Seehäfen: Entscheidung über Bremer CO2-Hafenterminal soll im Herbst fallen

(dpa) Die unterirdische Speicherung von CO2 ist in Deutschland lange umstritten gewesen. Inzwischen sind Befürworter lauter. In Bremen könnte CO2 von einem Terminal verschifft werden, das BLG betreiben würde.

Bremen: Die Luftaufnahme zeigt den Neustädter Hafen. Im Herbst soll festgelegt werden, ob in dem Bremer Hafen ein CO2-Terminal entstehen wird. (Bild: Carmen Jaspersend, dpa)
Bremen: Die Luftaufnahme zeigt den Neustädter Hafen. Im Herbst soll festgelegt werden, ob in dem Bremer Hafen ein CO2-Terminal entstehen wird. (Bild: Carmen Jaspersend, dpa)
Gunnar Knüpffer

Über den Bau eines Hafenterminals in Bremen für den Transport von CO2 soll im Herbst entschieden werden. Das teilte der Staatsrat im Wirtschaftsressort, Kai Stührenberg (Linke), auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Über das Terminal sollen Schiffe CO2 aufnehmen und zu Speicherstätten in der Nordsee bringen, beispielsweise nach Norwegen. Laut Bundeswirtschaftsministerium braucht es das Verfahren, damit Deutschland seine Klimaschutzziele erreicht.

Die Technologie hinter dem Verfahren nennt sich CCS. Das steht für Carbon Capture and Storage. Mit energieintensiven Verfahren wird CO2 abgeschieden. In Pipelines, Kesselwagen und verflüssigt in Tankschiffen wird CO2 transportiert und an Land und unter dem Meeresboden gespeichert. CCS soll angewandt werden, wenn Emissionen sich nicht vermeiden lassen - beispielsweise in der Zementproduktion. Im norwegischen Teil der Nordsee wird CO2 seit 1996 gespeichert. 

Vor dem möglichen Bau eines Terminals in Bremen müssten technologische Fragen geklärt werden, sagte Stührenberg. Wie kriegen wir das CO2 zum Hafen, wie speichern wir es dort und wie übertragen wir es auf das Schiff? Das Land müsse sich voraussichtlich an Kosten beteiligen. Zurzeit prüfe man, ob und für welchen Zeitraum sich das Vorhaben rentiere, denn langfristig wird der CO2-Export voraussichtlich über Pipelines erfolgen. Eine Kostenschätzung liege bislang nicht vor.

Angedacht ist eine Zusammenarbeit mit dem Hafen-Logistiker BLG, der mehrheitlich der Stadt Bremen gehört. BLG betreibt den Neustädter Hafen in Bremen, wo das Terminal entstehen könnte. Stührenberg zufolge führt BLG zur Klärung dieser Fragen Gespräche mit möglichen Kunden, die CO2 verschiffen lassen möchten. Angedacht ist eine Zusammenarbeit mit dem Hafen-Logistiker BLG, der mehrheitlich der Stadt Bremen gehört. BLG betreibt den Neustädter Hafen in Bremen, wo das Terminal entstehen könnte. Stührenberg zufolge führt BLG zur Klärung dieser Fragen Gespräche mit möglichen Kunden, die CO2 verschiffen lassen möchten. Das Interesse aus der Wirtschaft ist groß, sagte Stührenberg. Namen der Unternehmen dürfe er nicht nennen. Es gehe um recht große Mengen an CO2. Die Bremer Regierung hatte im Koalitionsvertrag festgehalten, Pläne für ein Kohlendioxid-Terminal im Neustädter Hafen zu erarbeiten. 

CCS war in Deutschland lange umstritten. Inzwischen soll es in der Bundesregierung einen Meinungswechsel gegeben haben. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warb dieses Jahr wiederholt für das Verfahren. Das Kohlendioxid-Speicherungsgesetz, das Transport und die Speicherung regelt, soll überarbeitet werden. Das soll unter anderem den Bau von CO2-Leitungen erleichtern. 

Im niedersächsischen Wilhelmshaven planen das Energieunternehmen Wintershall Dea und der Tankterminal-Betreiber HES ein CO2-Terminal. Der Betrieb könne 2029 beginnen.