt Logistik-Emissionen also nur und zum Teil mit fragwürdigen Konzepten zu kompensieren, gilt es sie gleich ganz zu vermeiden. Gleichzeitig sind Versand und Lieferung wichtige Elemente des Shopping-Erlebnisses. Es geht bei Liefergrün also darum, eine grüne Zustelllösung zu schaffen, die keine Kompromisse bei Service und Komfort eingeht.”

Liefergrün bietet Händlern und Verbrauchern eigenen Aussagen zufolge sicher planbare Lieferungen zum nächsten Tag in zweistündig buchbaren Lieferzeitfenstern mit Echtzeitverfolgung der Sendung. Das Start-up weist auch darauf hin, dass es seine Lieferanten „fair“ bezahle.

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