Standortanalyse: Für welche Vorhaben sich die Logistikregion Frankfurt (Oder) eignet

In der Region Frankfurt (Oder) gibt es gute Bedingungen vor allem für Gatewaykonzepte und für die zentrale Distribution in Deutschland und Polen von einer Niederlassung aus, ergab eine logistische Standortanalyse des Fraunhofer IIS.

Laut einer logistischen Standortanalyse für die Region Frankfurt (Oder) eignet sich diese vor allem für Gatewaykonzepte sowie für die zentrale Distribution in Deutschland und Polen von einem Standort aus. Hier abgebildet ist das Logistikzentrum Log Plaza Frankfurt (Oder). (Bild: Osmab)
Laut einer logistischen Standortanalyse für die Region Frankfurt (Oder) eignet sich diese vor allem für Gatewaykonzepte sowie für die zentrale Distribution in Deutschland und Polen von einem Standort aus. Hier abgebildet ist das Logistikzentrum Log Plaza Frankfurt (Oder). (Bild: Osmab)
Gunnar Knüpffer

Die Region Frankfurt (Oder) bietet in erster Linie für Gatewaykonzepte sowie für die zentrale Distribution in Deutschland und Polen von einem Standort aus geeignete Rahmenbedingungen. Für diese zwei Nutzungsarten ist die Kombination der vorhandenen Standortfaktoren besonders günstig. Zu diesem Kernergebnis kommt die „Logistische Standortanalyse für die Region Frankfurt (Oder), die die Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS im Auftrag von Alcaro Invest, Investor Center Ostbrandenburg und PCC Intermodal erstellt und am 18. Oktober per Pressemitteilung veröffentlicht hat.

Darüber hinaus kann der Standort mit Blick auf die gute Straßenanbindung und die Anbindung an den Kombinierten Verkehr, der Lage an einer der wichtigsten Ost-West-Routen im europäischen Güterverkehr sowie der günstigen Kostenstruktur bei Flächen und Arbeitskräften mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis für passende Ansiedlungsinteressenten punkten.

Region Frankfurt (Oder) eignet sich für Händler aus Non-Food-Bereich

Passende Zielbranchen für die Ansiedlung in der Region Frankfurt (Oder) wären der logistischen Standortanalyse zufolge Groß- und Einzelhändler aus dem Non-Food-Bereich sowie Onlinehändler, die von dort aus ein (Retouren-)Gateway zwischen Deutschland und Polen etablieren oder ein ähnlich großes geografisches Einzugsgebiet von einem Zentrallager aus versorgen möchten. Für die Industrie eignet sich die Region laut Studie als Konsolidierungsstandort zwischen ost- und westeuropäischen Märkten, etwa im After-Sales-Bereich, der Ersatzteillogistik, oder als Pufferlager für die Versorgung des neuen Tesla-Produktionsstandorts in Grünheide.

Auch als Importstandort für in Osteuropa oder Asien gefertigte Güter und die anschließende Endkonfiguration und Montage für den deutschen Markt kommt der Standort demnach in Frage. Logistikdienstleister finden in und um Frankfurt (Oder) einen möglichen Standort für nationale Gateways zur Sendungsbündelung sowie für Kontraktlogistik- und Mehrwertdienstleistungen im Umfeld von Terminals und Kombiniertem Verkehr vor.

Region punktet laut Fraunhofer IIS mit Kostenstruktur

Die Studie analysierte in einer Struktur- und Potenzialanalyse verschiedene Standortfaktoren und setzte sie mit anderen bundesdeutschen Logistikregionen in Verhältnis. Die Ergebnisse zeigen laut den Autoren Uwe Veres-Homm und Dr. Stefan Lippl Seifert Schwächen im Bereich der Zentralität, die jedoch unternehmensindividuell bewertet werden muss, sowie bei der überregionalen Sichtbarkeit als Logistikstandort. Eindeutige Stärken von Frankfurt (Oder) würden hingegen im Bereich der Kostenstrukturen sowie der Verfügbarkeit von Ansiedlungsflächen und Arbeitskräften im lokalen Markt liegen. Auch die multimodale Anbindung an das KV-Terminal Frankfurt (Oder) wurde als Standortvorteil gewertet, kann und sollte jedoch laut den Autoren mit Blick auf den anstehenden Ausbau und die Vernetzung mit der regionalen Wirtschaft noch ausgebaut werden, insbesondere hinsichtlich der straßenseitigen Zugänglichkeit.

Das Benchmark mit ausgewählten Vergleichsstandorten zeigte, dass Frankfurt (Oder) im direkten Vergleich des logistischen Angebotsprofils auch mit durchaus etablierten Logistikregionen mithalten kann. Insbesondere für logistische Großansiedlungen würden dort aufgrund des noch gegebenen Flächen- und Arbeitskräftepotenzials noch vergleichsweise gute Rahmenbedingungen bestehen.

Frankfurt (Oder) steht laut dem Fraunhofer IIS zwar noch am Anfang seiner Entwicklung zu einer Logistikregion, bietet aber gerade für größere, personalintensive Logistikansiedlungen Potenziale, die in den Ballungsräumen gar nicht oder nur zu deutlich teureren Konditionen realisiert werden können. So seien etwa die kurzfristig verfügbaren, logistikaffinen Ansiedlungsflächen  im direkten Umland von Berlin aufgrund der hohen Ansiedlungsdynamik der vergangenen Jahre nahezu erschöpft. Die steigende Bedeutung alternativer Verkehrsträger sowie die anhaltende Dynamik im E-Commerce böten weitere Chancen zur Entwicklung des Standorts als Logistikregion.

Laut den Studienautoren sollte neben einer kontinuierlichen Steigerung der Sichtbarkeit der Region im nationalen und internationalen Kontext auch ein fokussiertes Ansiedlungsmanagement betrieben, die Mobilisierung des lokalen Fachkräftepotenzials sichergestellt, eine Spezifizierung der Kostensituation im Vergleich zu Polen vorgenommen und die Einbindung des lokalen KV-Terminals in den regionalen Wirtschaftskreislauf gefördert werden. Entscheidend für künftige Ansiedlungserfolge der Logistikwirtschaft sei nicht nur die fokussierte Ansprache von Ansiedlungsinteressenten, sondern auch das Engagement und die Kooperationsbereitschaft aller beteiligter Akteure.

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