Start-ups: Kiezbote wird vom Forschungsprojekt zum Unternehmen

Bei 100 Paketen am Tag könnte das Start-up wirtschaftlich arbeiten.

Der Kiezbote flitzt demnächst kostenpflichtig durch Berlin: Aus dem Forschungsprojekt ist ein Start-up geworden. (Foto: Jörg Farys/Kiezbote)
Der Kiezbote flitzt demnächst kostenpflichtig durch Berlin: Aus dem Forschungsprojekt ist ein Start-up geworden. (Foto: Jörg Farys/Kiezbote)
Sandra Lehmann

Das Forschungsprojekt Kiezbote, in dessen Rahmen bislang neue Formen der Paketzustellung erprobt wurden, wird nach einer erfolgreichen Pilotphase in ein Start-up überführt und zukünftig als kostenpflichtiger Service angeboten. Das gab das Jungunternehmen mit Sitz in Berlin kürzlich im Rahmen einer Medienmittelung bekannt. Demnach geht das Forschungsteam unter der Leitung der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin davon aus, dass das Konzept unter bestimmten Bedingungen wirtschaftlich erfolgreich sein kann.

„Wir haben gesehen, dass die Idee funktioniert und konnten nachweisen, dass Empfänger mit dem Kiezboten viel zufriedener waren als zuvor“, fasst der Logistikexperte und Projektleiter Prof. Dr. Stephan Seeck (HTW Berlin) zusammen.

Auch wirtschaftlich sei der Betrieb möglich, vorausgesetzt, es gibt genügend zahlungsbereite Kundschaft. Der Pilotversuch habe im Juli 2020 in vier ausgewählten Postleitzahl-Gebieten im Bezirk Charlottenburg begonnen und bei der Bevölkerung rasch Zuspruch gefunden. Insgesamt über 200 Haushalte ließen sich den Forschern zufolge registrieren. Die Kiezboten sammelten deren Pakete in einem Mikro-Depot im Kiez und stellten sie nach individueller Terminvereinbarung per App umweltfreundlich mit dem Lastenrad zu.

Während der Service in der Pilotphase kostenlos war, muss die junge Kiezbote GmbH nunmehr Gebühren verlangen.

„Ab 100 Paketen am Tag schaffen wir es, operativ wirtschaftlich zu werden“ sagt Daniel Quiter, angehender Geschäftsführer des frisch gegründeten Unternehmens.

Außerdem teste man verschiedene Möglichkeiten, zusätzliche Services zu etablieren, zum Beispiel die Retourenabholung oder die Mitnahme und Entsorgung von Sperrmüll.

„Vielleicht bringen wir auch schon bald das Feierabendbier mit den Paketen vorbei“, sagt Quiter.

Gelingt es dem Team, ein erfolgreiches Geschäftsmodell aufzubauen, dann ist für 2022 die Expansion in andere Kieze und Städte geplant, heißt es vonseiten des Start-ups. Anfragen gäbe es bereits.

Partner aus Wirtschaft und Politik

Am Forschungsprojekt beteiligt waren neben den beiden Hochschulen HTW Berlin und HWR Berlin auch mehrere Berliner Unternehmen: der Online-Händler Zalando SE, das Radlogistikunternehmen Cycle Logistics CL GmbH und die Logistikberatung 4flow AG. Während des Projekts seien folgende Partner mit dazugekommen: Pickshare (Software), Citkar (Lastenrad), nebenan.de und die Charlottenburger Baugenossenschaft. Der Berliner Senat hat das Projekt über das Institut für angewandte Forschung Berlin (IFAF Berlin) gefördert.

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